Smartphone des Fotopioniers: Warum es bei Kodak wieder Klick macht

Smartphone des Fotopioniers
Warum es bei Kodak wieder Klick macht

Ironie der Wirtschaftsgeschichte: Der Fotopionier Kodak, den Digitalkameras in die Pleite trieben, bringt jetzt ein Kamera-Smartphone heraus. Warum die Firma in den umkämpften Markt dringt – wie so viele Konkurrenten.
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DüsseldorfDenkwürdige Situationen werden in den USA Kodak-Momente genannt: Man muss sie einfach fotografieren. Die gelben Filmrollen mit dem Kodak-Logo reisten früher in jeden zweiten Urlaub mit und waren bei fast jeder Hochzeit dabei, sie bannten Millionen solcher Augenblicke auf Zelluloid. Doch die starke Marke half nicht, als das Unternehmen den Trend zur digitalen Fotografie verpasste und in die Insolvenz rutschte.

In diesen Tagen feiert Kodak ein Comeback. Auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas kam das erste Smartphone mit dem bekannten Schriftzug heraus. Das IM5 soll es Nutzern besonders leicht machen, Fotos zu knipsen, per E-Mail oder Facebook zu teilen und später auszudrucken, ob zu Hause am PC oder auf einem Automaten im Fotogeschäft oder in der Drogerie.

All das klingt nach einer Geschichte über den Fall und Wiederaufstieg einer bekannten Marke. Doch hört man genauer hin, ist es eher eine Geschichte darüber, wie der Smartphone-Markt heutzutage funktioniert – und warum so viele Firmen wagen, großen Herstellern wie Samsung, Apple und Microsoft Konkurrenz zu machen.

Auch wenn das Handy den berühmten Namen trägt: Kodak baut das Smartphone nicht selbst, der mittlerweile gerettete Fotopionier stellt nur seine bekannte Marke zur Verfügung. Das Gerät stammt von der Bullitt Group. Das britische Unternehmen ist darauf spezialisiert, Elektronikgeräte für andere Marken zu fertigen, etwa robuste Smartphones für den Baumaschinenhersteller Caterpillar oder Lautsprecher und Kopfhörer für die britische Modekette Ted Baker.

„Wir überlegen: Wo ist eine Lücke im Markt?“, erklärt Oliver Schulte, der das Geschäft mit mobilen Geräten verantwortet. Dafür entwickle das Unternehmen ein passendes Produkt – und suche eine Marke, die dieses glaubwürdig verkörpere. Bullitt verspricht, dabei die Designsprache der Marke aufzugreifen und so ihre DNA nicht zu verfälschen.

Die Marktforschung ergab beispielsweise, dass bisher nur jeder vierte Babyboomer ein Smartphone nutzt, dieses Segment aber stark wachsen wird. „Die Babyboomer bringen Kodak immer noch eine große Loyalität entgegen“, sagt Schulte. Also kontaktierte seine Firma den Fotopionier, um in Lizenz ein Foto-Smartphone zu bauen. Der Kodak-Moment als Vermarktungsargument.

Das Resultat heißt IM5 und soll älteren Nutzern das Leben erleichtern: Es hat große, leicht zu treffende Schaltflächen; Enkel oder Kinder können Probleme über eine Fernwartungsfunktion beheben; und Fotos lassen sich direkt aus der App verschicken. Weil der Zielgruppe echte Bilder noch wichtig sind, verhandelt das Unternehmen außerdem mit den Betreibern von Fotodruckern über eine Integration.

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