Siemens-Handysparte
Hintergrund: Geschichte voller Flops und Pannen

Das Handy-Geschäft war für Siemens über viele Jahre ein einziges Desaster. Ein Rückblick zum Gruseln.

jojo MÜNCHEN. Anderthalb Millionen Euro verbrannte die Sparte beispielsweise in diesem Frühjahr jeden Tag. Dann entschloss sich der neue Konzernchef Klaus Kleinfeld, die Mobiltelefone an den Taiwaner Elektronikkonzern Benq zu verschenken. Dem Manager war es so wichtig, den Verlustbringer schnell los zu werden, dass er den Asiaten sogar noch 300 Mill. Euro Mitgift zugesagte.

Zuvor hatte das Management des Münchener Technologiekonzerns jahrelang vergeblich versucht, das Geschäft auf Touren zu bringen. Der Erfolg blieb weitgehend aus. „Der Markt ist dafür keine Entschuldigung“, sagte Kleinfeld jüngst in einem Interview selbstkritisch und fügte hinzu, „wir haben diese Form des Consumer-Geschäfts nicht wirklich beherrscht.“ Marktführer Nokia sei voran gekommen, Siemens nicht, meinte Kleinfeld.

Die Handy-Flops von Siemens sind legendär. So starteten die Bayern im Frühjahr 2003 mit großem Aufwand die Handy-Marke „Xelibri“. Die poppigen Mobiltelefone sollten modebewusste, junge Kunden ansprechen und wurden in Boutiquen angeboten. Nur: Trotz riesigen Werbeaufwands in Modezeitschriften wollte niemand „Xelibri“ haben. Anderthalb Jahre nach dem großen Start gab Siemens die Linie auf, die übrig gebliebenen Geräte verscherbelte das Unternehmen bei Discountern.

Katastrophal auch eine Softwarepanne im Sommer 2004, mit der Siemens die Käufer verstörte. Der Konzern warnte seine Kunden, dass die Geräte der 65er-Baureihe unter bestimmten Umständen die Ausschaltmelodie so laut abspielen könnten, dass es zu Hörschäden kommen könne. Daraufhin brach der Absatz ein und das Image vom Qualitätsanbieter war dahin.

Parallel dazu rutschte der Marktanteil in den Keller. Die Marktführer Nokia und Motorola ließen Siemens um Längen hinter sich. Als Kleinfeld den langjährigen Vorstandschef Heinrich von Pierer im Januar diesen Jahres ablöste, zögerte er denn auch nicht lange. Es vergingen gerade vier Monate, bis sich der Manager von der Handy-Sparte trennte. „Wir mussten einfach handeln“, sagte er hinterher.

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