Software-Branche
Auf der Suche nach der Suche

Das Netz ist fest in amerikanischer Hand. Nun wollen die Europäer im Suchmaschinenbereich gegenüber Google und Co. aufholen. Doch die Verzettelung in viele kleine Projekte ist Europas größes Problem.

PARIS/ DÜSSELDORF. Mit Unterstützung zahlreicher europäischer und nationaler Förderprogramme für den Suchmaschinenbereich sollte und wollte Europas Softwareindustrie Boden im Kampf um die Vorherrschaft im Internet wettmachen. Doch Ergebnisse lassen auf sich warten, die Förderlandschaft ist zersplittert. Der erfolgreichste kommerzielle Spezialist für Informationsmanagement und Suchtechnik im Internet, die Fast Search & Transfer aus Norwegen, wurde gerade erst für 1,2 Milliarden Dollar von Microsoft weggekauft. Hat Europa da überhaupt noch eine Chance gegen US-Firmen wie Google und Co.?

„Ja“, sagt Stefan Debald, Manager Research Programme bei Fast in Oslo. „Google besetzt nur einen Teil des Suchmarktes, die Online-Werbung. Beim Rest ist das Spiel noch völlig offen.“ Damit meint er die lokale Websuche, die Informationssuche in Unternehmensnetzen („Damit lässt sich mehr Umsatz generieren“) oder die automatische Identifizierung von audio-visuellen Inhalten.

Doch die Verzettelung in Europa behindert die Aufholjagd. Die Webseite „www.ist-chorus.eu“ listet alleine 26 geförderte Projekte zum Thema „Audio-Visual-Search“ auf, der Suche in Audio- und Videodateien. Ein Vorhaben davon heißt „Quaero“.

Das einstige deutsch-französische Gemeinschaftsunternehmen gilt als ein Paradebeispiel für Europas Webtrauma. Angekündigt im April 2005 ist Quaero erst im März 2008 an den Start gegangen, nachdem die EU-Kommission jetzt die nationale Förderung genehmigt hat. Als Quaero vom damaligen Staatspräsidenten Jacques Chirac als „europäische Antwort auf Google“ angekündigt wurde, hatten die gerade die Umsatzschwelle von drei Mrd. Dollar übersprungen. Jetzt dominiert Google mit über 16 Mrd. Dollar Umsatz im Jahr die Web-Suche praktisch alleine.

Und Quaero? Ergebnisse sind immer noch nicht sichtbar, die Deutschen sind 2006 nach politischen Querelen ausgestiegen und haben mit „Theseus“ eine eigene – ebenfalls staatlich geförderte – Initiative unter anderem mit dem Fraunhofer Institut, Bertelsmann und Siemens gegründet.

Im „neuen“ Quaero (lateinisch für: ich suche) arbeiten 24 überwiegend französische Partner aus Industrie und Lehre zusammen. Mit 200 Mill. Euro, die Hälfte vom Staat übernommen, sollen über fünf Jahre Anwendungen für die Web-Nutzung von Bildern, Tönen und Videos, entwickelt werden. Die Ziele sind mittlerweile der Realität angepasst: „Wir sind kein Anti-Google“, erklärt Jean-Charles Hourcade, technischer Direktor beim Quaero-Führungskonzern Thomson.

Was ist Quaero dann? Das Konsortium mit France-Telecom und dem Suchmaschinen-Anbieter Exalead arbeitet an fünf Projekten. Der Spezialist zur Digitalisierung von Medien, Jouve, verantwortet etwa eines, das sich mit der Anreicherung mit Informationen beim Digitalisieren von Büchern beschäftigt, um Suchvorgänge zu erleichtern.

