Speicherchiphersteller unter Druck
Neue Konkurrenz für Qimonda

Für den Speicherchiphersteller Qimonda wird die Luft immer dünner. Während das Münchener Unternehmen ums Überleben kämpft, formiert sich in Asien neue, mächtige Konkurrenz. Der japanische Ex-Partner Elpida und Powerchip aus Taiwan wollen ihre Zusammenarbeit ausbauen und erwägen dabei auch eine Fusion.

MÜNCHEN. „Wir ziehen alle Optionen in Betracht“, sagte Frank Huang, Chairman von Powerchip. Sollten sich die beiden Firmen zusammen schließen, so würden sie Qimonda als weltweit viertgrößten Hersteller so genannter Drams weit hinter sich lassen. Drams sind Halbleiter, wie sie vor allem in Computern eingesetzt werden. Größe ist entscheidend in dem Geschäft, weil die Werke enorm teuer sind und die Entwicklung neuer Chipgenerationen Hunderte Millionen Euro verschlingt.

Eine Fusion von Elpida und Powerchip ist auch deshalb für die Deutschen brisant, weil die Japaner im Frühjahr eine Partnerschaft mit Qimonda angekündigt hatten. Die beiden Unternehmen wollten zusammen neue Produkte entwickeln. Lange wurde Elpida auch als Käufer des hoch defizitären Unternehmens gehandelt. Doch seit einigen Wochen liegt die Kooperation auf Eis und eine Übernahme ist durch den Zusammenschluss mit Powerchip so gut wie ausgeschlossen.

Powerchip und Elpida kamen im abgelaufenen dritten Quartal nach Berechnungen der Marktforscher von Gartner zusammen auf einen Umsatz von 1,3 Mrd. Dollar (1 Mrd. Euro). Damit liegen sie in etwa gleichauf mit der Nummer zwei im Dram-Geschäft, Hynix aus Korea. Qimonda erzielte laut Gartner 670 Mill. Dollar Umsatz.

Insgesamt acht Dram-Hersteller teilen sich den rund 30 Mrd. Dollar (24 Mrd. Euro) schweren Dram-Markt. Mit einem Anteil von knapp einem Drittel liegt Samsung unangefochten an der Spitze. Qimonda kommt auf einen Marktanteil von knapp zehn Prozent.

Es hat seinen Grund, dass die Chipfirmen nach Partnern suchen: Denn in dieser Branche verdient außer Marktführer Samsung niemand Geld. Das liegt an gigantischen Überkapazitäten. Obwohl viele Firmen in den roten Zahlen stecken, hat bislang noch kein Wettbewerber aufgegeben. Auch Fusionen sind ausgeblieben.

Das könnte sich nun in der Rezession ändern. Qimonda kann sich derzeit nur über Wasser halten, weil der Konzern jüngst eine Fabrik an den US-Wettbewerber Micron verkauft hat. Betriebsräte der Firma haben bereits vor einer Insolvenz gewarnt.

Dass die Anbieter so stark unter Druck stehen, liegt an den niedrigen Preisen. Die Drams kosten jetzt im Schnitt rund 60 Prozent weniger als zu Jahresanfang. Damit rentiert sich die Produktion nicht mehr.

Micron gilt als ernsthafter Kandidat, um Qimonda zu übernehmen. Allerdings ziehen sich die Verhandlungen mit Mehrheitseigentümer Infineon schon seit Monaten hin. Doch die Zeit drängt. Infineon hat seinen Aktionären versprochen, die Mehrheit bis zur Hauptversammlung Anfang kommenden Jahres abzugeben.

Die Aussichten auf eine Fusion in der Dram-Branche haben zum Wochenschluss die Aktienkurse beflügelt. Die Papiere von Powerchip kletterten an der Börse in Taiwan um fast sieben Prozent, auch die lokalen Konkurrenten Nanya und Promos legten in dieser Größenordnung zu. Elpida stiegen in Tokio sogar um elf Prozent. Die zuletzt arg gebeutelten Qimonda-Aktien gewannen in New York ebenfalls.

„Jede Form der Restrukturierung in der Dram-Industrie ist gut, weil sich so Überkapazitäten leichter vermeiden lassen“, sagte Suh Do Won, Analyst von Hanwha Securities in Seoul. Die meisten Experten gehen davon aus, dass einigen Anbietern bald das Geld ausgehen wird, wenn sie nicht fusionieren oder Unterstützung von Investoren bekommen. Qimonda hofft derzeit nicht nur auf einen Partner, sondern hat auch in Sachsen um staatliche Unterstützung nachgefragt. In Dresden steht das wichtigste Werk des Konzerns.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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