Smartphone-Hersteller HTC
Mit einer Kamera gegen das Nokia-Schicksal

Die Geschichte klingt bekannt: HTC, einst erfolgreicher Smartphone-Hersteller, kommt gegen die Konkurrenz nicht mehr an. Nun soll eine Action-Kamera Kunden zurückgewinnen. Reicht das, um dem Nokia-Schicksal zu entgehen?
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New YorkDas lässt sich Cher Wang nicht nehmen: Die Mitgründerin des Smartphone-Herstellers HTC und eine der reichsten Frauen Asiens sitzt in der vordersten Reihe in einer alten Fabrik in Manhattan. Über die Bühne flanieren wie in einer Modenschau langbeinige Models, dann stellt Firmenchef Peter Chou ein Smartphone und eine kleine Kamera namens Re vor. Sie sieht aus wie ein gebogenes Rohr, hat keinen Sucher oder Bildschirm, nur eine Linse – und soll bei HTC eine neue Ära einläuten.

Für HTC sind es schwierige Zeiten: Der Smartphone-Absatz des taiwanischen Herstellers schwächelt seit Jahren, Apple und Samsung, aber auch zahlreiche chinesische Neulinge machen ihm Konkurrenz. Neue Produkte sollen für neues Wachstum sorgen – neben der Kamera auch das Smartphone Desire Eye, das speziell für Selfies konstruiert ist, sowie ein Programm zur Videobearbeitung. Firmenchef Peter Chou verspricht einen „Meilenstein“. Der muss es allerdings auch sein, sonst droht nach nur 17 Jahren Firmengeschichte das Schicksal, das Nokia, Motorola und Blackberry ereilt hat: der Absturz in die Bedeutungslosigkeit.

Die Kamera ist für HTC die erste große Produktneuerung seit der – letztlich erfolglosen – Einführung von Tablets vor drei Jahren. Angesiedelt ist sie irgendwo zwischen der erfolglosen und mittlerweile eingestellten Flip-Cam und der erfolgreichen Actioncam von Börsenneuling Gopro. Ein einziger Knopf löst Foto- oder Videoaufnahmen aus, ein Weitwinkel-Objektiv sorgt dafür, dass alles aufs Bild kommt, wenn man das kleine, wasserdichte Periskop ungefähr in die richtige Richtung hält.

Ziel sei es, so Chou, den Nutzer vom Starren auf den Bildschirm des Smartphones wegzubekommen. Das Erlebnis der Situationen rückt wieder in den Mittelpunkt, nicht das Aufzeichnen. Gopro macht das auch so, Extremsportler und Action-Profis sind die Zielgruppen. Re hingegen spricht Eltern an und kostet mit 199 Euro deutlich weniger als das Vorbild.

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