Soziale Netzwerke
Schneller Aufstieg, tiefer Fall

Vor Facebook gab es viele andere: GeoCities, Friendster oder MySpace. Heute sind diese Netzwerke so gut wie bedeutungslos. Sie wurden von der nächsten Generation überrollt. Viel Umsatz machte keines der Unternehmen.
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DüsseldorfDas Unternehmen war ein Phänomen. Am 11. August 1998, als GeoCities an die Börse ging, war der Begriff „soziales Netzwerk" noch gar nicht erfunden, aber die Idee brauchte keinen Namen. GeoCities, 1994 in Santa Clara gegründet, wuchs im Wahnsinnstempo. Nutzer ohne Programmierkenntnisse konnten sich leicht Webseiten basteln, und in den "Städten" von GeoCities ihre eigenen Nachbarschaften einrichten.

Schon 1995, als das Internet noch längst nicht für jeden ein Begriff war, registrierten sich auf GeoCities jeden Tag Tausende von virtuellen Bürgern. Drei Jahre später brachten der Finanzinvestor CMG und die Investmentbank Goldman Sachs GeoCities an die Börse, der Kurs stieg von 17 auf mehr als 100 Dollar.

1999 wurde GeoCities von Yahoo für 3,6 Milliarden Dollar aufgekauft. 2001 dann machten erste Gerüchte vom Abschalten des Dienstes die Runde. Bis es so weit war, vegetierte GeoCities aber noch Jahre vor sich hin - als virtuelle, milliardenteure Geisterwelt.

Eine Reise durch die Geschichte der sozialen Netzwerke dürfte Besitzer von Facebook-Aktien nicht gerade optimistisch stimmen. Die Geschichten gleichen sich, als wären sie mit ein und derselben Blaupause angefertigt worden: Zunächst ein Aufstieg wie aus dem Nichts - bevor die ersten Zeitungen darüber berichten, hat das neue soziale Netzwerk schon Millionen von Anhängern.

Schon in einem ganz frühen Stadium hatten sich die Erfinder an einen Finanzinvestor gewandt - aus dem Projekt wird ein Unternehmen. Die Beteiligten werden zu Multimillionären entweder durch den Verkauf des Netzwerks an einen anderen Investor oder durch einen Börsengang. Die Kehrseite des Reichtums der Gründer und frühen Financiers bildeten die nachfolgenden Investoren und vor allem die Kleinanleger, für die oft ein langer Leidensweg begann.

Aber auch jene Gründer sozialer Netzwerke, die nicht rechtzeitig verkauften oder an die Börse gingen, hatten Grund zur Depression. So hatte der 22-jährige Jonathan Abrams Anfang 2002, drei Jahre nach dem Milliardendeal von GeoCities und Yahoo, die Idee für „Friendster": eine Internetseite, mit der Nutzer ihre Freunde verwalten und sich mit ihnen austauschen konnten.

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  • Wenn man den Erfolg eines sozialen Netzwerks anhand der Mitglieder definiert, ist Facebook unbestritten das Erfolgreichste. Allerdings vergisst man oft, dass auch kleinere Netzwerke ihre Vorteile haben: Klare Nutzergruppen, überschaubare Themen und Interessen. Ein Blick nach China zB zeigt: 15 verschiedene Top-Netzwerke, die sich anhand von Interessen, Alter und Aktivität unterscheiden. MySpace ist ein schönes Beispiel: Künstler und Musik. Ich habe den Eindruck, dass viele der Meinung sind, ein Netzwerk kann auch ohne Weiterentwicklung und Strategie "irgendwie wachsen". Facebook hat seit Bestehen immer etwas umgebaut, ergänzt, war sich aber auch nicht zu schade Funktionen auch zu schließen. Das habe ich bei Friendster, MySpace und Co oft vermisst.

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