Sony startet Verkauf von Playstation 3
„Es tut mir leid, dass es nur so wenige sind“

Sonys neue Spielekonsole PS3 ist nach wenigen Stunden ausverkauft – weil der Elektronikriese nicht genügend produziert hat.

TOKIO. „Playstation 3 ausverkauft“ steht in großen roten Buchstaben in der Computerspielefiliale der Elektronikkette Ishimaru Denki in Tokios Technikviertel Akihabara. Bestellungen werden nicht angenommen. „Völlig unklar, wann die nächste Lieferung kommt“, winkt ein Verkäufer am Sonntag ab.

Und nicht nur hier. Der Start von Sonys neuer Computerspielekonsole Playstation 3 am Samstagmorgen ist ein Ereignis weniger Stunden. Danach sind die gerade einmal rund 100 000 Konsolen, die der Elektronikriese für die Weltpremiere in Japan bereitgestellt hat, ausverkauft.

Überraschend ist das nicht. Das Vorgängermodell Playstation 2 hatte Sony mit der rund zehnfachen Anfangsmenge auf den Markt gebracht. Doch diesmal machten das Lieferprobleme von wichtigen Zulieferteilen unmöglich – und erschweren so den Start für ein Kernprodukt im Sonyuniversum.

Mehr als 1000 Spielefans stehen am Samstagmorgen allein vor der Filiale der Kette Bic Camera im Stadtteil Yurakucho an. Ken Kutaragi, der Chef der Sony-Computersparte selbst, drückt dem ersten Käufer, einem 28 Jahre alten Angestellten, die Playstation 3 in die Hände. Zu viel steckt für Kutaragi im Erfolg der neuen Konsole. Unter ihm hat Sony in den vergangenen zehn Jahren den Markt für Fernsehspielekonsolen mit weitem Abstand dominiert. Allein das Vorgängermodell Playstation 2 hat sich mehr als 100 Millionen mal verkauft. Nun werden die Karten neu gemischt – und Branchenexperten sind skeptisch, ob Sony den Abstand halten kann.

Im Ring stehen Spielekonsolenpionier Nintendo, dessen Konsole Wii in gut einer Woche in den USA und Anfang Dezember in Japan startet, und Microsoft, dessen Xbox 360 bereits ein gutes Jahr zum Verkauf steht. Bis Jahresende will Microsoft zehn Millionen Exemplare ausgeliefert haben. Fünf bis sechs Jahre dauert es, bis die nächste Generation einer Konsole auf den Markt kommt. Anders als bei Video- oder DVD-Rekordern sind Spielekonsolen und deren Spiele, die das meiste Geld einbringen, nicht miteinander kompatibel.

Kutaragi weiß, dass sein Problem an diesem Wochenende nicht fehlendes Interesse sondern fehlende Verfügbarkeit in der wichtigen Jahresendsaison heißt. „Es tut mir leid, dass es nur so wenige sind“, sagt er. Die meisten Konsolen stellt Sony erst einmal auf dem weihnachstsdominierten US-Markt zur Verfügung. In japanischen Internetbörsen hingegen werden die raren Konsolen schon für das bis zu Doppelte des Ladenpreises gehandelt.

Mit der Playstation 3 hat Kutaragi das Maximum des technologisch Möglichen gewollt. „Die Bilder sind schon klasse“, meint der 19-jährige Arata Mochizuki, dessen Vater für ihn eine Playstation 3 ergattert hat. Ein neuer Prozes-sorchip soll Spielern eine Cyberwelt bieten, die realer wirkt. Zudem soll das Speichermedium Blaue Laser Disk zusätzlich Kunden locken. Doch die nötigen Lasserdioden dafür kamen nicht rechtzeitig. Deswegen wird Sony bis Jahresende nur zwei Millionen Exemplare ausliefern – der europäische Markt bleibt ganz außen vor. Nintendo hingegen will vier Millionen Konsolen ausliefern – und dürfte allein deshalb besser starten.

Die Technologie treibt auch den Preis für die PS3 in die Höhe. Mit 49.980 Yen (335 Euro) für die kleinere 20 Gigabyte Version ist die Konsole doppelt so teuer wie Nintendos Wii – und eigentlich hatte Sony einen noch höheren Preis geplant. Und selbst mit diesem Preis verkauft Sony die neue Konsole zunächst deutlich unter Herstellungskosten und verliert in der gesamten Spielesparte im laufenden Geschäftsjahr 200 Mrd. Yen oder gut 1,3 Mrd. Euro.

Konkurrent Nintendo setzt auf weniger anspruchsvolle Technik und will vielmehr die Menschen, die bisher nichts für Computerspielekonsolen übrig hatten, mit einfacheren, familienorientierten Spielen an die Bildschirme locken – ein Konzept, das vorher bei der tragbaren Konsole DS aufgegangen ist. Doch bei den wirklichen Spielefans ist der so genannte Konsolenkrieg oft keiner. Der 19-jährige Arata hat sich bereits eine Nintendo Wii für deren Verkaufsstart bestellt. „Die Spiele für jede Konsole sind anders. Da wollte ich einfach beide.“

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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