Skepsis macht sich breit
Pro Sieben Sat1 nimmt Marktprognose zurück

Deutschlands größter TV-Konzern Pro Sieben Sat1 Media glaubt nicht mehr an ein Marktwachstum von zwei Prozent. Vorstandschef Guillaume de Posch hat die Prognosen für den TV-Werbemarkt zurückgenommen. An seinen Gewinnzielen hält das Unternehmen aber fest.

HB MÜNCHEN. De Posch rückte von der Prognose ab, dass der TV-Werbemarkt in diesem Jahr um zwei Prozent wachsen werde. Mit Blick auf zurückhaltende Aussagen des Konkurrenten RTL sagte de Posch der „Financial Times Deutschland“ (Montagausgabe): „Wenn ich das höre, nehme ich eher an, dass die Marktentwicklung zwischen null und zwei Prozent liegen wird.“ Er hielt aber an der Prognose fest, dass sich die Einnahmen seines Unternehmens besser entwickeln werden als der Gesamtmarkt. An der Börse gab der Kurs der ProSieben-Aktie deutlich nach. Analysten nannten die gesenkte Marktprognose überraschend.

Erst vor wenigen Tagen hatte sich Pro Sieben Sat1 sehr zufrieden mit den Marktanteilen des Unternehmens gezeigt und erklärt, die Prognosen für den Gesamtmarkt hätten weiter Bestand. De Posch bezog sich in seinen Aussagen nun direkt auf neue, vorsichtigere Prognosen des Konkurrenten RTL. RTL-Chef Gerhard Zeiler hatte zuletzt der Tageszeitung „Die Welt“ gesagt, er gehe bei den TV-Nettowerbeumsätzen in Deutschland nur von einer „schwarzen Null“ aus.

Wenn RTL sich so äußere, werde das Erreichen der ursprünglichen eigenen Prognose eines Wachstums des TV-Werbemarkts um zwei Prozent unwahrscheinlich, sagte de Posch. „Aber der Markt wird wachsen“, ergänzte er.

Eine ProSieben-Sprecherin betonte, die Gewinnprognose des Unternehmens gelte unverändert. Bei der Vorlage der Halbjahreszahlen im August hatte der Konzern für das Gesamtjahr einen Zuwachs des Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) auf 330 Mill. € angekündigt, nachdem das Unternehmen für das vergangene Jahr nach einer Bilanzumstellung neu berechnet 189 Mill. € ausgewiesen hatte. An der Börse gab die im Mittelwerteindex MDax notierte ProSieben-Vorzugsaktie bis zum Nachmittag um 5,8 % auf 14 € nach, während der Gesamtmarkt nur leicht im Minus lag.

Branchenanalyst Ralf Marinoni von Equinet sagte, die Aussagen de Poschs hätten den Markt überrascht. Jüngste Branchendaten hätten für Pro Sieben Sat1 für die ersten neun Monate des Jahres ein Wachstum der Bruttowerbeeinnahmen - also ohne Berücksichtigung von Rabatten - von 3,8 % ergeben. „Eigentlich ist alles so, wie es erwartet wurde“, sagte Marinoni. Möglicherweise sei ein stärkerer Druck auf die Nettopreise der Grund für die vorsichtigere Schätzung.

Iris Schäfer von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sprach ebenfalls von einer überraschend starken Revision der Branchenprognose. „Die hohen Umsatzerwartungen für ProSieben sind jetzt erstmal raus“, sagte sie mit Blick auf den Kursrückgang der Aktie. Die Marktprognose berge auch das Risiko, dass der Konzern sein Gewinnziel revidieren könnte. Schäfer stufte die ProSieben-Aktie auch aus technischen Gründen um zwei Stufen auf „Verkaufen“ von zuvor „Kaufen“ herunter.

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