Spezialist für Navigationssysteme expandiert in die USA: Autozulieferer Peiker setzt auf Sprache

Spezialist für Navigationssysteme expandiert in die USA
Autozulieferer Peiker setzt auf Sprache

Das automobile Navigationsgerät der Zukunft bedarf nicht mehr umständlicher Eingaben über Tastatur oder Bedienknöpfe. Dessen ist sich Andreas Peiker, geschäftsführender Gesellschafter der Peiker Acustic GmbH & Co. KG, absolut sicher.

FRIEDRICHSDORF. „Wir sehen die Spracheingabe als Sicherheitsmoment der Systembedienung. Und wir sind damit schon ein gutes Stück voran gekommen.“

Der gesprochene Befehl soll künftig nicht nur das Navigationssystem steuern, sondern auch das Autotelefon, den Taschencomputer (PDA), den MP3-Spieler, den mobilen Internet-Zugriff und was die Zukunftspalette der mobilen Kommunikation und Unterhaltung sonst noch zu bieten hat. Um sich einen guten Platz im Markt zu sichern, hat Peiker ein Kompetenzzentrum für Spracheingabe im schwäbischen Böblingen eingerichtet – in der Nähe großer Autohersteller und -zulieferer.

Erfolge hat das Unternehmen aus Friedrichsdorf bereits vorzuweisen. Telefonnummern und Namen aus dem internen Speicher „versteht“ das System sprecherunabhängig und ohne Training des Sprachprozessors, wie es bislang meist nötig war. Die Spracheingabe fürs Navigationssystem ist in Arbeit.

„Der nächste Schritt sind intelligente Systeme, die Klartext abstrahieren, also ganze Sätze verstehen können“, sagt Peiker. Ein weiterer Entwicklungstrend sind drahtlose Kommunikationssysteme.

Pkw-Freisprechanlagen sind der Schwerpunkt des Peiker-Geschäfts. Die Automobil-Zulieferungen trugen etwa vier Fünftel zu den 85 (2003: 62) Mill. Euro bei, die die 465-Mitarbeiter-Gruppe 2004 umgesetzt hat. Peiker-Konkurrent Funkwerk, dessen Bereich Automotive Communication ähnliche Produkte bietet, schätzte das Volumen des gesamten „bedienbaren Marktes“ in Europa 2004 auf 430 Mill. Euro. Bis 2006 erwartet Funkwerk 740 Mill. Euro.

Peiker produziert auch Autoeinbausätze für Handy-Hersteller, professionelle Mobilfunkgeräte für Taxen, Busse, Polizei- und Feuerwehrfahrzeuge – das einstige Stammgeschäft des 1946 gegründeten Unternehmens –, sowie elektronische Flugzeugsitzsteuerungen.

„Der Kundenkreis für höherwertige Freisprechanlagen hat sich stark vom Handy- zum Autohersteller verschoben“, sagt Peiker. „Wir sind heute der Puffer zwischen den kurzen Laufzeiten der Handys und den längeren Modellzyklen der Autobauer.“ Das heißt: Die Firma entwickelt für bestimmte Fahrzeugmodelle fest zu installierende Telefon-Einbausätze, die er durch austauschbare Schnittstellen für die immer neuen Mobiltelefone ergänzt. Damit ist der einstige Mobilfunk- zum Automobil-Zulieferer geworden. Eine Folge: Innerhalb von zwei Jahren wuchs Peikers Entwicklungsabteilung von 30 auf 100 Mitarbeiter, die Forschungs- und Entwicklungskosten erreichten 2004 gut sieben Mill. Euro, 8,5 Prozent vom Umsatz.

Im Freisprech-Markt konkurriert Peiker nicht nur mit Funkwerk, sondern auch mit Familienunternehmen wie THB-Bury und Cullmann. Als Systemanbieter sieht sich der Firmenchef freilich „mehr im Wettbewerb zu den Großen wie Harman-Becker, Siemens-VDO, Johnson Controls oder Delphi“.

Im Revier der US-Riesen baggert er seit 2001. Doch „erst jetzt fahren die Umsätze langsam hoch“. Chrysler und Ford sind die ersten Kunden. Seit Herbst 2004 baut Peiker eine eigene Fertigung in Mexico auf – „damit werden wir unabhängig von den Wechselkursen“.

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