Thomson entwickelt gemeinsam mit dem staatlichen Filmarchiv INA Programme, die eine bessere Nutzung von Filmbeständen erlauben sollen. Exalead will Inhalte von Fotos extrahieren (Gesichter, Szenen erkennen) und suchbar machen. Exalead-Gründer François Bourdoncle (www.exalead.de) hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, eines Tages Google einzuholen: „Bei Google arbeiten rund 300 Forscher am Kern der Suchmaschine,“ sagt er, „bei uns sind es 50. Der Unterschied ist aber nicht so groß, wie man glauben könnte.“

Fast-Manager Debald glaubt nicht daran: „Es bringt nichts, Google nachzubauen“, warnt er. Auch Konkurrent Yahoo sieht wenig Spielraum für Neulinge: „Es gibt Platz für zwei oder drei große Suchmaschinen“, sagt Brad Garlinghouse von Yahoo, derzeit Übernahmeziel von Microsoft für über 40 Mrd. Dollar. „Die Investitionen in die Infrastruktur sind einfach zu groß“. Riesen wie Google, Yahoo oder Microsoft haben zigtausende Rechner – die genauen Zahlen sind geheim – um den Globus verteilt. Ein Klick auf den „Suche“-Button berührt bis zu 10 000 Server.

„Wir konzentrieren uns auf Basistechnologien“, sagt denn auch Stefan Weiss, Geschäftsführer des Theseus-Partners Empolis – auf hochspezialisierte Suchtechnologie im Hintergrund oder Spezialanwendungen. „Es wird nie eine ’Theseus-Web-Suchmaschine’ geben.“ Aber es werde Know-how geben, um mehr Inhalte besser suchbar und nutzbar zu machen, besonders für Europas Unternehmen. Das gehe bis zu neuen Wegen bei der Software für Unternehmensplanung: „Theseus wird die Art und Weise ändern, wie man mit SAP arbeitet.“

Doch zunächst will man aktiv der Kritik entgegentreten, dass hier nur Subventionen an Großfirmen verteilt werden und Ingenieure im Elfenbeinturm forschen. Mit dem Wettbewerb „Theseus Talente“ werden 2008 erstmals freie Entwickler, Schüler und Studenten einbezogen. Die „Basis“ soll Ideen einbringen und mitmachen. Mitte des Jahres ist eine Mittelstandsinitiative geplant. Unternehmer sollen Themen nennen, die im Programm Aufnahme finden können.

Fast-Manager Debald hält solche Ansätze für sinnvoll: „Politisch motivierte und langfristige Grundlagenforschung ist das eine“, sagt er. „Aber wenn es um schnelle Problemlösungen geht, dann müssen die Nutzer stärker eingebunden werden.“ Und schnelle Ergebnisse sind gefragt – im Jahre zehn nach Google.

Der Traum vom Finden

Ganz am Anfang

Alle Suchmaschinen , die es heute gibt, sind unzulänglich. Sie folgen mehr oder weniger intelligenten Algorithmen, um die Bedeutung einer Information zu bewerten. Diese Formeln werden immer weiter verfeinert. Aber letztlich folgen sie immer nur starren Mustern, um aus einem vorgegebenen Datenbankindex Ergebnisse zusammenzustellen, ohne die wirkliche Bedeutung zu erkennen.

Suche in Videos

Video-Clips, TV-Mitschnitten, digitale Filme und Musik gehören zu den größten Problemfeldern der Suchmaschinen. Sie sind heute schlicht nicht durchsuchbar. Google & Co müssen sich immer auf zusätzlich eingefügte Schlagwörter verlassen – die eigentlichen Inhalte werden nicht erfasst. Wort-, Bild- und Gesichtserkennung ist der Traum aller Videoplattformen wie Youtube.

Semantische Suche

Suchanfragen sollen bald in ganzen Sätzen und in natürlicher Sprache möglich sein. Dafür muss die Suchmaschine nicht nur „Treffer“ erkennen, sondern Bedeutungen und den Sinn von Wörtern im Zusammenhang verstehen. Bei Unklarheiten soll die Suchmaschine gezielt nachfragen.

Suche in Software

Softwareprogramme oder Bauteile von Software sind ebenfalls „schwarze Löcher“ für Suchmaschinen. Sie erkennen bestenfalls einzelne Programmzeilen, oder Schlagworte. Ziel ist es, im Web gespeicherte Software nach Anwendungsmöglichkeiten, Schnittstellen und Systemvoraussetzungen suchbar zu machen und auf Wunsch passende Module zusammenzufügen, um die Suchanfrage direkt mit dem gewünschten Ergebnis zu beantworten.

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