
FRANKFURT. Die Katze ist aus dem Sack: SAP wird sich stärker denn je gegen den Erzrivalen Oracle stellen. Wichtige Teile seiner Produkte wird SAP ab sofort auf Basis der Datenbank-Technologie des neu erworbenen US-Unternehmens Sybase anbieten. Das kündigte die SAP-Doppelspitze aus Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe gestern an. Es geht etwa um Software zur Analyse von Geschäftsdaten, ein wichtiger Wachstumsmarkt. Bislang nutzen die meisten Kunden von SAP hier die Datenbank-Angebote von Oracle oder auch Microsoft.
„Wir sind sicher, dass wir der führende Anbieter für die Geschäftsdaten-Analyse werden, auch in der Infrastruktur“, sagte Hagemann Snabe. Erstmals machte die SAP-Spitze damit deutlich, dass man mit Hilfe von Sybase Oracle direkt in dessen Kerngeschäft mit Datenbanken angreifen will. In den letzten Jahren hatte Oracle den deutschen Softwarekonzern im Geschäft mit Firmensoftware massiv herausgefordert. SAP-Mitgründer Hasso Plattner und Oracle-Gründer und -Chef Larry Ellison sind in der Vergangenheit immer wieder aneinandergerasselt. Vor allem Ellison lässt keine Gelegenheit aus, über den Rivalen herzuziehen.
SAP hatte den Kauf von Sybase im Mai angekündigt. Die Transaktion ist mit einem Volumen von 5,8 Milliarden Dollar (4,7 Milliarden Euro) die zweitgrößte Übernahme des Unternehmens nach Business Objects. Bislang hatte das Management von SAP den Deal vor allem mit den Software-Werkzeugen für die mobile Welt begründet, zu dem Datenbank-Geschäft von Sybase aber weitgehend geschwiegen. Dabei stammen 70 Prozent des Umsatzes von Sybase aus diesem Bereich.
Deshalb mutmaßen Analysten wie Thomas Otter von Gartner bereits seit längerem, dass es bei dem Sybase-Deal nicht zuletzt auch um dieses Know-how geht. Jede Firmensoftware benötigt eine Datenbank, auf die sie aufbauen kann. Die Margen in diesem Bereich sind höher als im Geschäft mit Firmensoftware. Neben Oracle und Microsoft zählt auch IBM zu den großen Datenbank-Spezialisten.
Die Ankündigung der SAP-Spitze birgt Sprengstoff. Datenbankanbieter wie Microsoft und IBM pflegen eine enge Partnerschaft mit SAP weit über das Thema Datenbank hinaus. Wenn SAP jetzt in ihr Geschäft eindringt, dürfte das für Verstimmung sorgen. „Diese Akquisition ist komplexer und ehrgeiziger als frühere von SAP“, warnt Gartner-Analyst Otter. Das SAP-Management müsse die Strategie schnell und offen erklären, sonst riskiere es Verwirrung bei Mitarbeiten, Kunden und auch den Partnern. Wie das konkret geschehen soll, das machte die SAP-Spitze noch nicht deutlich. McDermott kündigte lediglich an, die Partner eng in die weitere Entwicklung einzubinden.
Im Zukunftsgeschäft mit mobiler Firmensoftware will SAP zusammen mit Sybase innerhalb der kommenden neun Monate eine komplette Plattform aufbauen, die offen ist. Experten gehen davon aus, dass relevante Teile der Geschäftsprogramme, die heute auf fest installierten Rechnern oder auf Notebooks laufen, auf mobile Geräte wie Smartphones oder Lesegeräte wie das iPad wandern werden.