Soziale Netzwerke: Explosive Grüße aus dem Netz

Soziale Netzwerke
Explosive Grüße aus dem Netz

Ohne einen Auftritt bei Facebook und Co. können Unternehmen heute nicht erfolgreich sein. Doch die sozialen Netzwerke sind auch ein gigantisches Protestforum – und das birgt Gefahr für unvorbereitete Firmen.
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Düsseldorf/FrankfurtBisher war der Streik ein Mittel des Arbeitskampfs in der Old Economy. Doch zum Jahresauftakt ist der Ausstand auch im Internetzeitalter angekommen. In der vergangenen Woche streikte der englischsprachige Dienst des Online-Lexikons Wikipedia und zeigte nur eine schwarze Seite – aus Verärgerung über zwei US-Gesetzentwürfe zum Schutz des Urheberrechts. Internetdienste wie Google und Twitter oder das soziale Netzwerk Facebook schlossen sich dem Protest an: „Wir dürfen nicht zulassen, dass sich schlecht durchdachte Gesetze der Entwicklung des Internets in den Weg stellen“, schrieb Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.

Die Internetkonzerne sind zu einer Macht geworden, die Einfluss auf die Gesetzgebung nimmt. Dieser Macht können sich aber auch die Unternehmen nicht mehr entziehen. Sie können es sich längst nicht mehr leisten, die Web-Giganten und die sozialen Netzwerke zu ignorieren, weil dort ihre junge und konsumfreudige Kundschaft immer mehr ihrer Zeit verbringt. Allein das soziale Netzwerk Facebook hat in Deutschland 22 Millionen Nutzer.

Der direkte Zugang zum Kunden über das Internet und seine Netzwerke kann jedoch Fluch und Segen zugleich sein. Fluch, weil Facebook und Co. ein gigantisches Forum bieten können, um eine Schmähkampagne, einen so genannten Shitstorm, gegen Unternehmen loszutreten. Unvorbereitete Firmen kann das hart treffen und am Image und Erfolg kratzen. Jüngste Beispiele sind Konzerne wie Adidas, ING Diba, Siemens, O2 oder Sky. Segen, weil sich mit der richtigen Strategie die Kunden enger und emotionaler an eine Firma und ihre Produkte binden lassen.

Die deutsche Wirtschaft hat dieses Potenzial erkannt, auch wenn sie bisher nach Angaben der Marketinggesellschaft Efficient Frontier erst 2,7 Prozent ihres Werbebudgets in Social Media steckt. Drei von vier Unternehmen, die der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) im Oktober 2011 befragte, gaben aber an, ihr Social-Media-Budget erhöhen zu wollen. Für mehr als 70 Prozent haben die sozialen Medien heute große Bedeutung im Geschäftsalltag.

Beispiel Adidas: Der Sportartikelhersteller investiert seit 2010 den Hauptteil seines auf eineinhalb Milliarden Euro geschätzten Marketingbudgets in Plattformen wie Facebook. Klassische Werbemedien wie Fernsehen oder Zeitschriften verlieren an Bedeutung. Es gibt kaum noch einen Schokoriegel, der nicht über eine eigene Facebook-Seite verfügt. Der Werbefaktor im Netz sei gar nicht hoch genug einzuschätzen, sagt Jörg Ihlau von der Werbeagentur Serviceplan. Publicity sei im Internet fast kostenlos zu haben, während ein TV-Spot je nach Sender und Tageszeit mit 2500 bis 60.000 Euro zu Buche schlage.

Kommentare zu " Soziale Netzwerke: Explosive Grüße aus dem Netz"

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  • "Ohne einen Auftritt bei Facebook und Co. können Unternehmen heute nicht erfolgreich sein" - Das ist doch blanker Unsinn. Unternehmen, die eine werthaltige Leistung oder Produkte verkaufen, haben ihren Erfolg wg. der Verlässlichkeit. Wer Massenprodukte für die große Exhibitionistengemeinde herstellt, der ist natürlich auf diese Datenkraken angewiesen. Aber das ist ein kleiner Teil der Wirtschaft, der kommt und geht. Sollte der zitierte Satz tatsächlich Gültigkeit gewinnen, dann haben wir eine faschistoide Zwangsherrschaft. Es gab Systeme, bei denen es existenzgefährdend war nicht bei SED oder NSDAP Mitglied zu sein. Soziale Netzwerke? Wer als Jugendlicher nicht teilnimmt ist praktisch ausgegrenzt.

  • "Ohne einen Auftritt bei Facebook und Co. können Unternehmen heute nicht erfolgreich sein."

    was ist das denn für ein Quatsch...

  • Was ist denn das für eine dumme Aussage, ohne Facebook und Co. könne eine Firma nicht mehr erfolgreich sein? Gemessen an der irrsinnigen Wachstumsratenmanie mancher Konzernmanager von 20-30% pro Jahr mag das vielleicht stimmen. Die Verbreitung und Publicity via Social Network ist aber nur EIN Faktor für Firmenerfolg. Es gibt noch genug erfolgreiche Firmen, die sich tatsächlich auch durch ein gutes Produkt/Dienstleistung auszeichnen, ohne gleich in diese Netzwerke zu strömen. Und mancher Internetblasenfirma gelingt es dank dieser Netzwerke vom eigentlichen Problem abzulenken - nämlich dass ihnen gar kein dauerhaft tragendes Firmenkonstrukt zugrunde liegt.
    Wenn das schon als Erfolg verstanden wird, ist das eine sehr eindimensionale Betrachtung. Einfach mal die Nachhaltigkeit herausrechnen ....

    Solche Aussagen treiben Facebook und Co. nur hinreichend weitere Schäfchen zu und zementieren deren Monopolstellung.

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