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Speicherdienst Rapidshare: Im Schatten von Megaupload

Internet-Hallodri Kim Dotcom startet nach dem umstritten Megaupload einen neuen Internet-Speicherdienst. Der Rivale Rapidshare bemüht sich derweil um Seriosität. Gar nicht so leicht, wenn der Ruf schon ruiniert ist.

Besser als der Ruf? Der Speicherdienst Rapidshare will als seriöses Unternehmen wahrgenommen werden. Quelle: dpa
Besser als der Ruf? Der Speicherdienst Rapidshare will als seriöses Unternehmen wahrgenommen werden. Quelle: dpa

DüsseldorfMegaupload und Rapidshare standen sich früher ziemlich nahe. Zumindest in den Sätzen ihrer Gegner: Die beiden Online-Speicherdienste seien Raubkopier-Maschinen, zeterte einmal der amerikanische Verband der Musikindustrie (RIAA). Doch wenn der berühmt-berüchtigte Internet-Unternehmer Kim Dotcom an diesem Wochenende mit größtmöglicher Lautstärke den Nachfolger seines verbotenen Portals Megaupload vorstellt, bemüht sich Rapidshare um größtmögliche Distanz.

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Die Firma, gegründet vom Deutschen Christian Schmid, galt lange als Komplize der Raubkopierer, genau wie Megaupload; als gut geölte Drehscheibe für illegale Kopien von Musik und Filmen, Computerspielen und Software. Doch diese Zeiten sind vorbei: Unter dem Druck der Öffentlichkeit und der Justiz versucht Rapidshare, die notorischen Raubkopierer zu vertreiben. Die Firma will seriös werden.

Megaupload, Rapidshare und Co: Tauschdienste im Netz

  • Filehoster

    Filehoster bieten Online-Speicher an – Nutzer richten auf den Servern eine Art virtuelle Festplatte ein, auf die sich von überall aus zugreifen können. Die Auswahl an Diensten ist riesig. Neben Startups wie Dropbox mischen auch IT-Riesen wie Google, Microsoft und Apple in diesem wachsenden Markt mit. Sie sehen die Online-Speicher als zentralen Knotenpunkt der allgegenwärtigen Vernetzung.

  • Sharehoster

    Auch Sharehoster bieten Online-Speicher an, sie haben sich aber darauf spezialisiert, das Verbreiten von Dateien zu erleichtern – daher auch der Name. So ist es bei einigen Diensten nicht einmal nötig, sich anzumelden. Angesichts dieser einfachen Prozedur werden sie auch One-Click-Hoster genannt. Viele Vertreter der Medienbranche sehen in dieser Anonymität eine Einladung zur Verbreitung illegaler Kopien.

  • Fließende Grenzen

    Die Grenzen zwischen Filehostern und Sharehostern sind fließend – so können die Nutzer bei vielen Diensten ihre Dateien für andere freigeben. Unterschiede zeigen sich zumeist beim Geschäftsmodell: Filehoster verlangen meist ab einer gewissen Speicherkapazität eine Monatsgebühr, Sharehoster lassen sich eine hohe Download-Geschwindigkeit bezahlen.

  • BitTorrent

    Hosting-Plattformen werden oft mit Filesharing-Diensten in einen Topf geworfen, etwa dem berüchtigten und inzwischen geschlossenen Angebot PirateBay. Technisch ist der Unterschied allerdings groß: Die Daten lagern beim Filesharing nicht auf den Servern des Anbieters. Wenn Anwender nach Musikstücken, Filmen oder Software suchen, erhalten sie nur die Informationen, wo diese Daten im Netz heruntergeladen werden können. Dabei kommt oft das Datenaustausch-Protokoll BitTorrent zum Einsatz.

Doch das angesichts des Geschäftsmodells gar nicht so einfach. Nutzer können auf den Servern Dateien speichern und von überall aus auf diese zugreifen. Und sie können die Inhalte über einen Link anderen zur Verfügung stellen. Der Dienst des Filehosters ist somit virtuelle Festplatte und Verteilstation zugleich.

Das ist an sich eine nützliche Sache: Nutzer können bequem ihre Dokumente und Fotos sichern, Smartphone und Tablet-Computer auf dem aktuellen Stand halten oder ein langes Urlaubsvideo verschicken. Allerdings ermöglicht die Plattform auch, illegale Kopien zu verbreiten. Eine Zeit lang war Rapidshare ein Eldorado für Nutzer, die es mit dem Bezahlen nicht so genau nehmen.

Filehosting sei grundsätzlich ein „anerkanntes Geschäftsmodell“ , für das es „viele legale Nutzungsmöglichkeiten“ gebe, befand der Bundesgerichtshof (BGH) im Juli. Aber: Die Plattform erleichtere die Verletzung des Urheberrechts „nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch“. Die Betreiber könnten deswegen für Urheberrechtsverletzungen mitverantwortlich gemacht werden.

Kim Dotcom und die Schließung von Megaupload

  • Januar 2012

    19.1. Die US-Behörden werfen Megaupload massive Urheberrechtsverletzungen vor und veranlassen, dass die Website vom Netz genommen wird.

