
Handelsblatt: Herr Silverman, Skype muss ohne Ebay wieder auf eigenen Füßen stehen und überleben. Bereitet Ihnen das Sorgen?
Josh Silverman: Nein. Wir haben über 500 Mio. registrierte Nutzer und gewinnen täglich 300 000 dazu. Acht Prozent der internationalen Gesprächsminuten laufen über uns. Ist doch nicht schlecht für gerade mal sechs Jahre, oder?
Nur, die Telekom-Konzerne bieten längst selber billige Web-Telefonie an. Wo ist noch Platz für Skype?
Vor zwei Jahren haben wir alles auf eine Karte gesetzt, auf Video-Telefonie. Es hat sich ausgezahlt. Heute sind ein Drittel aller Skype-Minuten Videogespräche, im Dezember alleine fünf Mrd. Minuten. Wir werden die Software sein, mit der die Menschen kommunizieren werden. Das beschreibt eine fundamentale Änderung. Kommunikation war früher in spezielle Hardware gegossen. Telefone, Fernschreiber, Handys. Heute statten sie jedes Internetfähige Gerät mit Software aus und kommunizieren.
So wie TV-Geräte?
Skype ist jetzt in HD-Videoqualität verfügbar und ab Werk in TV-Geräten von LG oder Panasonic installiert. Unsere Kunden haben immer wieder gesagt, dass sie Skype auf dem TV-Gerät wollen. Viele halten mit Videogesprächen Kontakt zu entfernten Verwandten und Familien. Wo geht das besser als im Wohnzimmer, wo sich alle versammeln?
Werden Sie so unabhängiger von DSL- und Mobilfunk-Providern? Letztere sperren Skype ja gerne mal aus ihren Netzen aus.
Sagen wir mal so: als wir unsere iPhone-App 2009 eingeführt haben, hatten wir innerhalb von 24 Stunden eine Million Downloads. Nach vier Monaten waren wir auf zehn Prozent aller iPhones installiert. Die Kunden wollen uns, das wissen Hersteller und Mobilfunkprovider mittlerweile.
Und blockieren Skype trotzdem fröhlich weiter ...
Das ist kurzsichtig. Wir haben etwa eine Kooperation mit "3", einem Mobilfunkprovider der Hutchinson Whampoa gehört. Da sind Skype zu Skype-Gespräche kostenlos. Trotzdem hat "3" höhere Umsätze pro Kunde als vorher. Skyper sind kommunikativ, sie senden viele SMS, gehen auf Social Networking-Seiten. Heute bekommen sie eine Prepaid-Karte von 3 umsonst und Skype-Telefonie ohne Guthaben auf der Karte. So überzeugt sind die, dass sie letztlich doch den Kunden viele Zusatzleistungen verkaufen werden.
Was ist etwa mit dem iPhone und Giganten wie AT&T? Da funktioniert Skype nur über Wlan im Hotspot, nicht über das Mobilnetz.
Als die App herauskam, haben die Bedingungen von AT&T und Apples App-Store untersagt, VoiP-Dienste über ein Mobilnetz zu betreiben.
AT&T hat das abgeschafft ...
Aber Apple noch nicht.
Warum das denn?
Das müssen Sie Apple fragen. Wir wissen nur, dass die entsprechenden Bedingungen für den App-Store noch nicht geändert wurden. Uns sind die Hände gebunden.
Also hängen Sie nicht mehr nur vom Mobilfunkbetreiber ab. Jetzt sperren auch noch Gerätehersteller und Onlinestore-Betreiber sie aus? Sieht gar nicht gut aus, oder?
Wir haben es hier mit einem fundamentalen Problem des Verbraucherschutzes zu tun. Es geht Mobilfunkbetreiber oder Geräte-Hersteller schlicht nichts an, was der Kunde mit Gerät oder Datentarif macht. Für beides haben die Kunden schließlich bezahlt.