Sony hält Kompromiss für unwahrscheinlich
Grabenkrieg um neuen DVD-Standard

Im Streit um den künftigen Standard für DVD ist zwischen den japanischen Elektrokonzernen Sony, Matsushita und Toshiba keine Einigung in Sicht. Ken Kutaragi, Präsident der Sony Computer Entertainment, hält eine Verständigung auf ein neues DVD-Format für unwahrscheinlich: "Die Chance, die beiden Formate zu vereinen, gehen gegen null", sagte der Miterfinder der Sony-Playstation.

hps/HB DÜSSELDORF. Ursprünglich war davon ausgegangen worden, dass sich die Japaner noch in diesem Jahr auf einen neuen Standard einigen. "Es gilt, einen teuren Systemkrieg zu vermeiden", hatte Sony-Chef Howard Stringer noch vor Wochen beteuert. Doch diese Hoffnung ist nun offenbar begraben. Bereits vor Tagen sagte der Matsushita-Präsident Kunio Nakamura: "Die Gespräche sind nicht abgebrochen, aber wir stehen wieder ganz am Anfang."

Sony und Matushita haben die Blu-Ray Disk entwickelt. Die Konkurrenten Toshiba und NEC arbeiten hingegen an der HD-DVD. Beide neue Standards ermöglichen mehr Speicherkapazität für Filme und Bilder, einen besseren Ton und arbeiten mit dem blauen Laser. Die Blu-Ray Disk bietet 20-mal mehr Speicherkapazität als eine eine bisherige DVD mit 4,7 Gigabyte. Die HD DVD kann dagegen lediglich zehnmal mehr Inhalte speichern als eine herkömmliche Silberscheibe.

Der Konflikt ist sowohl für die Elektroriesen als auch für die Unterhaltungsindustrie von großer Bedeutung. Hollywood verdient mittlerweile mit DVD mehr Geld als mit Kino oder Fernsehen. Derzeit duellieren sich auch die Studios um die nächste DVD-Generation. Warner Bros., Tochter des weltgrößten Medienkonzerns Time Warner, hat sich zusammen mit NBC Universal und Viacom (Paramount) bereits für HD-DVD entschieden. Toshiba und NEC haben so bereits vor Monaten mit der Unterstützung der mächtigen Studios einen wichtigen Teilsieg errungen.

Auch der japanische Elektronikgigant Sony, der das traditionsreiche Studio MGM gekauft hat, kämpft in den USA verbissen um seinen Standard. Sony hat dabei mit Disney - der weltweiten Nummer zwei im Mediengeschäft - mit dem Filmstudio 20th Century Fox und dem Videospielehersteller Electronic Arts, wichtige Partner gefunden. Sowohl die Filmstudios oder auch die Videospielproduzenten drängen die Japaner zu einer Einigung - bisher allerdings vergeblich.

Ob die mangelnde Kompromissbereitschaft der Elektroriesen Nachteile für das Filmgeschäft haben wird, ist offen. Beide neue DVD-Standards bescheren dem Zuschauer eine sehr viel höhere Speicherkapazität, ein klareres Bild sowie einen besseren Ton. Die Hollywood-Studios erwarten von der neuen Technik einen weiteren Umsatzschub.

International erzielen die Hollywood-Studios mittlerweile drei Mal so hohe Umsätze mit DVDs und Videos wie mit den Kinovorstellungen. Weltweit wuchsen die Erlöse im DVD-Geschäft von 19,9 Mrd. Dollar (2003) auf 21 Mrd. Dollar (2004). Im vergangenen Jahr erreichte der Umsatz der DVDs in Deutschland mit 1,32 Mrd. Euro einen Rekordwert.

Sowohl den Elektrokonzernen als auch den Medienunternehmen ist der unselige Streit um ein gemeinsames Videoformat in den achtziger Jahren noch in guter Erinnerung. Damals scheiterte sowohl Sony mit seinem Betamax-Format als auch der deutschen Unterhaltungskonzern Grundig mit Video 2000. "Ein gemeinsamer Markt würde den Unternehmen helfen, schneller ihre Inhalte zu vertreiben", sagt Ken Kamoshita von der Investorengruppe DLIBJ Asset Management, die für 25 Mill. Euro Sony-Aktien besitzt.

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