    20.1. Polizisten durchsuchen das Anwesen von Megaupload-Gründer Kim Dotcom (ehemals Kim Schmitz) in Coatesvilla nördlich der neuseeländischen Stadt Auckland und nehmen diesen, zwei weitere Deutsche und einen Niederländer fest. Die US-Justiz verlangt die Auslieferung der Beschuldigten. Beschlagnahmt werden Gegenstände und Geld im Wert von umgerechnet 3,7 Millionen Euro. Aus Protest legen Hacker aus dem Umfeld der Anonymous-Bewegung Webseiten des FBI, des US-Justizministeriums und der Musikindustrie lahm.

    21.1. Zollfahnder durchsuchen Büros und Luxushotels in Hongkong.

    25.1. Ein Richter in Wellington lehnt eine Freilassung Dotcoms gegen Zahlung einer Kaution ab und begründet dies mit erhöhter Fluchtgefahr.

    26.1. Zwei führende Mitarbeiter von Megaupload, ein Deutscher und ein Niederländer, kommen gegen Zahlung einer Kaution frei.

    30.1. Die US-Staatsanwaltschaft kündigt die Löschung der Megaupload-Daten in den Rechenzentren von IT-Dienstleistern an.

  • Februar 2012

    3.2. Ein Richter in Auckland bestätigt die Entscheidung, dass Dotcom weiter in Haft bleiben soll.

    15.2. Auch der zweite deutsche Megaupload-Mitarbeiter wird gegen Zahlung einer Kaution freigelassen.

    22.2. Kim Dotcom wird nach einmonatiger Haft gegen Zahlung einer Kaution freigelassen. Der Richter verhängt strenge Auflagen für einen Hausarrest.

  • März 2012

    22.3. Ein Richter räumt Dotcom die Möglichkeit ein, monatlich auf eine begrenzte Menge Geld aus seinem Vermögen zuzugreifen und erlaubt ihm die Nutzung eines Autos.

  • April 2012

    2.4. Die Bedingungen für den Hausarrest werden weiter gelockert, Dotcom darf nun auch wieder das Internet nutzen.

  • Juni 2012

    28.6. Das Oberste Gericht in Neuseeland erklärt die Razzia auf dem Megaupload-Anwesen für rechtswidrig. Der Durchsuchungsbeschluss gegen Dotcom sei zu allgemein formuliert und damit ungültig gewesen.

  • Juli 2012

    10.7. Die neuseeländische Justiz verschiebt den im August geplanten Termin für eine erste Anhörung zum Auslieferungsantrag der USA auf 2013.

    18.7. Nach einer kritischen Äußerung zu den USA gibt der zuständige Richter im Auslieferungsverfahren, David Harvey, den Fall ab.

  • August 2012

    29.8. Dotcom erhält einen Teil seines konfiszierten Vermögens zurück.

  • September 2012

    25.9. Gerichtsdokumente belegen, dass Dotcom vor seiner Festnahme Ziel einer illegalen Abhöraktion des neuseeländischen Geheimdienstes GCSB war. Für den Einsatz gegen einen Ausländer mit Aufenthaltsgenehmigung gab es keine rechtliche Grundlage.

    27.9. Der neuseeländische Ministerpräsident John Key entschuldigt sich bei Dotcom wegen der illegalen Abhöraktion des Geheimdienstes.

    26.9. Dotcom kündigt in einem YouTube-Video einen neuartigen Internet-Musikdienst mit dem Namen Megabox an.

  • Dezember 2012

    6.12. Eine Richterin räumt Dotcom das Recht ein, den Geheimdienst wegen der illegalen Abhöraktion auf Schadenersatz zu verklagen.

Rapidshare-Chefin Alexandra Zwingli betont: Es gebe ein „legitimes Bedürfnis“, Dateien übers Internet zu verteilen, auch an eine Vielzahl von Nutzern. „Aber ein solcher Dienst, ist auch interessant für unerwünschte Kunden. In diesem Dilemma haben wir gesteckt“, erklärt sie im Gespräch mit Handelsblatt Online.

  • 19.01.2013, 13:46 UhrRealist_M.D.

    @MarkusZZ:
    Das könnte man auch genau andersherum sehen.
    Die Rechteinhaber kümmern sich erst um die Einhaltung ihrer Rechte, sofern Firmen groß genug sind bzw. einen ausreichend großen Marktanteil erreicht haben, um gegen diese vorzugehen. Es geht den Rechteinhabern damit nicht um das Urheberrecht, sondern rein um den höchstmöglichen Profit.
    Ich will damit nicht gegen das Urheberrecht reden, sondern nur gegen die "Verwerter".

  • 18.01.2013, 17:45 UhrBrasso

    Alleine die Tatsache, dass überprüft wird ob es Copyright-geschützte Dateien sind, die jemand auf den Speicher läd, sagt ja aus, dass Daten vor fremden Zugriff nicht geschützt sind.
    Was ist denn, wenn einer der 17 Mitarbeiter nicht ganz "ehrlich" ist, und Schindluder mit den geprüften Dateien treibt?

  • 18.01.2013, 16:57 UhrStubi

    " „Viele Nutzer wollen ihre Daten keiner amerikanischen Firma anvertrauen.“ "

    Also wer wichtige Daten unverschluesselt ins Internet stellt, dem ist nicht zu helfen - egal auf welchem Erdteil.

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