Smartphone-Hersteller
HTC will der BMW der Handy-Hersteller sein

Der Smartphone-Hersteller HTC will seine Marktnische verbreitern. Die Taiwanesen wollen auf dem Handy-Markt eine Rolle wie Audi oder BMW einnehmen. Am Dienstag präsentierte HTC sein neues Smartphone „Touch“. Wichtigste Innovation: die intuitive Bedienung durch Fingerdruck auf den Bildschirm.

LONDON. „Wir wollen ein Portfolio mittel- bis hochpreisiger Geräte aufbauen“, kündigte der Vorstandschef des Smartphone-Herstellers HTC, Peter Chou, im Gespräch mit dem Handelsblatt in London an. „Das heißt aber nicht, dass wir etwa gegen Sony Ericsson antreten“, fügte er hinzu. Ziel sei es, auf dem Handy-Markt eine Rolle wie Audi oder BMW einzunehmen. Am Dienstag präsentierte HTC sein neues Smartphone „Touch“, dessen wichtigste Innovation eine neuartige, intuitive Bedienung durch Fingerdruck auf den Bildschirm ist.

Das taiwanesische Unternehmen ist zehn Jahre alt, war jedoch lange Zeit nur Brancheninsidern ein Begriff. Es hat unter anderem für Compaq den Taschencomputer „Ipaq“ hergestellt. Seine Marktnische fand es, indem es selbst Geräte entwickelte, die Mobilfunknetzbetreiber wie T-Mobile und O2 unter ihrem Namen vermarkteten. So wurden die Taiwaner mit einer Jahresproduktion von zehn Mill. Geräten größter Hersteller von Smartphones und Taschencomputern mit Microsoft-Software.

Parallel dazu begann das Unternehmen im vergangenen Jahr, Geräte auch unter dem eigenen Markennamen HTC auf den Markt zu bringen. Dieser Strategiewechsel erschreckte viele Anleger – die Aktie des Börsenstars brach um mehr als ein Drittel ein. Mit rund sechs Mrd. Euro Marktkapitalisierung ist HTC allerdings noch immer ein Schwergewicht an der Börse Taipeh.

„Viele Investoren haben noch nicht richtig verstanden, was wir machen“, sagt Chou. Er will den Anteil der eigenen Marke am Umsatz steigern, ohne das angestammte Geschäft mit Netzbetreibern zu schädigen. „Wir konzentrieren uns mit unserer Marke auf Länder, in denen wir keine Partner haben“, sagt er. In Frankreich, Italien und Spanien sei die Marke HTC schon heute vielen Kunden ein Begriff. In Deutschland und Großbritannien sei das weniger der Fall.

Weitere Einzelheiten zur anstehenden Modelloffensive wollte Chou noch nicht nennen. Die Zielgruppe seien Geschäftsleute und Privatkunden mit gehobenen Ansprüchen. Er glaube nicht daran, immer mehr Anwendungen in Mobiltelefone hineinzupacken, sagte Chou. „Uns ist es vor allem wichtig, bestehende Anwendungen zu verbessern. Viele Kunden sind frustriert, weil neue Funktionen nicht halten, was sie versprechen.“ An dem berührungsempfindlichen Bildschirm des Modells „Touch“ haben HTC-Entwickler zwei Jahre gearbeitet.

Die neuen Modelle sollen helfen, das zuletzt ins Stocken gekommene Wachstum anzutreiben. Nach Jahren mit hohen zweistelligen bis dreistelligen Wachstumsraten stotterte der Motor in den vergangenen Monaten etwas. „Das war vorauszusehen“, sagt Chou. „Wir sind in den letzten drei Jahren im Grunde zu schnell gewachsen.“

2006 steigerte das Unternehmen den Umsatz um 45 Prozent auf 3,2 Mrd. Dollar, während der Reingewinn sich auf 774 Mill. Dollar mehr als verdoppelte. Mit einer Umsatzrendite von 25 Prozent und einer Eigenkapitalrendite von fast 60 Prozent ist HTC hoch profitabel. Chou versicherte, nicht Rendite für Wachstum opfern zu wollen: „Wir werden uns weiterhin auf die Qualität der Produkte konzentrieren und kein gewaltiges Marketing-Budget haben.“

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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