Speicherchiphersteller
Hoffnung auf Rettung Qimondas schwindet

Die Rettung des insolventen Speicherchipherstellers Qimonda wird immer unwahrscheinlicher. Gestern wurde bekannt, dass offenbar auch der in den vergangenen Wochen als Favorit für eine Übernahme gehandelte chinesische Investor kein Interesse mehr hat.

DRESDEN/MÜNCHEN. Die Rettung des insolventen Speicherchipherstellers Qimonda wird immer unwahrscheinlicher. Gestern wurde bekannt, dass offenbar auch der in den vergangenen Wochen als Favorit für eine Übernahme gehandelte chinesische Investor kein Interesse mehr hat.

Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) sagte in Dresden, die chinesische Inspur-Gruppe stehe einer vollständigen Übernahme von Qimonda "zurückhaltend" gegenüber. Dies habe ihm der Gouverneur der Provinz Shandong, wo Inspur ihren Sitz hat, in einem Schreiben mitgeteilt. Die Provinz stehe zum einen noch am Anfang der Entwicklung zum Mikroelektronikstandort, zum anderen sei aufgrund der globalen Finanzkrise die Nachfrage nach Informationstechnik rapide zurückgegangen, habe Gouverneur Jiang Daming seine Absage begründet.

Für Jurk ist damit das Aus von Qimonda aber noch nicht besiegelt. Die Regierung der Provinz habe zugesagt, die Inspur-Gruppe weiter unterstützen zu wollen. Außerdem gebe es Interesse an einer Kooperation auf technologischer Ebene. "Das Schreiben aus Shandong ist ein Funken Hoffnung, das wir am Glimmen halten wollen", betonte Jurk. Er habe Insolvenzverwalter Michael Jaffé gebeten, mit der chinesischen Seite im Gespräch zu bleiben.

Ein Sprecher des Insolvenzverwalter sagte, der Jurist suche weiter nach Käufern, es gebe derzeit "mehrere Optionen". Allerdings werde es noch einige Wochen dauern, bis eine Lösung vorliege. Noch sei keine Entscheidung gefallen, Qimonda zu zerschlagen.

Qimonda hatte Mitte Januar Insolvenzantrag gestellt. Zuvor war ein staatliches Rettungspaket gescheitert. Seither sucht Jaffé nach einem Investor für den Konzern, der mehrheitlich dem Chipanbieter Infineon gehörte. Interessant ist vor allem eine neue Konstruktions- und Fertigungstechnik Qimondas. Mit dem Verfahren werden die sogenannten Dram-Chips kleiner, billiger und verbrauchen weniger Strom.

Sachsens Regierungssprecher Peter Zimmermann widersprach gestern Berichten, dass ein von Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) ins Gespräch gebrachter russischer Investor nicht mehr interessiert sei. "Die Gespräche dauern an", betonte er. "Es gibt weiterhin Kontakte mit Russland und es werden Informationen ausgetauscht." Allerdings sei dies ein "langwieriger Prozess". In der sächsischen Regierung sorgt man sich nicht zuletzt, dass dem Unternehmen immer mehr Mitarbeiter verloren gehen. "Die Zeit arbeitet gegen uns", heißt es dort.

Am 1. April ist das Insolvenzverfahren für Qimonda eröffnet worden, weil die hohen Verluste aufgrund des massiven Preisverfalls von Dram-Chips nicht mehr zu kompensieren waren. Von den 4 600 Mitarbeitern an den Standorten in Dresden und München wechselten rund 2 500 in Transfergesellschaften. Eine Rumpfmannschaft von 260 Leuten in Dresden und 220 am Konzernsitz in München kümmert sich derzeit um den Stand-by-Betrieb, damit die Produktion sofort wieder hochgefahren werden kann, sollte sich doch noch ein Investor finden.

Kritik kam derweil von der FDP, allerdings nicht am Engagement des politischen Gegners: "Die Investoren-Suche scheint langsam zu scheitern - kein Wunder bei dem fehlenden Engagement von Seiten der Qimonda-Mutter Infineon", sagte Holger Zastrow, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Sächsischen Landtag, dem Handelsblatt. Dass sich kein privater Investor finde, spreche Bände über den Zustand des Unternehmens.

Die Infineon-Aktie ging gestern wegen der Absage aus China auf Talfahrt. In einem schwachen Umfeld verloren die Titel fast sieben Prozent auf rund 2,20 Euro. Offenbar befürchten die Anleger weitere Belastungen für Infineon, falls kein Käufer mehr auftaucht. dmt/jojo

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