Speicherchip-Sparte
Infineon teilt sich

Infineon hat die Trennung von der Speicherchip-Sparte beschlossen, am liebsten im Zuge eines Börsengangs. Auch ein Termin steht schon fest. Damit wird Europas zweitgrößter Chipkonzern ein unberechenbares Geschäft los und dürfte das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen.

hof/HB MÜNCHEN. Bis zum 1. Juli 2006 solle der Konzern in zwei eigenständige Unternehmen - eine für Speicher- und eines für Logik-Chips - aufgeteilt werden, teilte Infineon nach einer Sitzung des Aufsichtsrats am Donnerstag mit. „Als darauf folgenden Schritt strebt Infineon einen Börsengang des Speicherunternehmens als bevorzugte Option an“, hieß es in der Mitteilung. Sitz der neuen Speicherchip-Firma solle Deutschland sein. Als Chef ist der bisherige Leiter der Sparte, Kin Wah Loh, vorgesehen. Loh übernahm die Führung der Speichersparte im Sommer nach dem Rücktritt von Andreas von Zitzewitz. Der Manager soll Bestechungsgelder angenommen haben.

Infineon-Chef Wolfgang Ziebart drängte schon länger auf eine Trennung der beiden Unternehmensbereiche, die der Aufsichtsrat nun absegnete. Der ehemalige Conti-Manager ist überzeugt davon, dass die zwei Teile auf eigenen Beinen bessere Überlebenschancen haben.

„Wir sind der letzte Hersteller, der Speicher- und Logikchips in einem Verbund vereinigt“, sagte Ziebart jüngst auf einer Handelsblatt-Tagung in Dresden. Beide Sparten hätten von der Fertigung her immer weniger miteinander zu tun und müssten deshalb in Zukunft unterschiedliche Strategien verfolgen. Speicher werden hauptsächlich in Computer eingebaut, Logikchips in Autos, Maschinen und Handys.

Es ist bereits die zweite Abspaltung, die das Unternehmen in wenigen Jahren erlebt. Denn Infineon ging ursprünglich aus der Halbleitersparte von Siemens hervor. Doch der ehemalige Siemens-Chef Heinrich von Pierer war Ende der 90er-Jahre unzufrieden mit den hohen Verlusten und dem riesigen Kapitalbedarf des Geschäftsgebiets. Auf dem Höhepunkt des Börsenbooms brachte er die Sparte deshalb im Frühjahr 2000 unter dem Kunstnamen Infineon an die Börse.

Grafik: Zellteilung - von Siemens zu Infineon zur Speichersparten-Abspaltung

Jetzt geht es wieder ums Geld. Denn Infineon-Chef Ziebart geht davon aus, dass sich Infineon in seinen beiden Geschäftsgebieten gleichzeitig nicht weiterentwickeln kann. Im Geschäft mit besonders leistungsfähigen Speicherchips, so genannten Drams, müsste immer die neueste Technologie eingesetzt werden. Dies erfordere Milliardeninvestitionen. Ziebart: „Hier ist der Zugang zum Kapitalmarkt ein wesentlicher Punkt.“ Bei Logikchips sei es dagegen wichtiger, kundenspezifische Lösungen anzubieten. Ziebarts Folgerung: „Die Erfolgsfaktoren in den Segmenten laufen auseinander.“

Unternehmenskenner gehen deshalb davon aus, dass die Dram-Sparte an die Börse gebracht wird. Dahinter steckt eine einfache Rechnung: Für reinrassige Speicher- oder Logikchiphersteller zahlen Investoren deutlich mehr Geld als für Mischlinge wie Infineon.

Seite 1:

Infineon teilt sich

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%