Software als Zukunftsgeschäft

Blackberry ohne Blackberrys

Blackberry erfindet sich neu – mit dem Scheckbuch: Der einstige Smartphone-Pionier hat mehrere Firmen übernommen, um sein Softwaregeschäft zu stärken. Geld für weitere Zukäufe wäre da, lässt der Konzern wissen.
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Die Gegenwart, aber auch die Zukunft? Ob Blackberry noch dauerhaft Smartphones baut, ist ungewiss. Chen setzt auf das Softwaregeschäft. Quelle: Reuters
Blackberry-Chef John Chen

Die Gegenwart, aber auch die Zukunft? Ob Blackberry noch dauerhaft Smartphones baut, ist ungewiss. Chen setzt auf das Softwaregeschäft.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfDas neue Gerät von Blackberry hat keine Tasten – und man kann damit auch nicht telefonieren. Radar, so der Name, richtet sich allerdings auch nicht an Banken, Behörden und Beratungsfirmen, sondern an Logistikspezialisten: Die kleine Box meldet per Funk, wo sich Container und Trucks befinden, und wie warm und feucht es in deren Inneren ist. Kleine Sensoren erheben diese Werte in Echtzeit. So haben die Manager von überall aus ihre Flotte im Blick.

In einem Pilotprojekt sind erste Trucks mit dem System auf amerikanischen Straßen unterwegs. Es ist ein Beispiel dafür, wofür das neue Blackberry stehen soll: Der einst größte Smartphone-Hersteller der Welt verabschiedet sich Schritt für Schritt aus dem Hardwaregeschäft und setzt auf Software. Die Absicherung und Verwaltung von Smartphones zählt genauso dazu wie die Vernetzung von Fahrzeugen.

Dafür nimmt das kanadische Unternehmen viel Geld in die Hand. Fünf Übernahmen standen allein in den vergangenen zwei Jahren an, weitere sind nicht ausgeschlossen. „Wir haben Mittel von mehr als einer Milliarde Dollar zur Verfügung“, sagt Vertriebschef Carl Wiese gegenüber dem Handelsblatt. Der Konzern will sich eine bessere Zukunft zusammenkaufen. Darauf hoffen allerdings auch andere Unternehmern.

Mit Android zurück in die Spur
Neues Blackberry-Modell Priv
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Der kanadische Hersteller bringt in diesem Monat sein neues Gerät Priv auf den Markt. Das markanteste Merkmal: die Schiebetastatur unter dem 5,4 Zoll großen Display. (Foto: C. Kerkmann)

Android-Roboter mit Schild
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Ungewohnter Anblick: Das Priv nutzt als Betriebssystem Android, zu erkennen am grünen Roboter. Der Hersteller sichert es aber besonders ab, daher der Schild. (Foto: C. Kerkmann)

Gerundetes Display
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Der Bildschirm ist auf beiden Seiten leicht gerundet. Besondere Funktionen sind mit diesem Design nicht verknüpft – es soll einfach gut aussehen. (Foto: C. Kerkmann)

Rückseite mit Glasfasern
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In das Gehäuse sind Glasfasern eingearbeitet, die für Robustheit sorgen sollen. Nebenbei liegt es dadurch gut in der Hand, trotz der Größe des Gerätes. (Foto: C. Kerkmann)

Physische Tastatur
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Es ist das Markenzeichen von Blackberry: Das Priv hat eine echte Tastatur. Sie ist unter dem Bildschirm verborgen und erscheint mit einer Schiebebewegung. (Foto: C. Kerkmann)

Virtuelle Tastatur
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Der große Bildschirm macht es möglich: Nutzer können auch auf der virtuellen Tastatur tippen. Blackberry rüstet sie mit seiner Technik auf, etwa passenden Wortvorschlägen. (Foto: C. Kerkmann)

Blackberry Hub
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Der Hersteller hat seine Kommunikationszentrale Blackberry Hub für Android angepasst. E-Mails und Kurznachrichten werden in einer Übersicht angezeigt. (Foto: C. Kerkmann)

Dass die Zukunft nicht in den Smartphones liegt, ist längst klar. Der Marktanteil ist auf unter ein Prozent gerutscht, im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2015/2016 verkaufte der Hersteller nur 600.000 Geräte. Auch das Modell Priv, das statt des Blackberry-Betriebssystems BB10 Android nutzt, hat das Geschäft offenbar kaum belebt. Konzernchef John Chen redet offen darüber, dass die Sparte zur Disposition steht, sollte sie bis zum Herbst nicht profitabel werden.

In der Zwischenzeit baut das Unternehmen an einem neuen Geschäftsmodell. So übernahm es 2015 für 425 Millionen US-Dollar die Firma Good Technology, die auf das Enterprise Mobility Management (EMM) spezialisiert ist. Experten bezeichnen damit die Einbindung, Verwaltung und Absicherung von Mobiltelefonen, Tablets und anderen Geräten in einer Firma. Im Zeitalter der Vernetzung ist das ein wachsender Markt, dessen Volumen der Marktforscher IDC im Jahr 2015 auf 1,4 Milliarden Dollar schätzte. Hier ist Blackberry durch die Übernahme die Nummer 1.

Der Zukauf von Good Technology war ein kluger Schritt: Er habe geholfen, eine Reihe wichtiger Lücken in Sachen EMM zu schließen, erklärt IDC-Berater Mark Alexander Schulte. Das kombinierte Angebot verspreche das, was sich viele Kunden erhofft hätten: Vom Management der Geräte über die Absicherung von Apps bis hin zum Schutz von mobilen Inhalten aus einer Hand.

Derzeit arbeiten die Entwickler daran, die Technologie beider Firmen zu verbinden. So hat Good Technology ein System entwickelt, um vertrauliche Firmendaten in einem geschützten Bereich auf dem Smartphone abzulegen. Dieses Containersystem soll künftig auf der Blackberry-Plattform laufen. Auch andere Funktionen werden integriert. „Die Integration ist dieses Jahr eine wesentliche Aufgabe“, sagt Wiese.

Doch es geht nicht nur um die Verwaltung von Geräten. „Blackberry will Firmen helfen, ihr Geschäft mobil zu machen“, nennt Wiese das Ziel. Wie können Personaler sicher Zeugnisse austauschen, wie können Vertriebler gemeinsam ein Konzept bearbeiten? Wie können Vorstände vertrauliche Verhandlungen führen, ohne Mithörer fürchten zu müssen? Und wie lassen sich Beruf und Freizeit auf einem Gerät vereinen? Gerade in diesen Aufgaben stecken Chancen für Blackberry.

Marketing mit dem Kanzlerinnenhandy
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