Smartphones
Motorola fertigt in Deutschland High-Tech für den Weltmarkt

Das UMTS-Flaggschiff A1000 entsteht vor den Toren Flensburgs.

FLENSBURG. Der US-Handyhersteller Motorola unterhält noch ein Werk außerhalb Asiens und Brasiliens. Vor den Toren Flensburgs, einen Steinwurf von der dänischen Grenze, produziert der hinter Nokia zweitgrößte Handyhersteller der Welt sein UMTS-Flaggschiff.„Wir bauen hier in Flensburg die A1000 Familie“ sagt Christoph Hollemann, Geschäftsführer von Motorola Deutschland. Das UMTS-taugliche Smartphone mit einem fast handtellergroßen Bildschirm ist nicht nur das aktuelle Topmodell der Produktpalette, sondern auch in der Fertigung das komplizierteste Gerät. „Es hat rund dreimal so viele Bauteile wie ein normales Handy“, sagt Hollemann. Die Komponenten sind teuer, aufwendige Testzyklen notwendig.

Und für diese heikle Aufgaben nutzen die Produktionsplaner von Motorola die verlässlich hohe Qualität aus Deutschland, von wo aus selbst Mobilfunkanbieter in Asien beliefert werden. So weht an diesem Tag auch die japanische Flagge vor dem Werk. Tags zuvor ist eine Delegation des japanischen Mobilfunkproviders NTT Docomo in Flensburg eingetroffen. Die japanischen Produktmanager wollen sich von der Qualität „Made in Germany“ persönlich überzeugen.

Denn Japanern kommt es neben der Technik vor allem auf die „Kosmetik“ der High-Tech-Geräte an. „Es dürfen weder auf der Ware noch auf der Verpackung irgendwelche Fingerabdrücke zu sehen sein“, sagt Hollemann. Ist auch nur auf der Umverpackung ein Fingerabdruck, gilt das Gerät für Japaner bereits als gebraucht.

Neben der Qualität ist es aber vor allem das technische Know-how, das Flensburg als Motorola-Fertigungswerk überleben ließ. In der globalen Fertigungskette der IT- und Elektronikkonzerne sind mittlerweile selbst Schwellenländer wie Mexiko zu teuer. In den USA hat Motorola sein letztes Fertigungswerk bereits vor Jahren geschlossen. Der Löwenanteil der Jahresproduktion von rund 150 Millionen Motorola-Mobiltelefonen stammt aus Fabriken in China.

Als es nach den Goldgräberjahren der Branche ab 2001 radikal an den Abbau von weltweiten Überkapazitäten und die Verlagerung der Fertigung von Standardgeräten nach Asien ging, musste auch Flensburg kräftig Federn lassen. Von damals 3 000 Beschäftigten sind heute 1 200 feste Mitarbeiter übrig geblieben. Die Werke in Schottland und Irland wurden geschlossen.

„Das Werk in Schottland war deutlich größer, aber wir waren das Mutterwerk für die Technologie“, begründet Hollemann die Entscheidung für Deutschland. So arbeiten in Flensburg erfahrene Ingenieure, die die Entwicklung seit den Anfängen des Mobilfunks mitgestaltet haben. Ein Wissen, auf das die Amerikaner gerne zurückgreifen. Die Entwickler in Flensburg übernehmen weltweit die Zertifizierung neuer Geräte und den Bau von Testreihen.

Darüber hinaus passiert jedes Handy für Europa aus Chinas Fabriken das Werk in Flensburg. Hier werden die Geräte mit Software bespielt und für rund 500 unterschiedliche Mobilfunkanbieter angepasst. In der Distribution ist Flexibilität Trumpf. „Wir arbeiten 24 Stunden, sieben Tagen die Woche“, sagt Hollemann. Möglich wird das mit einer Ausnahmegenehmigung der Landesregierung Schleswig Holstein. Bei Bedarf werden zusätzliche Aushilfskräfte per SMS engagiert. Vor kurzem wurde das Werk im Hochlohnland Deutschland als „Fabrik des Jahres 2005 “ ausgezeichnet. Doch im internationalen Standortwettbewerb zählt diese Ehrung wenig.

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