Software
EU prüft Übernahme von Sun durch Oracle härter

Die EU-Kommission sorgt für Unruhe in der IT-Industrie. Die Kartellwächter um EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes wollen die 7,4 Mrd. Dollar schwere Übernahme des Server-Spezialisten Sun durch Oracle intensiv prüfen.

FRANKFURT´. Es bestünden erhebliche Bedenken, „da das Vorhaben auf dem Markt für Datenbanken wettbewerbsrechtliche Probleme aufwirft“, teilte die Kommission mit. Sie hat nun bis zum 19. Januar Zeit für ihre Entscheidung.

„Das ist albern, eine Entscheidung, die für die weitere Entwicklung von Sun aber auch der gesamten Industrie verhängnisvoll ist. Wir sind wirklich schockiert“, sagte Andrew Butler vom Marktforscher Gartner Group.

Die vertiefende Prüfung ist für Oracle ein herber Rückschlag. Nun gerät der gesamte Zeitplan aus dem Ruder. Oracle hat bereits damit begonnen, sich etwa in Anzeigen gemeinsam mit Sun gegen den Rivalen IBM zu positionieren. Nun haben die Kontrahenten weitere wertvolle Monate, um verunsicherte Sun-Kunden auf ihre Seite zu ziehen. Oracle zeigte sich äußerst zugeknöpft und verwies in einer Stellungnahme lediglich darauf, dass die US-Aufsicht die Transaktion ohne Auflagen genehmigt habe.

Nach Ansicht der EU-Kommission ist es ein Problem, dass Oracle mit Sun auch Zugriff auf den Datenbank-Anbieter My SQL bekommt, den Sun vor einiger Zeit übernommen hat. My SQL bietet sogenannte Open-Source-Programme an, Software, für die keine Lizenzgebühr bezahlt werden muss. Dagegen verkauft Oracle seine Software über den traditionellen Lizenzvertrieb.

My SQL ist in den Augen von Kroes eine wichtige Säule für den Wettbewerb im ansonsten stark konzentrierten Datenbank-Geschäft. Oracle, IBM und Microsoft würden 85 Prozent des gesamten Markts kontrollieren. „In der derzeitigen Wirtschaftslage streben alle Unternehmen nach kostengünstigen IT-Lösungen, und so stellen Systeme, die auf Open-Source-Software basieren, zunehmend eine wirtschaftliche Alternative zu proprietärer Software dar. Die Kommission muss gewährleisten, dass solche Alternativen vorhanden bleiben“, erklärte Kroes.

Für Butler von Gartner ist das allerdings eine nicht nachvollziehbare Argumentation. „Das ist ein weiteres Beispiel für das Open-Source-Phänomen, den Irrglauben, dass diese Software eine grüne Insel sein kann“, wettert er. My SQL habe am gesamten Datenbankgeschäft der Welt gerade einmal einen Anteil von einem halben Prozent. Die Entscheidung sei für die gesamte Branche und die künftige Konsolidierung verheerend, warnte Butler.

Dagegen argumentieren die Wettbewerbsexperten der EU-Kommission, dass Open-Source-Datenbanken „mit zunehmender Funktionsfähigkeit einen immer größeren Wettbewerbsdruck“ auslösen können. „Bei ihrer eingehenden Untersuchung wird die Kommission daher auf eine Reihe von Sachverhalten eingehen, zum Beispiel welche Anreize Oracle hat, My SQL als Open-Source-Datenbank weiterzuentwickeln“, heißt es.

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