Softwarekonzern möchte Kosten um zwölf Prozent drücken
SAP will eigene IT-Systeme künftig in Indien warten lassen

Das Walldorfer Softwarehaus SAP will künftig Teile seiner im eigenen Konzern eingesetzten Software nicht mehr selbst warten, sondern sucht dafür einen externen Dienstleister für Informationstechnik (IT) in Indien.

FRANKFURT. Auch Teile der hauseigenen SAP-Systeme will SAP künftig nicht mehr selbst warten. „Wir sind derzeit dabei, mehrere Anbieter zu vergleichen“, bestätigte ein SAP-Sprecher die Pläne.

Insgesamt steht die Verlagerung von rund 200 Funktionen, wie Nutzerverwaltung und Anpassung (Updates) für einen Teil der Systeme an, die bislang von SAP-Mitarbeitern am Standort St. Leon Rot bei Walldorf gepflegt werden. Während SAP die Hardware weiter betreiben will, sollen indische Systemadministratoren künftig per Datenleitung Zugang zu den SAP-Systemen erhalten.

In der Summe gehe es bei der geplanten Auslagerung jedoch ausschließlich um nicht lebenswichtige Funktionen, betonte ein Sprecher des Konzerns. Um wie viel SAP die IT-Kosten durch das Vorhaben senken kann, will der Konzern im Hinblick auf die noch bevorstehenden Verhandlungen nicht bekannt geben.

Doch offensichtlich will SAP im kommenden Jahr noch einmal an die IT- und Verwaltungskosten heran. Nachdem die Walldorfer im vergangen Jahr die allgemeinen Verwaltungskosten noch um 12 Prozent auf 339 Mill. Euro senken konnten, stiegen sie in den ersten drei Quartalen 2004 wieder an.

Allerdings soll es im Zuge der Auslagerung zu keinen Entlassungen in Deutschland kommen. Direkt betroffen sind zunächst rund 70 Mitarbeiter, von denen die Mehrzahl innerhalb der IT-Abteilung der SAP Beratungsaufgaben übernehmen soll. Die restlichen Mitarbeiter führen den Betrieb der lebenswichtigen Anwendungen weiter, zu denen unter anderem die Systeme für die Softwareentwicklung gehören.

Der Schritt nach Indien ist laut SAP notwendig, „weil die Anforderungen der Abteilungen innerhalb der SAP an die eigene IT-Abteilung permanent steigen“ und mit dem vorhanden Personal nicht mehr zu bewältigen sind. Doch Neueinstellungen in Deutschland hätten unweigerlich auch zu höheren Kosten der IT geführt, die durch die Verlagerung in ein Billiglohnland wie Indien vermieden werden können.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden die Experten für die Pflege der SAP-Systeme rund um die südindische Stadt Bangalore sitzen. Denn dort ist in den vergangenen Jahren eine IT-Auslagerungsindustrie entstanden, die mittlerweile 16 Mrd. Dollar pro Jahr umsetzt und rund 30 Prozent jährlich wächst.

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