Speicherchipfirma ist seit genau zwei Jahren an der Börse
Qimonda: Der Schlüssel zur Welt passt nicht

Das Wort Talfahrt wird gerne bemüht, wenn der Aktienkurs eines Unternehmens einbricht. Oft ist dies reichlich übertrieben, doch auf Qimonda trifft es zu wie auf kaum einen anderen Konzern. Nur wenige große, börsennotierte Gesellschaften sind in jüngster Zeit so abgestürzt wie der Münchener Halbleiterhersteller.

MÜNCHEN. Genau zwei Jahre ist es her, seit Infineon seine Speicherchip-Tochter in New York an die Börse gebracht hat. Der Ausgabekurs: 13 Dollar. Am Donnerstag zahlten die Investoren gerade einmal 1,82 Dollar für das Papier, ein Minus von mehr als 80 Prozent. Der erbärmliche Kurs ist ein Spiegelbild der enormen Verluste der vergangenen Monate und der Unsicherheit darüber, wie es weitergeht. Infineon will die restlichen 77 Prozent, die der Konzern an Qimonda hält, so schnell wie möglich loswerden. Noch ist aber kein Käufer gefunden, die Verhandlungen laufen angeblich auf Hochtouren. Gleichzeitig ist kein Ende der tiefroten Zahlen in Sicht.

Dabei hatte im Frühjahr 2006 alles so schön begonnen. Wie bei einer Produktpräsentation enthüllten der damalige Infineon-Chef Wolfgang Ziebart und der frisch ernannte Vorstandsvorsitzende von Qimonda, Kin Wah Loh, in München das Logo des neuen Unternehmens. Sie lieferten eine esoterisch angehauchte, sprachphilosophische Begründung für den Namen der Firma: Die Silbe „qi“ stehe im asiatischen Raum für „atmende und fließende Energie“. Im westlichen Kulturkreis sei „die Interpretation als ‚Schlüssel zur Welt’ (key-monda) offensichtlich“. Mit dem lila Logo, dessen Farbe für Führung stehe, solle dies zeigen, wie das Unternehmen sein will: „schnell, kreativ und leidenschaftlich“.

Von blumigen Worten hat sich Loh schon lange verabschiedet. Qimonda versinkt geradezu in roten Zahlen. Zwar waren die Ergebnisse gleich nach der Emission noch kurze Zeit positiv. Inzwischen laufen hohe Verluste auf, die auch die Konzernmutter Infineon schwer belasten. Bei einem Umsatz von 384 Mill. Euro erwirtschaftete das Unternehmen im abgelaufenen Quartal einen Verlust von 401 Mill. Euro. Im Quartal davor war es sogar ein Minus von 482 Mill. Euro.

Wie konnte Qimonda so tief fallen? Ein Blick zurück. Im Herbst 2005 beschließt der Aufsichtsrat von Infineon, sich von der Speichersparte zu trennen. Stattdessen will sich die ehemalige Siemens-Tochter auf das berechenbarere Geschäft mit Logik-Chips für Autos, die Telekombranche und einige andere Industrien konzentrieren. „Prozesse und Geschäftsmodelle für Speicher und Logik bewegen sich in unterschiedliche Richtungen“, begründet der damalige Konzernchef Ziebart den Einschnitt, mit dem er 40 Prozent vom Umsatz abgibt.

Doch auf eigenen Beinen tut sich Qimonda schwer. Das liegt einerseits daran, dass die Firma technologisch Wettbewerbern wie Marktführer Samsung hinterherhinkt. Dazu kommt ein Preiseinbruch, wie ihn die Dram-Branche noch nicht erlebt hat. Dram-Chips sind das Hauptprodukt von Qimonda. Sie werden in Computer eingebaut, aber auch in Unterhaltungselektronik und Spielekonsolen.

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