Silvio Berlusconi
Die Liebe des Cavaliere zu Deutschland

Die Zuneigung des Medienunternehmers Silvio Berlusconi zu Deutschland rostet nicht. Das Interesse seines Medienkonzerns Mediaset an der Übernahme der Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 ist nur ein weiteres Kapitel des illustren Buches „Berlusconi und der deutsche Medienmarkt“.

DÜSSELDORF. Silvio Berlusconi war jahrelang ein enger Partner des Münchener Filmhändlers Leo Kirch. Der Italiener und der Deutsche verstanden sich prächtig. Der ehemalige italienische Premier erinnert sich gerne an den tief katholischen Unternehmer aus Franken. Zusammen mit dem charismatischen Kirch betrieb er viele Jahre den spanischen Privatsender Telecinco. Heute ist das börsennotierte Fernsehunternehmen aus Madrid einer der profitabelsten Sender europaweit. Während Kirch durch den Zusammenbruch seines Medienimperiums im Frühjahr 2002 alle Anteile abgeben müsste, ist Berlusconi bei Telecinco der starke Mann.

Als Kirch mit seiner Holding Kirch Media kurz vor dem Insolvenzantrag stand, wollte Berlusconi zusammen mit dem australisch-amerikanischen Medientycoon Rupert Murdoch das Fernsehgeschäft in München übernehmen. Doch der Plan scheiterte, und Kirch ging pleite. In der deutschen Politik war die Erleichterung groß. Der damalige italienische Premier galt als Musterbeispiel für die zweifelhafte Verquickung zwischen politischer und medialer Macht. Anders als der Geschäftsmann Kirch setzte Berlusconi rücksichtslos seine Kanäle für seinen eigenen politischen Aufstieg ein.

Bei Kirch Media spielte der Cavaliere nur eine Nebenrolle. Er war zuletzt mit 4,8 Prozent an der Muttergesellschaft der Sendergruppe Pro Sieben Sat 1, Kirch Media, beteiligt.

Berlusconi liebt es, auf der Bühne zu stehen. Das ist auch diesmal nicht anders. Ob er zum Zug kommt, steht allerdings in den Sternen. „Die Verkäufer wollen drei Tage nach dem O.K. den Scheck haben“, sagte gestern ein Insider. Dienstag um 24 Uhr war die Angebotsfrist für die Übernahme von Pro Sieben Sat 1 abgelaufen. Die Schnelligkeit des Geldes könnte auch diesmal zum Problem werden. Berlusconi macht gerne große Ankündigungen. Doch aus vielen ist nichts gewonnen.

Im September 1999 war auf der Jahrestagung von Mediaset im Millionärsparadies Monaco die Rede davon, mit Leo Kirch ein europäisches Fernsehnetzwerk zu gründen. Doch das Joint-Venture, das nach monatelangen Verhandlungen startete, spielte nie eine zentrale Rolle im europäischen Mediengeschäft.

Kirch und Berlusconi arbeiteten bereits seit den 90er-Jahren eng zusammen. So verkaufte der damalige italienische Oppositionsführer Berlusconi im Sommer 1998 seine 33,5-prozentige Beteiligung am verlustreichen Deutschen Sportfernsehen (DSF) an Kirch.

Ein Jahr zuvor geriet in dem spektakulären Mailänder Prozess gegen Berlusconi die Kirch-Gruppe in Bedrängnis. Der „Spiegel“ berichtete damals: „Offenbar existierte ein verwobenes Netz mit allerlei Offshore-Firmen in Liechtenstein, Luxemburg und auf den Kanalinseln, über das Geschäfte auf Gegenseitigkeit liefen: Kirch kaufte Firmen mit Berlusconi-Geld in Italien und Spanien, Berlusconi investierte dafür in Deutschland mit Krediten aus kirchnahen Quellen, so vermuten die italienischen Staatsanwälte. Die beiden Tycoone halfen sich so womöglich gegenseitig über die Medien- und Kartellgesetze in ihren Ländern hinweg.“ Doch am Ende fehlten Beweise für zweifelhafte Freundschaftsdienste.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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