Sparkurs
Filmbranche kämpft gegen den Abstieg

Von mediterraner Heiterkeit ist auf der diesjährigen Film- und Fernsehmesse MipTV in Cannes nichts zu spüren. Die Stimmung der Produzenten und Rechtehändler ist gekippt. Die Filmbranche befürchtet, Opfer des harten Sparkurses der Fernsehsender zu werden. Der Abbau von Arbeitsplätzen steht unmittelbar bevor.

CANNES. "Die Werbebudgets gehen dramatisch zurück. Das trifft die Produzenten, die für Privatsender wie RTL und Pro Sieben Sat 1 arbeiten", sagte Christoph Palmer, Chef der Allianz deutscher Produzenten, dem Handelsblatt. "31 Produktionen, die bereits abgemacht wurden, sind ad acta gelegt worden", berichtet der Vertreter von Filmfirmen wie Constantin, Ufa, Brainpool und MME. "Im TV-Markt sieht es düster aus", konstatiert auch Martin Husmann, Geschäftsführer und Eigner der Münchener Filmfirma Blue Eyes ("Die Alm", "Hexe Lilli").

Die Produzenten von Serien, Shows und Filmen hätten angesichts immer neuer Sparrunden Probleme, überhaupt noch neue Projekte zu verkaufen, berichtet Kai-Roger Grüneke von der Filmfirma EVA, zu der Odeon Film ("John Rabe") und Atlas gehören. "In der Krise kaufen Fernsehsender nur noch sehr selektiv", sagt Produzent Grüneke.

Die Programmbudgets vieler Sender müssen künftig deutlich sinken. Marktteilnehmer gehen davon aus, das bis 2011 die Kosten um 15 bis 20 Prozent gesenkt werden müssen. Denn sowohl die RTL-Sender als auch die hoch verschuldete Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 leiden massiv unter dem Rückgang der Werbeerlöse. "Wir sehen einen signifikanten Rückgang im europäischen TV-Werbemarkt", sagt Gerhard Zeiler, Vorstandschef der RTL Group mit 45 Fernsehsendern in elf Ländern. Prognosen, wie stark es abwärts geht, wagt derzeit kein einziger Fernsehkonzern.

"Die Rezession erreicht die Unternehmen mit voller Wucht erst nächstes Jahr", prognostiziert Branchenvertreter Palmer. Nach einer jüngsten Umfrage der Produzentenallianz bei den TV- und Filmproduzenten bewerten bereits 54 Prozent der befragten Unternehmen die Geschäftssituation negativ. Jedes fünfte Unternehmen hat nach dieser Umfrage die Absicht, noch in diesem Jahr Arbeitsplätze abzubauen. Doch das ist womöglich erst der Anfang. Die Fernseh- und Filmproduktionsfirmen setzten nach Angaben der Produzentenallianz im vergangenen Jahr 3,5 Mrd. Euro um. Davon entfallen allein auf das Fernsehen rund drei Mrd. Euro. Die Branche, in der freie Beschäftigungsverhältnisse häufig üblich sind, beschäftigt rund 60 000 Menschen.

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