Softwarebranche
SAP sucht nach neuen Wegen in die Zukunft

In der Wirtschaftskrise geht der Software-Hersteller SAP auf seine Kunden zu: Die Walldorfer wollen ihr Angebot flexibler machen und es beispielsweise den Abnehmern überlassen, ob sie Software mieten oder kaufen. Gleichzeitig verteidigte SAP-Chef Leo Apotheker die angekündigten Preiserhöhungen.
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BERLIN. Der deutsche Softwareriese SAP will sich mitten in der wohl größten Konsolidierungswelle der IT-Industrie als eigenständiger Anbieter behaupten. „Ich glaube, dass die Idee, alles zusammenzuschweißen und aus einer Hand anbieten zu wollen, eine grottenfalsche Strategie ist“, sagte SAP-Vorstandchef Leo Apotheker heute in Berlin. SAP werde sich künftig als unabhängige Alternative zu den immer größer werdenden IT-Konzernen präsentieren.

Kernstück der neuen Strategie soll eine neue Technologie sein, die den Einsatz von Datenbanksystemen überflüssig macht. Das zielt auf IBM und Microsoft, vor allem aber auf die Datenbanklösung des Erzrivalen Oracle. Diese dient bisher bei rund 60 Prozent der Kunden als Grundlage für den Einsatz von SAP-Software.

Die Walldorfer reagieren damit auf den wachsenden Druck auf ihr Kerngeschäft. Große Unternehmenskunden, die Domäne von SAP, sind in der Regel gut mit Software ausgestattet und scheuen neue Investitionen. So brach das Lizenzgeschäft im dritten Quartal um fast ein Drittel ein. Bereits in den Quartalen zuvor schwächelte der Verkauf neuer Software. Lediglich dank Sparbemühungen gelang es, die Marge leicht zu steigern.

Analysten der Gartner Group glauben, dass diese Entwicklung strukturelle Gründe hat. Vor allem aber bemängeln sie eine fehlende Strategie. „Hohe Profitabilität ohne Wachstum bietet keine Perspektive“, mahnt Thomas Otter von Gartner.

Dagegen schneiden Wettbewerber wie Oracle derzeit besser ab. Das liegt auch an einer Übernahmewelle, wie sie die IT-Industrie noch nicht erlebt hat. Es vergeht kaum ein Tag ohne Transaktion. Vor allem Oracle hat sich einen Namen als aggressiver Aufkäufer gemacht. Unter anderem will das US-Unternehmen den Software- und Serverspezialisten Sun kaufen, was aber der EU-Kommission ein Dorn im Auge ist.

SAP-Chef Apotheker will sich von dieser Entwicklung nicht unter Druck setzen lassen: „Wer alles anbietet, läuft Gefahr, Innovation zu verpassen, weil er sein gesamtes System schützen muss.“ SAP setze auf Ko-Innovationen. „Es ist anmaßend zu glauben, alles alleine machen zu können.“

Ein Beispiel für solche Innovationen sind Hauptspeicherdatenbanken, im Fachjargon „In Memory“. Firmensoftware erstellt eine Unmenge von Daten. Deshalb setzen Programme wie SAP auf Datenbanksoftware auf, ähnlich wie eine Textverarbeitung ein Betriebssystem benötigt. Diese Software archiviert und rubrifiziert Daten und stellt diese bei Bedarf wieder zur Verfügung.

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