Sony und Co.
Internet-Nutzer müssen besser aufpassen

Ob Sony, Apple oder Google: Die großen Unternehmen tun zu wenig, um die Daten ihrer Kunden zu geheim zu halten. Statt dessen treten sie den Schutz der Privatsphäre ihrer Kunden eher mit Füßen.
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Das muss man sich einmal vorstellen: Die Daten von mehr als 100 Millionen Kunden haben Kriminelle bei Sony geklaut. Gäbe es kein Internet, hätten die Verbrecher mit Sattelschleppern anrücken müssen, um die Papierberge wegzuschaffen.

Heute ist jede noch so vertrauliche Information stets nur einen Mausklick entfernt. Diese Erkenntnis aber scheint beim Unterhaltungselektronik-Konzern Sony nicht angekommen zu sein. Sonst hätten die Japaner ihre Datenbanken niemals dermaßen unzulänglich gegen Hacker gesichert.

Es ist schockierend, aber Sony ist nicht das einzige weltweit bekannte Unternehmen, das den Datenschutz mit Füßen tritt. Auch wenn der Fall ganz anders gelagert ist: Dass Apple die Aufenthaltsorte der iPhone-Besitzer ohne deren Wissen gespeichert hat, ist mindestens genauso empörend. Auch Google steht wieder einmal am Pranger: In Korea hat gestern die Polizei Büros des Internetunternehmens durchsucht. Die Ordnungshüter verdächtigen die Amerikaner, Bewegungsdaten der Menschen illegal zu sammeln.

Besonders skandalös ist, dass die Unternehmen die Öffentlichkeit meist erst dann informieren, wenn sich nichts mehr verheimlichen lässt. Das ist zwar nicht überraschend, denn die Firmen wittern ein riesiges Geschäft. Schließlich sind die Daten der Nutzer Milliarden wert. Sony verdient an Online-Spielen. Bei der Razzia in Korea etwa geht es um Mobilfunk-Werbung.

Es hat allerdings wenig Sinn, allein auf das Einsehen der Konzerne zu hoffen. Auch die Kunden sollten sich nach all den Skandalen der jüngsten Zeit fragen, ob sie wirklich vorsichtig genug sind. Jeder, selbst wenn er sich nicht bei Facebook entblättert, sondern lediglich online einkauft, muss sich darüber im Klaren sein: Macht er Angaben über seine Bankverbindung oder verschickt er Kreditkarteninformationen, muss er damit rechnen, dass Kriminelle zuschlagen.

Es ist an der Zeit, dass beide Seiten - Firmen und Konsumenten - mehr Augenmaß beweisen. Die Unternehmen müssen alles technisch Mögliche tun, um die Privatsphäre zu schützen. Wenn sie Informationen zusammentragen, dann nur mit Erlaubnis der Betroffenen und unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen. Gleichzeitig sollte sich jeder Einzelne überlegen, welche persönlichen Informationen er wem und über welchen Kanal zur Verfügung stellt. Gleichwohl ist eins klar: Angesichts der Datenflut wird die nächste Affäre nicht lange auf sich warten lassen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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