In dem von einer Korruptionsaffäre belasteten Konzern sitzen nun hauseigene Anwälte im obersten Management. Sie sollen eine aktivere Rolle als bisher übernehmen und Ideen einbringen, sagt Rechtsvorstand Peter Solmssen. Mit dem Umbau wirbt der Konzern um das Vertrauen der Anleger.
MÜNCHEN/ DÜSSELDORF. Der Umbau von Siemens"In Deutschland werden Anwälte noch immer viel zu sehr als Schreiberlinge wahrgenommen, die Bedenken äußern und nur auf die Risiken in Verträgen hinweisen", sagte Rechtsvorstand Peter Solmssen im Gespräch mit dem Handelsblatt. Bei Siemens
sollen die Juristen künftig eine andere, aktivere Rolle einnehmen. Solmssen: "Die Hausjustiziare kennen das Geschäft in- und auswendig, sie sind hochintelligent und sollen deshalb künftig noch viel stärker ihre eigenen Ideen einbringen."
Die Siemens
-Juristen
haben branchenübergreifend einen guten Ruf. Vor gut zwei Jahren wurden sie als eine der drei besten Rechtsabteilungen in Deutschland mit dem "Juve-Award" ausgezeichnet - dem Oskar für die Juristen.
Die Neuorganisation ist auch eine Reaktion auf den Schmiergeldskandal, der Siemens
seit über einem Jahr erschüttert. Dabei sollen Siemens
-Mitarbeiter
schwarze Kassen gebildet und ausländische Geschäftspartner oder Amtsträger bestochen haben, um Aufträge zu bekommen. Derzeit lässt Siemens
die Affäre intern aufarbeiten, gleichzeitig ermittelt die Staatsanwaltschaft.
Künftig sollen die eigenen Anwälte nach Solmssens Vorstellungen nicht wie bisher üblich erst nach Abschluss der Verhandlungen mit Kunden oder Partnern eingeschaltet werden, sondern im täglichen Geschäft präsent sein: "In einem Bereich wie der Medizintechnik ist es zum Beispiel sehr wichtig, dass ein Jurist mit am Tisch sitzt, der weiß, wie die Normen in Zukunft aussehen."
US-Unternehmen haben nach Ansicht des Amerikaners Solmssen enorme Vorteile in Verhandlungen, weil sie grundsätzlich Juristen einbeziehen. Europäische Unternehmen hingegen würden ihre Anwälte in der Regel erst dann einschalten, wenn die Verträge formuliert werden. Das sei aber meist zu spät.
Fakt ist: In den Vereinigten Staaten haben Unternehmensjuristen deutlich mehr zu sagen und tragen mehr Verantwortung. Entsprechend mehr verdienen sie: "Im Schnitt bekommen amerikanische Chef-Syndizi zehn Mal so viel Geld wie ihre deutschen Kollegen", berichtet Aled Griffiths, Chefredakteur des Branchendienstes "Juve". Allein schon das Fixgehalt von Chefjurist John Walton von Allegheny Technologies
beträgt 5,23 Mill. US-Dollar. Mit Boni kommt er auf 9,03 Mill. Dollar. Firmenjuristen wie er werden quasi als Vorstandsmitglieder und Chef einer operativen Abteilung betrachtet. Zum Vergleich: In Deutschland verdient kaum ein Chefsyndikus über 700 000 Euro im Jahr.
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eine Chance hatte.

