Sony Ericsson
Vom Gipfelstürmer zum Absturzkandidaten

Der einstige Technologie-Vorreiter Sony Ericsson bekommt seine Probleme nicht in den Griff. Das Gemeinschaftsunternehmen hat auch im fünften Quartal in Folge ein Minus ausgewiesen. Nun will das Joint Venture mit einer völlig neuen Produktpalette den Anschluss schaffen.

STOCKHOLM. Die Handy-Branche befindet sich im Umbruch: Sony Ericsson, einstmals Technologie-Vorreiter mit seinen Kamera- und Musik-Handys, rutscht immer tiefer in die Verlustzone. Neue Konkurrenten wie Apple mit seinem iPhone, RIM mit dem Blackberry und Mediatek aus Taiwan, die kleinen Herstellern eine komplette Handy-Plattform zur Verfügung stellen, setzen den etablierten Konzernen zu. Selbst Branchenprimus Nokia leidet unter den Neulingen, die mit völlig anderen Konzepten erfolgreich auf Kundenjagd gehen.

Doch während der Weltmarktführer wegen seiner dominierenden Stellung die Angriffe der neuen Spieler vermutlich noch abwehren kann, wird es für die Kleinen der Branche ein Kampf ums Überleben. Besonders betroffen sind der einstige Weltmarktführer Motorola, der zumindest in Europa nahezu vom Markt verschwunden ist, und die Nummer fünf der Handy-Hersteller, Sony Ericsson. Das Gemeinschaftsunternehmen hat auch im fünften Quartal in Folge ein Minus ausgewiesen. 199 Mio. Euro Verlust im dritten Quartal dieses Jahres waren zwar etwas weniger als erwartet, doch gegenüber dem Minus von 23 Mio. Euro im Vorjahresquartal ein Rückschlag.

Mit einem Marktanteil von nur noch rund fünf Prozent und einem um mehr als 40 Prozent auf 1,6 Mrd. Euro gesunkenen Umsatz wird die Luft für Sony Ericsson immer dünner. Der designierte Konzern-Chef Bert Nordberg hat sich deshalb externe Kredite in Höhe von 455 Mio. Euro besorgt, um die Durststrecke durchstehen zu können.

Das 2001 gegründete Joint Venture von Sony und Ericsson will nun mit einer völlig neuen Produktpalette den Anschluss schaffen. Sinkende Marktanteile und ein niedrigerer durchschnittlicher Verkaufspreis machen dem Unternehmen zu schaffen. Sony Ericsson hat wichtige Trends verschlafen und liegt nunmehr weit abgeschlagen hinter den Konkurrenten. "Apple, Samsung und LG haben den Markt mit Touchscreen-Handys erobert", sagt Swedbank-Analyst Håkan Wranne. "Da bleibt für Sony Ericsson nicht mehr viel über".

Noch vor zwei Jahren lag Sony Ericsson in der Entwicklung von hochpreisigen Kamera- und MP3-Handys ganz vorn. Die Geräte erzielten die höchsten Durchschnittserlöse, und Sony Ericsson zeigte sich selbstbewusst, demnächst zu den drei größten Herstellern zu gehören. Doch dann veränderte Apples iPhone den gesamten Markt, und aus dem selbsternannten Gipfelstürmer ist ein Absturzkandidat geworden.

Der Niedergang hat immer wieder Spekulationen ausgelöst, Ericsson könnte sich aus dem Joint Venture zurückziehen. Bislang hat das Ericsson-Chef Carl-Henric Svanberg aufs Schärfste zurückgewiesen. Doch er gibt die Führung von Ericsson ab. "Dann wird es leichter, Sony Ericsson abzustoßen", glaubt Analyst Wranne.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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