Sparmodell
Warum Apple so wenig Steuern zahlt

Apple macht Milliardengewinne und zahlt trotzdem im Ausland kaum Steuern. Damit ist der iPhone-Hersteller nicht allein, viele internationale Konzerne drücken ganz legal ihre Abgabenlast. Dagegen formiert sich Widerstand.
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DüsseldorfTrotz sprudelnder Gewinne zahlt Apple im Ausland kaum Steuern. Auf den außerhalb der USA verbuchten Überschuss von 36,8 Milliarden Dollar (28,4 Milliarden Euro) wurden nur 1,9 Prozent Steuern fällig. Das geht aus Unterlagen hervor, die der iPhone-Hersteller Ende Oktober bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat. Der Fall dürfte die Debatte über die Steuerspar-Praxis internationaler Konzerne weiter befeuern, vor allem in Großbritannien. Dort war kürzlich erst Starbucks wegen niedriger Steuerzahlungen massiv in die Kritik geraten.

Apple schlüsselt nicht auf, wie viel Steuern in welchem Land fällig werden, im SEC-Bericht nennt der Konzern lediglich die Gesamtsumme (S.61). Eine Anfrage von Handelsblatt Online, wie viel davon der deutsche Fiskus bekommen hat, ließ das Unternehmen zunächst unbeantwortet. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erhielten die Steuerbehörden 713 Millionen Dollar (551 Millionen Euro). Auch 2011 zahlte der iPhone-Hersteller nicht viel: Von 24 Milliarden Dollar Gewinn im Ausland gingen nur 602 Millionen Dollar an die Steuerbehörden – das entspricht einem Satz von 2,5 Prozent.

Das Unternehmen insgesamt liegt bei einer Rate von rund 25 Prozent. Für das jüngste Geschäftsjahr stellte Apple insgesamt gut 14 Milliarden US-Dollar für Steuerzahlungen zurück. Auf die Gewinne, die im Ausland lagern, würden erst bei der Überweisung in die USA hohe Steuern fällig. Auch andere US-Unternehmen weisen in ihren Bilanzen seit Jahren niedrige Steuern im Ausland aus.

Der Konzern aus Kalifornien ist mit seiner niedrigen Abgaben nicht allein. Einer Analyse des „Guardian“ zufolge zahlten die US-Unternehmen Amazon, Facebook, Google und Starbucks in Großbritannien innerhalb von vier Jahren nur 30 Millionen Pfund Steuern – und das bei einem Umsatz von 3,1 Milliarden Pfund.

Dabei verstoßen die Konzerne nicht gegen das Gesetz, sondern nutzen legale Schlupflöcher aus. „Sie profitieren von den unterschiedlichen Niveaus der Steuersätze in verschiedenen Ländern und von der Mobilität der Einkünfte“, erklärte Prof. Wolfgang Schön vom Max-Planck-Institut für Steuerrecht und öffentliche Finanzen in München auf Anfrage von Handelsblatt Online. „Das ist vor allem möglich, wenn die Werttreiber immaterieller Art sind“, erläutert der Experte für internationale Unternehmensbesteuerung – etwa bei Patenten und Markenrechten.

Gerade innerhalb der EU erlauben die unterschiedlichen Steuergesetze eine komplexe Verlagerung von Gewinnen. Ein Beispiel: Die Konzerne übertragen die Markenrechte an eine Tochterfirma, die in einem Land mit niedrigem Körpersteuersatz angesiedelt ist, etwa Irland. Die Landesgesellschaften entrichten für die Nutzung Entgelte. Diese müssten angemessen sein, betont Schön: „Der Satz wird von den Finanzverwaltungen überprüft.“ Hier profitieren Apple, Starbucks und Co jedoch von ihrem bekannten Namen.

Schwierig sei allerdings, die im Ausland geparkten Gewinne ins Heimatland zurückzuverlagern, sagte Schön – dabei würden wiederum Steuern fällig.

In Großbritannien ist bereits eine Debatte über diese Steuersparpraxis entbrannt. Zwei Parlamentsausschüsse wollen den Fall Starbucks zum Anlass nehmen, um die Sparmodelle internationaler Konzerne zu überprüfen. Bürgerinitiativen wie UK Uncut fordern eine Änderung der Steuergesetze – die Konzerne müssten stärker belastet und im Gegenzug die strikte Sparpolitik beendet werden. Der Fall Apple dürfte die Regierung Cameron weiter unter Druck setzen. In den USA seien Steueroasen sogar noch ein viel größeres Thema als in Europa, hat Steuerexperte Schön beobachtet.

 

Kommentare zu " Sparmodell: Warum Apple so wenig Steuern zahlt"

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  • Overselling, underperforming. Das trifft auf fast alle Artikel bei handelsblatt online. Ueberschrfit verspricht Erlaeuterung und letztendlich wird kaum eine Antwort geliefert [in diesem Fall eine]. Als ob das so einfach waere einen steuersatz von 1.5 prozent zu haben. Wenn man keine Ahnung hat, ...

  • Ist das jetzt das Niveau auf dem das Handelsblatt berichtet? Da geht ja selbst der Artikel auf Bild.de mehr in die Tiefe des Steuerrechts ... Sorry, das hier ist mir zu populistisch!

  • ich kauf prinzipiell bei unternehmen,die steuern zahlen.

    im übrigen würde ein v erbraucherboykott ganz schnell auch [...]apple zur vernunft bringen.

    im übrigen werden die meisten steuern nicht über gewinnverlagerung der großkonzerne sondern mit überteuert importierten halbfertigprodukten und zu billig über steueroasen transferierte exporte vorenthalten.da spielen auch unsre konzerne und hihhen champions ein übles spiel. nur de grkonzerne in der ersten liga

    nebenbei: 85 % aller weltweit produzierten grundnahrungsmittel werden von 10 konzernen kontrolliert

    noch fragen zu den hungertoten,kienzle....

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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