Smartphone-Spiel
Der zweite Hype um Pokémon Go

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"Es geht wieder die Post ab"

„Teilweise stehen wir wieder mit 70 Leuten auf einer Stelle“, sagt Julian Bosbach. Er spielt seit einem Jahr Pokémon Go – fast an jedem Tag. „Natürlich sind wir nicht mehr so viele Leute wie früher“, sagt der 19-Jährige aus Mönchengladbach. „Seit dem die Temperaturen angestiegen sind, geht aber wieder die Post ab.“ Auch Spielexpertin Tillmanns beobachtet das. Sie spricht – etwas nüchterner – von einem „saisonal getriebenen Hype“. Pokémon Go wird eben draußen gespielt. Und das lohnt vor allem, wenn es warm ist. Die Pokémon-Go-Spieler sind in WhatsApp- und Facebook-Gruppen organisiert – in den großen Städten mit mehreren tausend Mitgliedern.

Auch wenn der große Rummel abgeebbt ist. „Das Spiel ist weiterhin im Alltag präsent“, beobachtet Tillmanns. „Ein Erfolgsfaktor ist ganz klar die Marke Pokémon.“ Die hat Generationen von Jugendlichen beim Erwachsenwerden begleitet. Die Fernsehserie war so erfolgreich, dass später auf fast allen Pausenhöfen der Republik Karten von Pikachu und den anderen Fantasiegeschöpfen getauscht wurden. Das 1996 eingeführte Videospiel, das auch auf dem Gameboy gespielt wurde, erwies sich für den japanischen Elektronikkonzern Nintendo als Geldmaschine.

Der zweite Punkt: Pokémon Go ist eines der erfolgreichsten Spiele, das Realität und Virtualität miteinander in Verbindung bringt. Auf dem Handy, das die reale Umgebung mit der Kamera erfasst, tauchen die virtuellen Pokémon-Monster auf, wenn man sich bestimmten Orten nähert. Diese erweiterte Realität wird als Augmented Reality (AR) bezeichnet. „Durch dieses Technik-Erlebnis hat das Spiel auch die Leute begeistert, die Pokémon zuvor noch nicht kannten“, sagt Spielekennerin Tillmanns. Und auch die Möglichkeit, mit anderen Spielen zusammen durch die Pokémon-Welt zu ziehen, hat ihren Teil am Erfolg. „Pokémon Go ist ein absolut soziales Spiel“, sagt Tillmanns.

Rentiert hat sich das Spiel nicht nur für die Spieler. Sondern vor allem für die App-Hersteller, die Nintendo-Beteiligung The Pokémon Company und die Google-Ausgründung Niantec. Allein im Juni machte das Spiel nach Angaben des Markforschungsinstitut Sensor Tower 17 Millionen Dollar Umsatz. Im Mai waren es noch 12 Millionen gewesen. Auch hier zeigt sich: Pokémon Go hyped gerade erneut. In der Umsatz-Rangliste ist es im App-Store jetzt sogar auf dem ersten Platz. Analysten schätzen die bisherigen Erlöse auf über eine Milliarde Dollar. Verdient wird das Geld nicht mit den kostenlosen Downloads, sondern durch Zusatzkäufe. Dabei können die Nutzer weitere Artikel kaufen, um erfolgreicher zu sein – mehr Speicherplatz etwa oder Brutmaschinen für die Pokémon-Eier.

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