Softwarekonzern: Machtkampf beendete Doppelspitze bei SAP

Softwarekonzern
Machtkampf beendete Doppelspitze bei SAP

Offiziell will SAP-Chef Snabe mehr Zeit mit seiner Familie verbringen und gibt seinen Posten auf. Doch tatsächlich war ein Machtkampf mit Co-Chef McDermott entbrannt – den der Amerikaner für sich entscheiden konnte.
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Berlin, FrankfurtEntgegen den öffentlichen Stellungnahmen hat ein Machtkampf zwischen den Co-Chefs des Softwarekonzerns SAP zur Auflösung der Doppelspitze geführt. Nach Informationen des Handelsblatts aus Unternehmenskreisen hat Co-Chef Bill McDermott sich dafür eingesetzt, alleine den Konzern zu führen. „Bill McDermott hat bereits im vergangenen Jahr wiederholt auf ein Ende der Doppelspitze gedrängt“, hieß es in den Kreisen.

In den vergangenen Monaten habe McDermott zudem bei Aufsichtsratschef und Firmen-Mitgründer Hasso Plattner dafür geworben, ihm die alleinige Führung des Konzerns zu übertragen. Vorstandskollege Jim Hagemann Snabe hat schließlich um die Aufhebung seines Vertrags gebeten. Offiziell spricht SAP von familiären Gründen.

Das Verhältnis zwischen Snabe und McDermott gilt in SAP-Kreisen bereits seit Monaten als belastet. Intern soll McDermott nach Informationen des Handelsblatts seinen Führungsanspruch damit untermauert haben, dass er für die guten Zahlen und Ergebnisse verantwortlich sei, Snabe dagegen bei der Produktivitätssteigerung von SAP keine ausreichenden Erfolge vorweisen könne.

In Unternehmenskreisen weist man darauf hin, dass McDermott „Stück für Stück mehr Entscheidungskompetenz in die Staaten geholt“ habe, zuletzt die Kommunikation und das Marketing. „Nun hat er endgültig gewonnen“, sagt ein Insider.

Der Walldorfer Softwarekonzern hatte überraschend am späten Sonntagabend mitgeteilt, dass nach drei Jahren die Doppelspitze aufgelöst wird. Der für die internen Abläufe und die Produktentwicklung zuständige Däne Snabe soll zur nächsten Hauptversammlung im Mai 2014 in den Aufsichtsrat einziehen.

Das Tandem McDermott und Hagemann Snabe war 2010 von Plattner an der SAP-Spitze installiert worden - als Nachfolger des glücklosen Allein-CEO Leo Apotheker. Unter Apothekers Führung, der zuvor SAP zwei Jahre gemeinsam mit Henning Kagermann geführt hatte, war es zu heftiger Kritik der Kunden an teuren Wartungsdiensten für die SAP-Programme zur Unternehmenssteuerung gekommen.

Unter dem amerikanisch-dänischen Führungsduo nahm SAP Milliarden Euro in die Hand, um sich mit Übernahmen im Geschäft mit Datenbanken, mobile Anwendungen sowie im Wachstumsmarkt Cloud-Software Fuß zu fassen und aufstrebenden Wettbewerbern wie Workday nicht das Feld zu überlassen.

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  • j2zeK .... eine Schande, wie Mitarbeiter, Presse und die ganze Welt für dumm verkauft wird. Jim und Bill seien angeblich Freunde und Jim wolle sich mehr der Familie widmen, lol! Jim wir übrigens niemals im Aufsichtsrat ankommen (wetten??), denn da könnte er ja Bill kraft seines Amtes unbequeme Fragen stellen.
    Wirklich schade, ein solches Unternehmen in amerikanische Hände zu geben. Wir alle kennen das Ende .....

  • Dann wird Handelsblatt ja bald über gewaltige Aufkäufe und Fusionen in USA berichten können...


    ... als deren Ergebnis SAP völlig ausgeplündert sein wird, nachdem die Nummer mit dem Apotheker nicht bis zum Ende durchgezogen werden konnte.

  • Es gibt viele Beispiele die beweisen, dass Doppelspitzen - außer doppeltem Gehalt - den Unternehmen nichts bringen. Ein Teil deren Aktivitäten gehen außschließlich für fein ausgetragene Kämpfe untereinander drauf. Man erinnere sich auch an Doppel- und Dreifachspitzen in der Politik!

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