Soziale Netzwerke
Warum gekaufte Facebook-Fans schädlich sind

Tausende Facebook-Fans und Twitter-Follower, davon träumen viele Firmenchefs. So mancher geht bei Ebay auf Einkaufstour – hier werden viele Fans für wenig Geld angeboten. Doch gekaufte Freunde können Unternehmen schaden.
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„Wir haben jetzt 100.000 Facebook-Fans und  70.000 Twitter-Follower!“ Mit Aussagen wie diesen kann so mancher Social-Media- und Community-Manager die Augen seines Chefs zum Leuchten bringen. Allerdings sagen diese Zahlen im Web 2.0 nicht so viel aus – es gilt eine andere Währung.

Zunächst einmal: Aus Sicht der Unternehmen ist der Wunsch nach möglichst vielen Fans und Followern verständlich. Bedeuten doch 100.000 Facebook-Fans – zumindest theoretisch – mehr Reichweite als 1.000. Und Unternehmen, die bei Twitter regelmäßig 70.000 Nutzer (und damit entsprechend viele Werbeträger und potenzielle Kunden) erreichen, stehen besser da als Konkurrenten mit mickrigen 500 Followern, zumindest auf den ersten Blick.

Auch Journalisten orientieren sich an der vermeintlichen Fangemeinde. Denn je mehr Fans eine Facebook-Fanpage hat, je mehr Follower einem Twitter-Account folgen, umso attraktiver scheinen die Web 2.0-Präsenzen zu sein. Tausende „Abonnenten“ können schließlich nicht irren, oder? Tatsache ist, dass Pages mit vielen Fans oft als wichtiger gelten und auch in den Medien als relevanter dargestellt werden als kleinere Seiten. „Die Fan- oder Follower-Zahl wird von vielen immer noch als wichtigstes Kriterium erachtet. Vermutlich weil das der Wert ist, den man auf Anhieb erkennen kann“, erklärt Annette Schwindt von schwindt-pr.

Stetig wachsende Fan- und Follower-Zahlen lassen sich daher in Geschäftsführer- und Entscheider-Runden gut präsentieren. Vielerorts rechtfertigen sie erst das Engagement in den Sozialen Netzwerken. Denn mit den Zahlen, die leicht auch von Chefs abgerufen werden können, die selber nicht im Web 2.0 unterwegs sind,  lässt sich gut rechnen – immer dann, wenn die Formel „viele Fans gleich große Aufmerksamkeit“ angewendet wird.

Kein Wunder also, dass es nicht nur Unternehmen gibt, die auf Shopping-Tour gehen anstatt sich Fans und Follower zu „verdienen“, sondern offenbar auch Politiker wie Mitt Romney oder Parteien wie die CDU. Auch der Berliner Rapper „Massiv“ hat unlängst digital aufgerüstet. Die Zahl seiner Twitter-Follower hat sich binnen Wochen auf rund 100.000 verzehnfacht. Der Rapper hielt nicht hinter dem Berg, wo viele der Fans pünktlich zur Veröffentlichung seines neuen Albums herkamen. „Wer Follower will – bei eBay gibt's Hammer-Angebote“, twitterte er.

Dabei sind möglichst viele Fans und Follower nur die eine Seite des Erfolgs. Denn im Social Web gibt es eine andere, eine wichtigere Währung: Interaktion.

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Falsche Fans nützen wenig

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  • Gekaufte Fans sind nichts wert. Das sehe ich genauso. Ich betreibe einen Onlineshop mit einer Fanbase von ~5000 Usern. Auch ich habe zeitweise überlegt mir Fans zu kaufen, jedoch vergisst man schnell eine Sache: Der Vorteil von echten Fans liegt ja daran, dass ein echtes Interesse besteht und zudem ein echtes soziales Netz bei diesem User besteht. Insgesamt halte ich es für vielversprechender wenn man seine bestehenden Facebook-Fans mit spannenden Inhalten bei Laune hält und um neue Fans zu bekommen Gewinnspiele oder Fotowettbewerbe betreibt. Diese Wettbewerbe kann man mit Hilfe von Fan-Gating, nur Usern zur Verfügung stellen, die Fans der eigenen Seite sind ( Sowas geht beispielsweise mit http://www.wishpond.de ). Zwar gibt es dort auch User, die nie wieder kommen, aber es ist trotzdem um einiges effektiver als Fans zu kaufen
    Just my 2 cents...

  • Es gibt noch einen sehr gewichtigen neuen Nachteil: Unternehmen können jetzt Posts promoten. Die Kosten hierfür hängen direkt von der Anzahl der Fans ab. Werden die bezahlten Posts dann aber nur Bots und Freunden von Bots gezeigt, dann ist das rausgeworfenes Geld. Das Targeting von Facebook Ads hängt stark von den Fans ab. Sich dieses Targeting nachhaltig zu zerstören ist mutig. Man wird die falschen Fans ja kaum wieder los.
    Frank Drews

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