Speicherchip-Tochter von Infineon
Wall Street darf mit Qimonda rechnen

Der Münchener Chipkonzern Infineon will seine Speichertochter Qimonda im zweiten Halbjahr an die New Yorker Börse bringen und seine Aufspaltung damit perfekt machen. Der Aufsichtsrat gab dafür am Mittwoch grünes Licht.

HB MÜNCHEN. Qimonda solle sein Kapitalmarktdebüt an der New Yorker Börse (Nyse) feiern, teilte Infineon am Mittwoch mit. „Für die USA sprechen vor allem die Marktliquidität und die relativ hohe Gewichtung von Technologie- und Halbleiterunternehmen in den amerikanischen Indizes“, sagte Infineon-Vorstand Peter Fischl, der auch Qimonda-Aufsichtsratschef ist. Alternativ hatte das Unternehmen einen Börsengang in Asien erwogen. Analysten rechnen nun für September mit der Erstnotiz.

Ausgegeben werden sollen Aktien aus einer Kapitalerhöhung und aus dem Besitz der Mutterfirma. Zunächst werde Infineon die Mehrheit an der Tochter behalten. In den USA sollen die Papiere öffentlich angeboten werden, ansonsten richte sich das Angebot an institutionelle Investoren. Details zum Emissionsvolumen nannte Infineon nicht.

Infineon hat das schwankungsanfällige Geschäft mit Speicherchips schon Anfang Mai in die Qimonda AG ausgegliedert. „Der Börsengang wird gleichzeitig Infineon und Qimonda stärken und eröffnet Investoren eine klarere Investitionsentscheidung“, sagte Infineon-Chef Wolfgang Ziebart. Qimonda-Chef Kin Wah Loh sei bereits aus dem Infineon-Vorstand ausgeschieden und werde sich künftig allein seiner Aufgabe an der Spitze des Herstellers von DRAM-Halbleitern widmen.

Ziebart hatte als Untergrenze für die Marktbewertung von Qimonda im April 2,3 Mrd. Euro genannt und angekündigt, dass sich Infineon nach der Erstnotiz der Tochter zügig ganz von seinen Anteilen trennen wolle. Analyst Scott Geels von Sanford Bernstein setzt die Bewertung deutlich höher an. „Derzeit sind die vergleichbaren Unternehmen das 1,4 bis 1,5-fache ihres Umsatzes wert. Bei Qimonda würde das eine Größenordnung von 3,5 bis 4,0 Mrd. Euro bedeuten. Wenn sie ein Viertel davon an die Börse bringen, wäre das ungefähr eine Milliarde“, sagte der Analyst. „Die wird Infineon wahrscheinlich verwenden, um Qimonda mit Kapital auszustatten. Das Geld fließt voraussichtlich erst in die eigene Kasse, wenn sie die restlichen drei Viertel verkaufen.“

Analysten loben die Entscheidung für eine Börsennotiz in den USA. „Die USA sind klar besser als Deutschland“, sagte Jürgen Wagner von Sal. Oppenheim. „Durch die Mitgliedschaft im Philadelphia-Halbleiterindex SOX ist Infineon in den USA zumindest als Name bei den Fachleuten schon bekannt. Das dürfte im Vergleich zu Asien eine kleine Vereinfachung sein“, sagte sein Kollege Thomas Hofmann von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP).

Noch stünden die Zeichen für den Börsengang gut. „Derzeit ist das Umfeld sehr positiv: Die DRAM-Preise sind gestiegen und die Kapitalmärkte sind sehr offen“, sagte Analyst Wagner. Viele Beobachter hatten die Emission vor der Sommerpause erwartet. Die erwartete Verzögerung bis September drückte die Infineon-Aktie zunächst um 1,3 Prozent auf 9,55 Euro. Ob der Schritt im Herbst ein Erfolg werden könne, sei offen. „Zweifel bleiben auf Grund der Zyklizität angebracht“, fügte Wagner mit Blick auf das saisonal schwankende Speichergeschäft an. „Es ist schwierig, ein gutes Händchen für das richtige Timing zu haben“, formulierte Hofmann.

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