Speicherdienst Rapidshare: Im Schatten von Megaupload

Speicherdienst Rapidshare
Im Schatten von Megaupload

Internet-Hallodri Kim Dotcom startet nach dem umstritten Megaupload einen neuen Internet-Speicherdienst. Der Rivale Rapidshare bemüht sich derweil um Seriosität. Gar nicht so leicht, wenn der Ruf schon ruiniert ist.
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DüsseldorfMegaupload und Rapidshare standen sich früher ziemlich nahe. Zumindest in den Sätzen ihrer Gegner: Die beiden Online-Speicherdienste seien Raubkopier-Maschinen, zeterte einmal der amerikanische Verband der Musikindustrie (RIAA). Doch wenn der berühmt-berüchtigte Internet-Unternehmer Kim Dotcom an diesem Wochenende mit größtmöglicher Lautstärke den Nachfolger seines verbotenen Portals Megaupload vorstellt, bemüht sich Rapidshare um größtmögliche Distanz.

Die Firma, gegründet vom Deutschen Christian Schmid, galt lange als Komplize der Raubkopierer, genau wie Megaupload; als gut geölte Drehscheibe für illegale Kopien von Musik und Filmen, Computerspielen und Software. Doch diese Zeiten sind vorbei: Unter dem Druck der Öffentlichkeit und der Justiz versucht Rapidshare, die notorischen Raubkopierer zu vertreiben. Die Firma will seriös werden.

Doch das angesichts des Geschäftsmodells gar nicht so einfach. Nutzer können auf den Servern Dateien speichern und von überall aus auf diese zugreifen. Und sie können die Inhalte über einen Link anderen zur Verfügung stellen. Der Dienst des Filehosters ist somit virtuelle Festplatte und Verteilstation zugleich.

Das ist an sich eine nützliche Sache: Nutzer können bequem ihre Dokumente und Fotos sichern, Smartphone und Tablet-Computer auf dem aktuellen Stand halten oder ein langes Urlaubsvideo verschicken. Allerdings ermöglicht die Plattform auch, illegale Kopien zu verbreiten. Eine Zeit lang war Rapidshare ein Eldorado für Nutzer, die es mit dem Bezahlen nicht so genau nehmen.

Filehosting sei grundsätzlich ein „anerkanntes Geschäftsmodell“ , für das es „viele legale Nutzungsmöglichkeiten“ gebe, befand der Bundesgerichtshof (BGH) im Juli. Aber: Die Plattform erleichtere die Verletzung des Urheberrechts „nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch“. Die Betreiber könnten deswegen für Urheberrechtsverletzungen mitverantwortlich gemacht werden.

Rapidshare-Chefin Alexandra Zwingli betont: Es gebe ein „legitimes Bedürfnis“, Dateien übers Internet zu verteilen, auch an eine Vielzahl von Nutzern. „Aber ein solcher Dienst, ist auch interessant für unerwünschte Kunden. In diesem Dilemma haben wir gesteckt“, erklärt sie im Gespräch mit Handelsblatt Online.

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  • @MarkusZZ:
    Das könnte man auch genau andersherum sehen.
    Die Rechteinhaber kümmern sich erst um die Einhaltung ihrer Rechte, sofern Firmen groß genug sind bzw. einen ausreichend großen Marktanteil erreicht haben, um gegen diese vorzugehen. Es geht den Rechteinhabern damit nicht um das Urheberrecht, sondern rein um den höchstmöglichen Profit.
    Ich will damit nicht gegen das Urheberrecht reden, sondern nur gegen die "Verwerter".

  • Alleine die Tatsache, dass überprüft wird ob es Copyright-geschützte Dateien sind, die jemand auf den Speicher läd, sagt ja aus, dass Daten vor fremden Zugriff nicht geschützt sind.
    Was ist denn, wenn einer der 17 Mitarbeiter nicht ganz "ehrlich" ist, und Schindluder mit den geprüften Dateien treibt?

  • " „Viele Nutzer wollen ihre Daten keiner amerikanischen Firma anvertrauen.“ "

    Also wer wichtige Daten unverschluesselt ins Internet stellt, dem ist nicht zu helfen - egal auf welchem Erdteil.

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