Softwarebranche
„Markt ist groß genug für SAP und Oracle“

Noch bevor der größte europäische Software-Hersteller am Donnerstag seine endgültigen Zahlen für das zweite Quartal verkündet, steht fest, dass SAP gegenüber Erzfeind Oracle etwas an Boden verloren hat. Die Frage ist nur, wie Nachhaltig dies ist.

HB FRANKFURT/SAN FRANCISCO. Im Kampf der Software-Giganten setzen die Protagonisten der Branche auf unterschiedliche Strategien: Während SAP aus eigener Kraft wachsen will, kauft Erzrivale Oracle aus Kalifornien ein Unternehmen nach dem anderen. Nun haben die Deutschen ein ungewöhnlich schlechtes Quartal hinter sich und erstmals seit drei Jahren Marktanteile eingebüßt. Ob das Wachstum von Oracle auf Dauer zu Lasten von SAP geht, halten Analysten aber noch nicht für ausgemachte Sache.

„Ich glaube, SAP ist gestolpert“, sagt John Segrich, der die Softwarebranche für die US-Bank JP Morgan analysiert. „Ich höre aber von niemandem im Markt, dass Oracle SAP Anteile wegnimmt.“ Die Analysten betonen, dass der Markt für Unternehmenssoftware, mit der Firmen Prozesse wie Gehaltszahlungen oder Kundenkontakte automatisieren können, außerordentlich groß sei. Hier Anteile zu gewinnen heiße nicht zwingend, auf Kosten des großen Rivalen zu wachsen, erläutern die Experten. Vielmehr sei es wahrscheinlich, dass mehrere kleine Anbieter die Zeche zahlen müssten. „Der Trend der letzten Jahre ist: Kunden wollen nur noch einen Anbieter, der alles liefert“, erklärt Kim Caughey, Analyst bei Fort Pitt Capital. Das spiele SAP und Oracle in die Hände.

Riesiges Marktpotenzial - aber schwaches Quartal

Nichtsdestoweniger hat SAP, der weltgrößte Hersteller von Unternehmenssoftware, die Aktionäre zuletzt enttäuscht. Im zweiten Quartal wurden weniger Softwarelizenzen verkauft als erwartet, der Aktienkurs fiel auf den niedrigsten Stand seit rund acht Monaten. Die endgültigen Zahlen für den Zeitraum von April bis Juni wollen die Walldorfer am Donnerstag vorlegen.

Das Marktvolumen schätzt SAP auf rund 70 Mrd. Dollar im Jahr 2010. Im vergangenen Jahr kam der Platzhirsch auf einen Umsatz von umgerechnet 10,5 Mrd. Dollar, Oracle auf 11,8 Mrd. - etwa ein Drittel davon in Bereichen, in denen die Amerikaner sich mit SAP um die Kunden streiten. Beide Firmen haben also noch Luft nach oben. Auch die meisten Analysten sind trotz Warnungen einiger kleinerer Anbietern der Ansicht, dass die Nachfrage nach Unternehmenssoftware größer werden wird. SAP hatte seine Probleme damit begründet, dass sich der Abschluss einiger Lizenzverträge in Europa verzögert hat. Daher blieb das Wachstum der Lizenzverkäufe mit acht Prozent um Längen hinter dem traditionell schwachen ersten Quartal zurück.



Oracle seit Jahren auf Einkaufstour

Anders als SAP ist Oracle seit Jahren auf Einkaufstour. Der weltgrößte Anbieter von Datenbank-Software hat in spektakulären Übernahmeschlachten unter anderem Siebel Systems and Peoplesoft geschluckt. Auch um bei Unternehmenssoftware besser mit SAP mithalten zu können, hat Oracle in nur zwei Jahren 20 Mrd. Dollar in Akquisitionen investiert. Es scheint sich auszuzahlen: Im vergangenen Quartal hatte das Unternehmen aus Redwood Shores bei San Francisco den Gewinn dank unerwartet hoher Einnahmen aus dem Lizenzgeschäft gesteigert.

Der Oracle-Aktienkurs, der in den vergangenen Jahren lange nicht mit der Branchenentwicklung mithalten konnte, weil die Investoren den Nutzen der vielen Übernahmen in Frage gestellt hatten, stieg seit Jahresbeginn um 16 Prozent. SAP-Aktien liegen dagegen in diesem Jahr bisher im Minus.

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