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Softwarehersteller: Oracle will Verfahren gegen SAP neu aufrollen

Der US-Konzern Oracle plant eine neue Urheberrechtsklage gegen den deutschen Konkurrenten SAP - und fordert Milliarden. Das Verfahren ist ein neuer Rückschlag für SAP.

Schriftzüge des Software-Konzerns Oracle in New York. Quelle: dapd
Schriftzüge des Software-Konzerns Oracle in New York. Quelle: dapd

OaklandDie jahrelange Fehde der Software-Konkurrenten Oracle und SAP geht in eine neue Runde. Oracle will die von einem US-Gericht in Kalifornien zugebilligte Schadenersatzzahlung von 272 Millionen Dollar nicht akzeptieren und ein neues Gerichtsverfahren anstrengen, das nochmals Jahre in Anspruch nehmen könnte. Es gebe „keine andere Wahl“, um durchzusetzen, dass SAP Oracle mehr Schadenersatz zahle, teilte Oracle am Montagabend mit. SAP hatte bei dem Fall von Datendiebstahl von Oracle-Rechnern gehofft, mit einem blauen Auge davonzukommen und bedauerte die Entscheidung des Wettbewerbers. Oracle habe die Chance „zu einer fairen Lösung der Angelegenheit“ nicht genutzt, sagte ein Sprecher in Walldorf. Der Rechtsstreit müsse zu einem „vernünftigen Ende“ gebracht werden. 

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Der Clinch zwischen den beiden weltweit größten Anbietern von Unternehmens-Software dauert mittlerweile sieben Jahre. SAP hatte 2005 den kleinen US-Software-Dienstleister TomorrowNow gekauft, der bei zahlreichen Unternehmen Oracle-Software wartete. SAP lockte diese Unternehmenskunden mit günstigen Wartungsverträgen an und zog dadurch zahlreiche Firmen auf seine Seite. Die Mitarbeiter von TomorrowNow schossen aber deutlich über das Ziel hinaus und luden illegal Software-Codes von Oracle-Rechnern herunter. Oracle verklagte SAP daher 2007 wegen Diebstahl geistigen Eigentums, SAP gab die Vorwürfe nur scheibchenweise zu. In dem Verfahren vor einem Geschworenengericht, das nach jahrelanger Beweisaufnahme im Herbst 2010 stattfand, entschuldigte sich SAP schließlich für die Taten. Nach dreiwöchigem Prozess verdonnerten die Laienrichter den deutschen Konzern Ende November 2010 zu einem Rekordschadenersatz von 1,3 Milliarden Dollar. 

Der juristische Erfolg von Oracle entpuppte sich jedoch als Pyrrhus-Sieg: Denn gut ein Jahr später - im Herbst vergangenen Jahres - kassierte die US-Berufsrichterin Phyllis Hamilton den Juryspruch als „völlig überzogen“ und reduzierte den von SAP an Oracle zu zahlenden Schadenersatz auf 272 Millionen Dollar. Oracle stand damit vor der Wahl, die geringere Summe zu akzeptieren oder das Verfahren noch einmal ganz neu aufzurollen. Ursprünglich hatte Oracle gut vier Milliarden Dollar Schadenersatz von SAP gefordert. 

Obwohl Justizexperten Oracle nach dem überraschenden Urteilsspruch von Berufsrichterin Hamilton im Herbst vergangenen Jahres zum Einlenken geraten hatten, war dies nicht wirklich zu erwarten. „Wir glauben, dass die Jury richtig gelegen hat und haben die Absicht, den ganzen Schadenersatz einzuklagen, der Oracle nach unserer Ansicht zusteht“, hatte Firmensprecherin Deborah Hellinger im September 2011 gesagt. Die Anwälte von SAP hatten milliardenschwere Schäden bei Oracle durch die illegalen Downloads immer vehement bestritten, derartige Summne seien „aus der Luft gegriffen“. Anfänglich hatten die Walldorfer in Siegesgewissheit sogar nur einige dutzend Millionen Euro für den Fall zurückgestellt. Die zwischenzeitlich deutlich auf 929 Millionen Euro aufgestockten Rückstellungen hat SAP inzwischen größtenteils wieder aufgelöst. 

Die für den Streit ursächliche Tochter TomorrowNow kam nie auf einen grünen Zweig und wurde inzwischen nach jahrelangen Verlusten liquidiert. Wegen des Datendiebstahls brummte das US-Justizministerium SAP auch noch eine Strafzahlung in Höhe von 20 Millionen Dollar auf. Die für den Datendiebstahl verantwortlichen Manager bei SAP und TomorrowNow kamen dagegen ungeschoren ohne strafrechtliche Konsequenzen in den USA davon.

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