Speicherchipindustrie
Taiwan bootet Qimonda aus

Taiwan rettet, was Deutschland in den vergangenen Wochen nicht erhalten wollte: seine Speicherchipindustrie. In München hat das Amtsgericht am Mittwochmorgen das Insolvenzverfahren über den Halbleiterhersteller Qimonda eröffnet. Nur wenige Stunden zuvor wurde in Taiwans Hauptstadt Taipeh das Konzept für einen neuen, staatlich kontrollierten Wettbewerber vorgestellt.

MÜNCHEN. Taiwan Memory Co (TMC) heißt der Konzern, der den auf der Insel angesiedelten Speicherchip-Produzenten das Überleben sichern soll. Die Idee dahinter: TMC entwickelt hochmoderne Halbleiter für Computer und Handys und lässt diese anschließend in den Fabriken im Land herstellen. Um das nötige Know-how dafür zu bekommen, verbünden sich die Taiwaner mit dem japanischen Konkurrenten Elpida.

Zuletzt war TMC wiederholt als Kandidat genannt worden, der sich bei Qimonda einkaufen könnte, um dessen fortschrittliche Fertigungstechnik zu übernehmen. Seit mehr als zwei Monaten schon sucht Insolvenzverwalter Michael Jaffé nach einem Investor für das Münchener Unternehmen. Jetzt steht fest: TMC wird es nicht sein.

1 850 Beschäftigte von Qimonda in Dresden sowie 600 Mitarbeiter in München wechseln nun in eine Transfergesellschaft. Weitere rund 900 Leute sollen den Betrieb auf Sparflamme aufrecht erhalten. Damit will Jaffé das Unternehmen zumindest noch für ein paar Monate zusammenhalten, um es für Käufer attraktiv zu machen.

Dass Elpida jetzt in Taiwan zum Zuge kommt, ist für die ehemaligen Qimonda-Beschäftigten bitter. Denn vor einem Jahr haben die Japaner mit der ehemaligen Infineon-Sparte ein Entwicklungsabkommen geschlossen. Angesichts der schlechten wirtschaftlichen Lage der Deutschen wurde die Vereinbarung aber nie umgesetzt.

Stattdessen hat sich Elpida in Taiwan umgeschaut. "Wenn Elpida seine steigenden Entwicklungskosten nun mit TMC teilen könnte, wäre das für sie gut", sagte Yukihiko Shimada von Mitsubishi UFJ Securities. Die Börse sah das gestern ähnlich: Der Kurs von Elpida kletterte in Tokio um 15 Prozent, auch die Taiwaner Produzenten legten kräftig zu.

Ziel der Taiwaner ist es, durch die Bündelung der Kräfte den dominierenden Anbietern aus Südkorea Konkurrenz zu machen. Samsung beherrscht den etwa 25 Mrd. Dollar schweren Markt für die Dram-Speicherchips, Nummer zwei ist Hynix. Auch Hynix hat in den vergangenen Jahren massiv von staatlicher Hilfe profitiert.

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