Soziales Netzwerk: SchülerVZ hat ausgegruschelt

Soziales Netzwerk
SchülerVZ hat ausgegruschelt

Sechs Jahre lang hat SchülerVZ Kinder und Jugendliche miteinander vernetzt – doch die meisten sind inzwischen bei Facebook gelandet. Nun schließt das Netzwerk, die Zukunft der Schwesterplattformen ist ungewiss.
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BerlinPinke Luftballons, Krawall-Affen und Konfetti: Das war das SchülerVZ. „Wir haben uns gefreut, euch eine Weile zu begleiten“, erklären jetzt die Betreiber zum Abschied. Ende April soll das Soziale Netzwerk nach sechs Jahren eingestellt werden. Das SchülerVZ wollte Kindern und Jugendlichen ab zehn Jahren einen geschützten Raum bieten – und sie später für die anderen Portale der Gruppe gewinnen, StudiVZ für Studenten, MeinVZ für Erwachsene und die Foto-Plattform VZ Fotobuch. Doch jetzt gibt SchülerVZ als erstes der VZ-Netzwerke auf. Zum Monatsende hat es sich ausgegruschelt.

Das Gruscheln – ein Kunstwort aus Grüßen und Kuscheln – war lange das Markenzeichen von StudiVZ. Das Online-Netzwerk für Studenten wurde 2005 nach dem US-Vorbild Facebook gegründet, das damals noch auf Universitäten beschränkt war. Auch SchülerVZ richtete sich an eine eng begrenzte Zielgruppe: Um unerwünschte Erwachsene fernzuhalten, konnte man nur auf Einladung eines anderen Mitglieds beitreten.

„Ein gesicherter Raum für Schüler im Internet ist eine gute Sache“, sagt der Social-Media-Experte und Internet-Unternehmer Marco Ripanti. „Es ist tragisch, dass jetzt die sinnvollste Plattform der VZ-Gruppe zuerst geschlossen wird. Da ist auch eine große Chance vertan worden.“ Das Netzwerk speziell für Kinder und Jugendliche sollte zwischenzeitlich als Bildungsangebot umgebaut werden, doch der Richtungswechsel kam zu spät.

Der große Bruder StudiVZ sah lange wie eine deutsche Erfolgsgeschichte im Internet aus. „StudiVZ ist wie eine Campus-Party“, sagte 2007 ein Mainzer Student, „sehen und gesehen werden, Kontakte knüpfen und flirten, was das Zeug hält.“ Zwei Jahre nach dem Start verkauften die StudiVZ-Gründer ihre Plattform an die Verlagsgruppe Holtzbrinck – als Kaufpreis waren 85 Millionen Euro im Gespräch.

Auch der Einstieg von Facebook in den deutschsprachigen Markt konnte StudiVZ 2008 zunächst nichts anhaben. Erst einige Jahre später setzte die Abwanderung ein: Immer mehr Nutzer wollten sich auch mit internationalen Kontakten vernetzen oder fanden die Trennung zwischen Studentenleben und Erwachsensein auf StudiVZ und MeinVZ zu umständlich. Hinzu kam, dass sich Facebook dank seiner großen Entwicklertruppe rasant weiterentwickelte und Funktionen bot, die es bei den VZ-Netzwerken nicht gab.

Die drei VZ-Netzwerke verloren unaufhaltsam Mitglieder: Ende 2010 hatten sie noch mehr als 12 Millionen Nutzer. Im Dezember 2012 waren es nur noch 1,6 Millionen. Mehrfach versuchten die Betreiber vergeblich, den Nutzerschwund aufzuhalten. Die Webseite WannstirbtStudiVZ.net hielt den Rückgang der Nutzerzahlen beim StudiVZ über die Jahre hinweg fest und sagt nun ein endgültiges Aus für Februar 2014 voraus.

Schlagzeilen machten die Netzwerke mit Datenpannen – im Oktober 2009 wurden der Verbraucherzentrale mehr als 100.000 Datensätze aus dem Schüler-VZ zugespielt, darunter persönliche Profildaten, zu denen nur Freunde von Netzwerk-Mitgliedern Zugang hatten. Danach wurde die Sicherheit verbessert. Während die Kritik am Umgang von Facebook mit persönlichen Daten immer lauter wurde, versuchte die VZ-Gruppe, mit Datenschutz zu punkten. Dies wurde dann auch von Verbraucherschützern positiv registriert.

Dennoch entwickelte sich das SchülerVZ im vergangenen Jahr zu einer Art Geisterstadt: Etliche Nutzer legten sich Phantasie-Namen zu und spielten mit fiktiven virtuellen Identitäten. Sogar ein eigenes Fake-Verzeichnis wurde eingerichtet, bei dem man sich weiter anmelden kann. Die Holtzbrinck-Gruppe stieg im September 2012 aus und verkaufte die VZ-Netzwerke an die Investmentgesellschaft Vert Capital. Nur die Techniksparte verblieb bei Holtzbrinck Digital. StudiVZ und MeinVZ bestehen erst einmal weiter, ihre Zukunft ist aber unklar.

Der Internet-Unternehmer Ripanti gibt der Marke VZ keine Chance mehr: „Das ist verbrannt.“ Für einen nationalen Anbieter sei es sehr schwierig, gegen Facebook zu bestehen. Statt einer landesweiten Plattform können sich eher Netzwerke mit einem regionalen Schwerpunkt behaupten. So hat „Wer-Kennt-Wen“ in Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland weiter eine aktive und stabile Community. „Die Zukunft liegt im Regionalen“, sagt Ripanti. „Für viele ist Facebook zu groß, sie wollen sich online mit Leuten aus ihrer Umgebung vernetzen.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Für Facebook hat es doch den Vorteil, dass die Menschen wie "Herdentiere" reagieren. Sind im jeweiligen Land die entsprechenden Konkurrenten ausgeknipst, dann kann man auch mehr gebührenpflichtige Dienste einführen.
    Wir, die Nutzer bestimmen doch teilweise mit, wie sich was auf dem Markt behauptet. Nur die Nutzer spielen ihre Trümpfe nicht aus oder wissen gar nicht, dass sie diese besitzen.
    Das gleiche Prinzip kann man doch z.B. auf die Online-Auktionshäuser übertragen. Viele jammern über den Krösus mit den VIER Buchstaben, tun aber nichts dafür, dass andere Plattformen zumindestens national wachsen können.
    Aber so ist das Leben nun mal. Jammern ist bequemer und einfacher, als etwas zu bewegen durch Aktivität.
    Dann kommt in vielen Bereichen noch die "Geiz is Geil"-Mentalität dazu, bzw. viele möchten alles umsonst haben und wundern sich dann, wenn sie übermäßig mit Werbung zugespammt werden. Mehr will ich dazu nicht sagen, dass würde dann glaube den Rahmen sprengen.

  • Kaum geht schuelerVZ zu, geht Funtasto auf :-) Ist im Gegensatz zu VZ international, das wollen die Kids heute...

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