Siemens
-Chef Löscher sprach Reinhardt seinen Respekt aus. "Dies zeugt einmal mehr von seinem beispielhaften Verantwortungsbewusstsein und Führungsverständnis." Der 61-Jährige werde weiter beratend für den Konzern tätig sein. Nachfolger als Vorstandsmitglied und Chef der Medizintechniksparte wird Jim Reid-Anderson, der bisher die Diagnostiksparte führt und als Kronprinz Reinhardts galt. Er ist nun neben dem Antikorruptionsvorstand Peter Solmssen der zweite gebürtige Amerikaner im obersten Führungsgremium.
Bisher galt die Medizintechnik nicht als Mittelpunkt der Schmiergeldaffäre. Von den 1,3 Mrd. Euro, die bisher an dubiosen Provisionszahlungen entdeckt wurden, entfielen nur 44 Mill. Euro auf Reinhardts Bereich. Laut Siemens
gab es nun aber Hinweise auf neue Verstöße, die den Vorstand zum Rücktritt bewegten. "Ich habe diese persönliche Entscheidung getroffen, weil sie meinem Verständnis von Führungskultur und unternehmerischer Gesamtverantwortung entspricht", sagte Reinhardt. Im Unternehmen wurde sein Rücktritt auch bedauert. "Das ist ein großer Verlust", sagte Aufsichtsratsmitglied Heinz Hawreliuk von der IG Metall dem Handelsblatt.
Siemens
ist der drittgrößte Anbieter von Medizintechnik weltweit. Nach der Übernahme des US-Konzerns Dade Behring im vergangenen Jahr kommt der Bereich auf einen Umsatz von etwa elf Mrd. Euro. Die Medizintechnik mit ihren 49 000 Beschäftigten ist eine der Ertragsperlen von Siemens. Dies gilt auch als Verdienst Reinhardts, der die Sparte seit 1994 führt.
Die Schmiergeldaffäre und andere Verstöße, zum Beispiel gegen Kartellgesetze, haben den Konzern allein bis Ende 2007 rund 1,7 Mrd. Euro gekostet. Bei der Vorlage der Quartalszahlen will Siemens
am Mittwoch über den aktuellen Stand informieren.

