Speicherchiphersteller
Qimonda gilt bei Mitarbeitern als „Trümmerwüste“

Der Betriebsrat der Infineon-Tochter Qimonda befürchtet einen Kollaps des Unternehmens. "Das Unternehmen Qimonda präsentiert sich derzeit als eine Trümmerwüste, in der es sehr viele Probleme und sehr wenige Lösungen zu sehen gibt", heißt es in einem internen Schreiben der Arbeitnehmervertreter.

HB MÜNCHEN. In dem Schreiben heißt es weiter: "Dass das Ausmaß der Probleme inzwischen sogar die Existenz des Unternehmens selbst bedroht, wird mittlerweile sicher allen bewusst sein." Ein Qimonda-Sprecher räumte ein, die Lage sei ernst. Angesichts der extrem niedrigen DRAM-Preise befinde sich die ganze Branche in einer Krise.

Der Speicherchiphersteller leidet seit längerem unter der Krise auf dem Markt für DRAM-Chips, die unter anderem als PC-Arbeitsspeicher eingesetzt werden, und wies zuletzt mehr Verlust als Umsatz aus. Qimonda-Chef Kin-Wah Loh hatte im Herbst den eingeschlagenen Sparkurs weiter verschärft und die Streichung von 3000 der noch rund 12 000 Arbeitsplätze angekündigt. Zudem gibt das Unternehmen rund 40 Prozent seines Geschäfts auf.

Die wiederholten Einschnitte stießen bei den Betriebsräten auf scharfe Kritik: "Es entsteht der Verdacht, Qimonda würde sich selbst zu einem mundgerechten Fusionshäppchen herunterfiletieren, um einem zukünftigen neuen Eigentümer so die Drecksarbeit der Sanierung zu ersparen." Das Vorgehen erinnere an das Schicksal der Siemens-Handysparte, die "nach einer fragwürdigen Übernahme durch die Firma BenQ ausgeweidet und dann in die Insolvenz gesteuert wurde."

Der Mutterkonzern Infineon, der händeringend versucht, seinen Qimonda-Anteil von 77,5 Prozent loszuwerden, versuchte zu beruhigen. "Wir glauben, es gibt eine Lösung für Qimonda", sagte Infineon-Chef Peter Bauer am Dienstag am Rande der Branchenmesse electronica. Er verhandele weiterhin mit Interessenten für die angeschlagene Tochter. "Wir glauben, wir haben gute Chancen die Verhandlungen abzuschließen." Nach wie vor gelte, dass sich Infineon bis zum Jahresende von der Mehrheit trennen wolle. Der Rest werde nur zur Not an die Aktionäre verschenkt.

Die Politik rüstet sich indes schon für eine Rettungsaktion. Es habe mehrere Gespräche zwischen den Managern und Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk gegeben, erklärte dessen Haus. "Wir werden das uns zur Verfügung stehende Instrumentarium nutzen." Weitere Details wollte das Ministerium mit Verweis auf laufende Verhandlungen nicht nennen.

Bauer wollte sich auf die Frage, ob Qimonda angesichts der hohen Verluste und der anhaltenden DRAM-Krise vor einer Insolvenz stehe, nicht konkret äußern. Er räumte allerdings ein, die Krise habe Qimonda und seine Konkurrenten schwer erwischt. "Die Zeiten sind schlechter als wir je erwartet haben." Der Konzernchef bekräftigte allerdings, Qimonda könne nicht mit einer Finanzspritze aus dem Mutterhaus rechnen. "Wir sind zwei Firmen, die haushalten müssen, mit dem was sie haben", sagte Bauer. "Wir brauchen unser Cash selber." Auch eine mögliche Bürgschaft schloss er aus. An der New Yorker Börse waren die Qimonda-Titel zuletzt noch zwölf US-Cent wert, seit dem Börsengang im Sommer 2006 hat das Unternehmen gut 99 Prozent seiner Marktkapitalisierung verloren.

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