Speicherchiphersteller
Einstieg der Chinesen bei Qimonda rückt näher

Die Signale der sächsischen Landesregierung haben sich rasant bis nach China herumgesprochen: Das chinesische Computer- und Softwareunternehmen Inspur Co spricht laut Handelsblatt-Informationen bereits mit Qimonda, weil der insolvente Speicherchiphersteller bald Staatshilfe bekommen dürfte. Das wäre die die Mitarbeiter die Rettung.

PEKING. Inspur Co hat Gespräche mit dem insolventen Münchener Speicherchiphersteller Qimonda bestätigt. Wie Sprecherin Sun Mei in Peking dem "Handelsblatt" sagte, sei die Form der angestrebten Kooperation aber noch unklar und bislang nicht entschieden. Sie wollte zu weiteren Gesprächen keine Aussage machen. Angeblich soll Insolvenzverwalter Michael Jaffé bereits kommende Woche nach Peking reisen, um mit Inspur zu verhandeln.

Dafür hatte die sächsische Landesregierung gestern den Weg frei gemacht. Dresden ist nun zu einer maßgeblichen Beteiligung an Qimonda bereit. Bedingung sei allerdings, dass auch Portugal einsteige und so das Qimonda-Werk bei Porto sichere, hatte Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) in einer Sondersitzung des Landtages am Donnerstag in Dresden erklärt. Auch Jurk bestätigte Interesse aus China. Peking wolle sich möglicherweise beteiligen, um die chinesischen Qimonda-Standorte zu erhalten.

Der Einstieg bei Qimonda wäre eine gute Chance für Inspur international zu wachsen, heißt es in Peking. "Beide Seiten haben die Absicht, zu kooperieren", so die Pressesprecherin zu den Gesprächen. Sie bestätigte, dass ihr Unternehmen in Shandong mit Unterstützung der dortigen Provinzregierung eine Chipentwicklung aufbauen wolle. Dazu spreche man mit mehreren ausländischen Firmen aus der Branche, auch mit Qimonda.

Angeblich sind die Chinesen bereit, in Jinan 2,5 Mrd. Euro in eine Halbleiterproduktion zu investieren. In der Hauptstadt der ostchinesischen Küstenprovinz Shandong hat Inspur seinen Sitz. Das staatlich kontrollierte IT-Unternehmen mit rund 5000 Mitarbeitern ist bislang vor allem für die Entwicklung von PC-Servern und Software bekannt geworden. Zur Firmengruzppe gehören mehr als zehn Tochterfirmen und drei an der Börse gelistete Töchter, wichtigste davon ist Inspur International in Hongkong. Die Verhandlungen mit Qimonda laufen jedoch mit der Muttergesellschaft Inspur Group aus Shangdong, sagte ein Sprecher von Inspur International dem "Handelsblatt".

1983 hatte Inspur den ersten Mikrocomputer für den heimischen Markt produziert. Seit Anfang der neunziger Jahre gehört Inspur zu den führenden Unternehmen der chinesischen IT-Branche. Mitte 2005 hatte der US-Softwareriese Microsoft rund 20 Mio. Dollar in das Unternehmen investiert und startete eine umfangreiche Kooperation mit Inspur. Das chinesische Unternehmen hat zudem Partnerschaften mit internationalen Knzernen wie Ericsson, LG, Intel und IBM. Der Umsatz von Inspur Group betrug 2008 nach Angaben des Unternehmens 23,2 Mrd. Yuan (2,5 Mrd Euro).

Qimonda hat in China eine Produktion in Suzhou (bei Schanghai) und ein Entwicklungszentrum im südwestchinesischen Xian. Das Unternehmen gehört noch mehrheitlich dem Münchener Chipkonzern Infineon, der 77,5 Prozent hält. Ein Rettungspaket der Politik und der Muttergesellschaft Infineon war gescheitert, weil sich bei Qimonda ein unerwartet hoher Finanzierungsbedarf ergeben hatte. Laut Qimonda muss eine Investorenlösung bis Ende März gefunden sein, um die Fortführung des Geschäftsbetriebs zu gewährleisten.

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