Smartphones sind in die Jahre gekommen
Gewinneinbruch bei Palm nährt Übernahmespekulationen

PDA-Hersteller Palm hat am Donnerstagabend nach US-Börsenschluss das Ergebnis seines dritten Quartals bekannt gegeben. Die Zahlen sehen alles andere als rosig aus. Die Branche stellt sich die Frage: Wie lange kann das Unternehmen noch alleine überleben?

HB MÜNCHEN. Die Spekulanten sind ein wenig enttäuscht. Palm mit Sitz in Sunnyvale, Kalifornien, hat bei der Vorstellung seines Quartalsergebnisses kein Wort zu einer Übernahme gesagt. Dabei waren im Vorfeld Gerüchte im Umlauf, dass der Kauf gleichzeitig bekannt gegeben werden sollte. Als mögliche Interessenten wurden immer wieder die Handy-Hersteller Motorola und Nokia genannt. Auch die Namen der Computerbauer Dell und Hewlett-Packard fielen. Das Palm-Management dagegen bevorzuge einen Finanzinvestor als Käufer, hieß es. Die Texas Pacific Group und Silver Lake Partners seien die Wunschkandidaten.

An der Börse war der Palm-Kurs in Erwartung der Transaktion um fast 3,5 Prozent auf 18,77 Dollar geklettert – um nach der Enttäuschung nachbörslich um 1,4 Prozent zu sinken. Experten gehen davon aus, dass der Preis pro Papier in der nächsten Zeit aber noch auf 20 Dollar steigen kann, was Palm einen Marktwert von rund 2 Mrd. Dollar zumessen würde. Anfang des Jahres war die Aktie noch für unter 14 Dollar zu haben.

Vom Geschäftsverlauf her ist der starke Kursanstieg nicht zu rechtfertigen. Das Unternehmen erreichte im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2006/2007 zwar einen leicht erhöhten Umsatz von 410,5 Mill. Dollar. Der Gewinn brach jedoch von 29,9 Mill. Dollar im Vorjahreszeitraum auf nun 11,8 Mill. Dollar ein.

Das Unternehmen hat im abgelaufenen Quartal 738 000 so genannte Smartphones verkauft. Damit lässt sich nicht nur telefonieren; Terminverwaltung, Surfen im Internet und E-Mails versenden ist ebenfalls möglich. Die Kunden greifen gerne zu, nicht zuletzt, weil das verspätete Modell Treo 750 endlich auf dem Markt ist. Zusätzlich sorgt die Wahlmöglichkeit zwischen den Betriebssystemen Palm OS und Windows Mobile von Microsoft für Käuferinteresse. Die „Treos“ von Palm sind neben dem „Blackberry“ von RIM die wichtigsten Smartphones auf dem Markt.

Klobige Kisten

Doch es gibt genügend Kritik. Die Treos sind in die Jahre gekommen. Seit der Einführung des Modells 600 im September 2003 habe sich das Design praktisch nicht geändert, kritisiert Todd Kort von der Gartner Group Palms Modellpolitik. In einer Industrie, die sich extrem schnell bewegt, wirkten die Modelle heute klobig und teuer. Das sei der Grund, warum die Uhr gegen eine eigenständige Existenz von Palm ticke. Nach Ansicht von Kort könne das Unternehmen zwar noch ein halbes Jahr so weitermachen, habe aber auf Dauer mit dieser Politik keine Zukunft.

Der größte Wert von Palm liegt nach Ansicht von Marktbeobachtern im Betriebssystem Palm OS. Dieses hat der PDA-Hersteller wieder von der japanischen Firma Access zurückgekauft. Die Japaner hatten 2005 das von der Hardware getrennte Software-Haus Palmsource und damit das Betriebssystem gekauft, konnten aber wenig damit anfangen. Nun liegen seit dem vergangenen Jahr die Rechte wieder bei Palm, die dafür 44 Mill. Dollar aufwenden mussten.

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