Siemens prüft Entzug von Patenten und Markennamen
BenQ sieht ganzen Konzern in der Krise

Siemens hat nach den Worten eines BenQ-Managers seine ehemalige Handysparte in der Stunde der Not im Stich gelassen. Noch in der letzten Woche habe die Siemens-Spitze finanzielle Hilfen für den Bereich abgelehnt, sagte BenQ-Strategiechef Rick Lei der Nachrichtenagentur Reuters. Als Konsequenz habe BenQ die Notbremse ziehen müssen. Zugleich machte der taiwanische Handy-Hersteller die Übernahme der Siemens-Mobilfunksparte für eine Krise des Gesamtkonzerns verantwortlich. Die deutsche BenQ Mobile meldete am Freitagmorgen Insolvenz an. Rund 3000 Beschäftigte sind damit akut von Arbeitslosigkeit bedroht.

HB MÜNCHEN. „Wir haben Siemens um Hilfe gebeten. Letzten Donnerstag haben wir die ganze Nacht lang mit hochrangigen Siemens-Managern gesprochen. Aber am Ende haben sie gesagt: „Geschäft ist Geschäft'“, sagte Lei. Ein Siemens-Sprecher sagte, BenQ habe nach der Übernahme des Mobiltelefons vor einem Jahr immer wieder Ansprüche an die Münchener gestellt. Im Frühjahr hatte der inzwischen ausgeschiedene Siemens-Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger bereits angekündigt, die Taiwaner würden diesbezüglich noch „Geräusche machen.“

BenQ Mobile litt unter einem fortschreitenden Schwund von Marktanteilen und fertigte zuletzt noch 3,2 Prozent der weltweit verkauften Apparate. Der Bereiche habe im Wettbewerb mit Branchenriesen wie Motorola und Nokia zudem unter Margendruck zu leiden gehabt, sagte Lei. Nach seinen Angaben hätte es wohl noch eine weitere Milliarde Dollar (787 Mill. Euro) gekostet, BenQ Mobile zu retten. Bisher habe der Mutterkonzern 840 Mill. Euro in die Sanierung der Tochter gesteckt. „Es stellte sich die Frage: Sind wir der Überzeugung, dass wir Erfolg haben werden? Wenn wir sicher gewusst hätten, dass wir es für 800 Mill. Euro am Leben halten können, dann hätten wir es getan.“

Vielmehr sei durch die Übernahme der Handy-Sparte von Siemens der gesamte BenQ-Konzern in eine Krise geraten. „Wir haben seit der Übernahme mehr als 840 Mill. Euro verloren, und unser Aktienkurs ist um mehr als 50 Prozent eingebrochen“, sagte BenQ-Finanzchef Eric Yu dem „Tagesspiegel". Der Gang in die Insolvenz für die Handysparte BenQ Mobile sei eine schwere Entscheidung gewesen. „Aber die Gefahr war zu groß, dass andere Geschäftsbereiche von BenQ in Mitleidenschaft gezogen werden“, sagte Yu. „Wir sind nicht so ein großes Unternehmen wie Siemens. Wir können Verluste in der Größenordnung nicht mehr tragen.“ BenQ habe Gespräche mit Finanzinvestoren über einen Einstieg geführt, allerdings ohne Erfolg. Nun werde man die Entscheidungen des Insolvenzverwalters abwarten.

Ein Kernproblem der einstigen Siemens Mobile sei gewesen, dass sie Produkte erst viel später auf den Markt bringen konnte, als BenQ erwartet habe, sagte Strategiechef Lei weiter. Mit jedem Tag, der verstrichen sei, habe der Elektrokonzern Geld verloren, da die verspäteten Modelle am Markt nur zu deutlich reduzierten Preisen verkauft werden konnten. „Die große Überraschung war, dass alle Produkte, die Siemens uns präsentiert hat, verspätet kamen“, sagte der Manager. „Wahrscheinlich konnte uns Siemens keine präzisen Informationen geben, bevor wir übernommen haben. Wir haben noch immer gewisse Streitigkeiten.“

Siemens bevorzugt gekündigte BenQ-Mitarbeiter

Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hatte erklärt, es sei ihm unverständlich, warum BenQ Mobile Insolvenz angemeldet habe. Der Münchener Konzern erwägt einem Sprecher zufolge rechtliche Schritte gegen die Taiwaner und will unter anderem prüfen, ob die übertragenen Patente wieder zurückholt werden können und ob BenQ die Marke Siemens weiter verwenden darf.

Siemens sei von dem Insolvenzantrag der BenQ Mobile völlig überrascht worden, betonte der Sprecher weiter. „Wir hätten unseren Markennamen nicht hergegeben, wenn wir von der Partnerschaft nicht überzeugt gewesen wären“, sagte der Sprecher. Damals hatte BenQ das Recht erhalten, die Marke Siemens für fünf Jahre nutzen zu dürfen. Das taiwanische Unternehmen habe außerdem eine Reihe von Patenten erhalten.

Vereinbart worden war außerdem, dass Mitarbeiter von BenQ Mobile unter bestimmten Bedingungen einen Anspruch darauf haben, bei einem beabsichtigten Wechsel zurück zu Siemens bevorzugt behandelt zu werden. Nach Auskunft des Firmensprechers ist dafür eine betriebsbedingte Kündigung Voraussetzung.

Außerdem müsse eine Stelle bei Siemens frei sein, und der Bewerber müsse das Anforderungsprofil erfüllen. Wenn diese Voraussetzungen vorlägen, werde einem solchen Kandidaten der Vorrang vor anderen externen Bewerbern gegeben.

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