Soziale Netzwerke
Facebook hat ein Waffenproblem

Für Facebook werden private Schusswaffen-Angebote in den USA zum moralischen Stolperstein. Das soziale Netzwerk hofft auf guten Willen der Nutzer. Kritiker bemängeln die geplanten Neuregelungen als halbherzig.
  • 0

New YorkDas soziale Netzwerk Facebook plant neue Regeln für den Verkauf von Schusswaffen auf seinen Seiten Facebook und Instagram. Während private Angebote nicht grundsätzlich verboten werden, hofft das Management um Mark Zuckerberg mit warnenden Hinweisen und Altersbeschränkungen illegalem Treiben einen Riegel vorschieben zu können. Untersagt werden nur Postings, die offen damit werben, gesetzliche Vorgaben umgehen zu können – falls sich jemand findet, der Facebook von diesem Angebot in Kenntnis setzt. Ein eigenes Team, das Regelverstöße überwacht, ist nicht geplant.

Widerwillig beugt sich das mit 1,3 Milliarden Mitgliedern größte soziale Netzwerk dem Druck der Massen. Über Monate hinweg hatten Lobbygruppen den laxen Umgang mit Anzeigen und Postings beklagt, die mehr oder weniger subtil verbrämt den Kauf von Waffen angepriesen hatten, oder Waffen an den gesetzlich vorgeschriebenen Regelungen vorbei in andere US-Bundesstaaten verkaufen wollten.

Manche versprechen, keinen Eignungstest zu verlangen. Der soll verhindern, dass mental instabile oder einschlägig vorbestrafte Menschen Waffen unerkannt erwerben und gleichzeitig die Basis für ein Waffenregister liefern. Allerdings ist die Rechtslage nicht immer ganz eindeutig. In machen Bundesstaaten verlangt das Gesetz keinen Eignungstest für Privatverkäufe zwischen Personen aus demselben Bundesstaat.

Die fraglichen Anzeigen sollen aber auch Minderjährige oder anonyme Kaufinteressenten angesprochen haben. Neben starken Lobbygruppen wie „Moms Demand Actions“ hatten sich auch der New Yorker Staatsanwalt Eric Schneidermann und die machtvolle Bewegung „Mayors Against Illegal Guns“ des New Yorker Ex-Bürgermeisters Michael Bloomberg auf Facebook eingeschossen.

Das Problem: Während für die kommerziellen Facebook-Anzeigenkunden schon längst strikte Regeln gelten, was den Verkauf von Produkten wie Waffen, Pornos, Arzneimittle oder Drogen angeht, ist der Teil des eigentlichen freien Facebook-Dienstes deutlich schwächer geregelt. Da ist es, zumindest bislang, einfach möglich, sporadisch im privaten Profil einen Hinweis auf ein mögliches Waffengeschäft zu posten. Das Geschäft selbst wird dann nicht über Facebook, sondern privat abgewickelt.

„Wir haben detaillierte Hinweise bekommen“, schreibt Facebook in einem Blogeintrag, „dass Menschen über den privaten Verkauf von Schusswaffen auf Facebook oder Instagram besorgt sind. Das ist einer von vielen Bereichen, in denen wir vor der schwierigen Aufgabe stehen, eine Balance zwischen dem Wunsch nach individuellen Kommunikationsfreiheit herzustellen und der Erkenntnis, dass diese Aktionen Auswirkungen außerhalb Facebooks haben.“

Kommentare zu " Soziale Netzwerke: Facebook hat ein Waffenproblem"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%