Spektakuläre Rückkehr
Telekom schlägt ihre britische Tochter los

Der ehemalige Chef des britischen Mobilfunkers Everything Everywhere plant offenbar, die Telekom-Tochter zu kaufen. Das Geld dafür soll ein Finanzinvestor heranschaffen. Doch Experten zweifeln an den Erfolgsaussichten.
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LondonMehr als 20 Jahre gehörte Tom Alexander zu den bekannten Spielern der britischen Mobilfunkbranche. Im vergangenen Jahr trat er von seinem Posten als Chef des Marktführers Everything Everywhere zurück - offiziell aus familiären Gründen. Hinter den Kulissen hieß es, er sei gedrängt worden, weil sich das Joint Venture von Deutscher Telekom und France Télécom nicht entwickelte wie erhofft.

Jetzt plant Alexander eine spektakuläre Rückkehr. In Branchenkreisen heißt es, er arbeite seit sechs Monaten an einem Plan, Everything Everywhere zu kaufen. Das Geld soll vor allem von den Beteiligungsgesellschaften Apax und KKR kommen. Branchenkreise taxieren den Wert auf acht Milliarden Pfund (umgerechnet 9,9 Milliarden Euro). Die Gespräche zwischen Alexander und den Finanzinvestoren seien bereits weit fortgeschritten, heißt es in den Kreisen.

Banker bezweifeln allerdings, dass es dem Manager angesichts des durch die Euro-Krise ausgelösten Chaos an den Märkten gelingt, das nötige Kapital zusammenzubekommen. "Selbst wenn Apax und KKR gemeinsam drei Milliarden an Eigenkapital bereitstellen würden, was in der aktuellen Situation mehr als mutig wäre, müssten die Banken noch fünf Milliarden Pfund an Krediten gewähren", meint ein Londoner Investmentbanker. "Im Moment scheint das sehr unwahrscheinlich."

Außerdem zweifeln Experten an der Verkaufsbereitschaft der Eigentümer, denen das Unternehmen zu gleichen Teilen gehört. Laut Branchenkreisen beziffern sie den Wert auf rund zehn Milliarden Pfund.

Everything Everywhere entstand Mitte 2010, als Deutsche Telekom und France Télécom ihre britischen Mobilfunktöchter zusammenführten und mit mehr als 27 Millionen Kunden den Marktführer schufen. Trotz der Fusion halten beide noch an den Altmarken Orange und T-Mobile fest, was nach Ansicht von Analysten unnötig hohe Kosten verursacht. Experten werten das als Indiz dafür, dass sich Deutsche und Franzosen in Sachen Strategie noch nicht völlig einig sind.

Ex-Chef Alexander soll bei seinem Rücktritt von der fehlenden einheitlichen Strategie und der komplexen Führungsstruktur frustriert gewesen sein. "Er fühlt sich dem Unternehmen noch immer sehr nahe und ist überzeugt, dass er es mit einer neuen Strategie deutlich voranbringen könnte", heißt es in Branchenkreisen.

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