Softwarebranche
Oracle legt in Deutschland zu

Der amerikanische Softwarekonzern Oracle geht in Deutschland mit großen Schritten voran. Auf dem Heimatmarkt des Rivalen SAP habe Oracle „ein gutes Geschäftsjahr hingelegt“, sagte Deutschland-Chef Jürgen Kunz im Gespräch mit dem Handelsblatt.

MÜNCHEN. Das Unternehmen sei hier ähnlich stark gewachsen wie der Konzern insgesamt. Weltweit verbuchte Oracle unter der Führung von Larry Ellison in seinem am 31. Mai zu Ende gegangenen Geschäftsjahr ein Umsatzplus von einem Viertel auf 18 Mrd. Dollar.

Der zweitgrößte Softwareanbieter der Welt veröffentlicht allerdings keine Angaben für einzelne Länder mehr. Insofern lassen sich die Aussagen für Deutschland nicht nachprüfen. Die letzten verfügbaren Zahlen stammen aus dem Geschäftsjahr 2005/2006. Damals war der Deutschland-Umsatz um knapp fünf Prozent auf 464 Mill. Euro geklettert.

Oracle sei in Deutschland sowohl aus eigener Kraft als auch in Folge der zahlreichen Übernahmen gewachsen, sagte Kunz. In den vergangenen zweieinhalb Jahren hat das Unternehmen aus Kalifornien mehr als 20 Mrd. Dollar ausgegeben, um weltweit über 30 Konkurrenten zu kaufen.

Durch die Akquisitionen hat sich Oracle vom Datenbank-Anbieter zu einem der stärksten Spieler im Geschäft mit Software zur Steuerung von Unternehmen hochgearbeitet. Dadurch wurden die Amerikaner auch zum erbitterten Wettbewerber von SAP, dem weltweit größten Hersteller von Unternehmenssoftware.

Mit den Walldorfern kämpft Oracle mittlerweile nicht mehr nur um die Kunden. Die beiden Firmen stehen sich Anfang September auch vor Gericht in San Francisco gegenüber. Dabei geht es um Daten, die SAP-Mitarbeiter unerlaubt von Oracle-Seiten im Internet heruntergeladen haben.

Analysten gehen davon aus, dass die Verfehlungen der SAP-Beschäftigten für das Unternehmen weitreichende Folgen haben werden. Einerseits droht eine Geldstrafe, andererseits könnte das Image leiden. Eins steht nach Ansicht der Marktforscher von Ovum bereits heute fest: „Oracle wird den Fall mit aller Kraft voran treiben.“

Dass sich die beiden Konzerne bis aufs Messer bekämpfen, hat seinen Grund. Oracle will im Geschäft mit Unternehmenssoftware unbedingt aufholen. SAP sieht sich hier mit einem Marktanteil von 26 Prozent deutlich vor Oracle mit etwa 15 Prozent. Microsoft liegt den SAP-Schätzungen zufolge bei rund drei Prozent. In Deutschland beherrscht SAP den Markt mit einem Anteil von mehr als 50 Prozent.

Solche Zahlen kennt auch Oracle, aber nur im angestammten Geschäft mit Software für Datenbanken. Dort liegt der Marktanteil nach Berechnungen der Marktforscher von Gartner bei 47 Prozent. IBM kommt als größter Wettbewerber noch nicht einmal auf die Hälfte.

Rund um die Erde versucht Oracle derzeit, als Komplettanbieter von Datenbanken und Unternehmenssoftware zu punkten. „Wir wollen, dass die Kunden zu unseren integrierten Lösungen wechseln“, sagt Deutschland-Chef Kunz. Allerdings werde keine Firma zum Umstieg gedrängt; es sei sichergestellt, dass die Software der in den vergangenen Jahren übernommenen Anbieter auch künftig allein weiter betrieben werden könne.

Im Frühjahr ist Kunz ein Prestigeerfolg gelungen. Der Lebensmittelzulieferer Wild verabschiedete sich von SAP und wechselt zu den Amerikanern. Doch auch andere große Konzerne in Deutschland wie der Handelsriese Metro oder der Mobilfunkanbieter 02 vertrauen auf Oracle. Dazu kommen viele Behörden wie die Bundeswehr: „Der öffentliche Dienst ist einer der umsatzstärksten Bereiche, den wir in Deutschland haben“, hebt Kunz hervor.

Für das neue Geschäftsjahr rechnet der Manager mit weiterem kräftigem Wachstum. „Ich bin zuversichtlich, dass wir unser Tempo halten können.“ Durch die Übernahmen habe Oracle jetzt ein so großes Portfolio, dass die einzelnen Aufträge für Softwarepakete immer größer werden.

Vom guten Geschäft profitieren auch die Mitarbeiter. Bald sollen 1 700 Leute für Oracle in Deutschland arbeiten. Das sind allerdings noch immer 300 Stellen weniger, als der Deutschland-Ableger vor vier Jahren gezählt hat.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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