Software-Probleme
Google scheitert mit seinem TV-Plan – vorerst

Google will mehr sein als eine Suchmaschine. Eine große Wachstumsphantasie liegt im Geschäft mit Bewegtbildern. Doch nun haben Googles TV-Pläne einen herben Dämpfer erlitten. Softwareprobleme verzögern den Einstieg des Internetkonzerns in den Fernsehmarkt. Dieser Rückschlag hilft den Konkurrenten Yahoo und Microsoft.
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DÜSSELDORF. Es sollte der nächste große Wurf werden und die TV-Unterhaltung revolutionieren: der Einstieg des Online-Werberiesen Google in den TV-Werbemarkt. Doch nach langer Vorbereitung und ersten Wochen in der harten Wohnzimmerrealität zeichnet sich ab, dass CEO Eric Schmidt zu hoch gepokert hat. Google TV ist ein Flop.

Wenn Anfang Januar mit der Consumer Electronics Show in Las Vegas die erste Leitmesse der digitalen Unterhaltungsindustrie des Jahres eröffnet wird, werden prominente Hardware-Partner nicht wie geplant TV-Geräte mit Googles Fernseh-Software zeigen. Darunter sind Größen der Branche wie LG, Sharp und Toshiba. Google selbst soll darum gebeten haben, berichten übereinstimmend „New York Times“ und „Wall Street Journal“. Die Software sei noch nicht fertig. Google wollte die Berichte auf Anfrage des Handelsblatts nicht kommentieren. Toshiba USA bestätigte gegenüber der „New York Times“, dass man keine Google-Produkte zeigen werde.

Der Rückzieher ist der vorläufige Höhepunkt in einer Serie von Pleiten, Pech und Pannen. Zunächst weigerten sich praktisch alle namhaften TV-Netzwerke in den USA, Informationen über Programme und TV-Shows zur Verfügung zu stellen. Dann sprangen Partner ab, die bereits zugesagt hatten. Google-TV-Geräte von Sony und Settop-Boxen von Logitech erschienen im Oktober und fielen bei den Verbrauchern durch. Zum Weihnachtsgeschäft senkten Handelsketten wie Best Buy die Preise für Sony und Logitech-Geräte kräftig, um den Verkauf anzukurbeln.

Google TV verbindet das Web und klassisches Fernsehen. Mit einer Suchmaske wie bei der Websuche kann ein TV-Zuschauer per Google TV nach Stichworten suchen. Die Eingabe von „Simpsons“ würde dann zum Beispiel die Informationen zur nächsten Folge im Fernsehen zeigen und anbieten, die Folge auch aufzuzeichnen. Dazu kämen verfügbare Folgen im Internet oder auf der Google-Seite Youtube, Fanseiten im Web sowie eigene Dokumente mit dem Stichwort.

Die Angst der Sender: Sie verlieren die Macht über den Verbreitungsweg und den Werbeverkauf ihrer Sendungen, weil Google zu den Suchanfragen eigene Werbung schalten könnte. Außerdem liegt Google immer noch mit dem Medienriesen Viacom in einem erbitterten Rechtsstreit um raubkopierte TV-Folgen auf Youtube. Solche Angebote würde Google TV anzeigen.

Auf dem Web-2.0-Gipfel in San Francisco Anfang Dezember verbreitete Google-Chef Schmidt noch Zuversicht: „Wir müssen da durch, und wir werden es“, sagte er in einer Diskussion. Jetzt zieht er die Notbremse.

Das sogenannte Hybrid-TV, die nahtlose Verschmelzung des Internets mit dem klassischen TV-Signal, gilt als der größte Wachstumsmarkt der Konsumelektronikindustrie. Googles Rückschlag hilft vor allem Yahoo und Microsoft, die beide massiv in diesen Bereich investieren. Microsoft hat das TV-Geschäft für 2011 zu einem der strategischen Kernfelder erklärt, bestätigte Austen Mulinder, Corporate Vice President für den Kommunikationsbereich, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Schlappe Googles in Las Vegas wird Microsoft als Chance nutzen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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  • "Googles scheitert mit seinem TV-Plan – vorerst"
    "Gogoel will mehr sein als eine Suchmaschine."
    "Google TV ist ein Flop."

    3 Sätze, 3 verschiedene Schreibweisen. Nobody is perfect - ich finds lustig.

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