Bis zuletzt hatte Gruner + Jahr den Verlust von Pearson als Co-Gesellschafter dementiert. Noch im Juli sagte noch Gruner-Vorstandschef Bernd Kundrun dem Handelsblatt zu einen möglichen Ausstieg von Pearson bei der FTD: „Wir gehen von einer Fortsetzung der guten und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Pearson aus.“
Beim Mutterkonzern Bertelsmann wurde die FTD seit jeher aufmerksam beobachtet. Europas größter Medienkonzern hält 75 Prozent der Anteile von Gruner + Jahr. Die jetzige Lösung mit dem „Spiegel“ ist ganz im Sinn von Bertelsmann-Chef Gunter Thielen, der auch Aufsichtsratsvorsitzender bei Gruner + Jahr ist. Durch den geplanten Einstieg des „Spiegels“ würde Bertelsmann indirekt die Kontrolle über die Wirtschaftszeitung übernehmen. Bertelsmann ist über seine Tochter Gruner + Jahr mit 25,5 Prozent am Spiegel-Verlag beteiligt.
Auch der Gütersloher Medienkonzern wollte am Montag nicht Stellung nehmen. Nach früheren Angaben aus Vorstandskreisen ist die FTD vor allem aus strategischen Gründen für den Konzern wertvoll. Einen großen Gewinnbeitrag erwarte angesichts der anhaltend schwierigen Anzeigenkonjunktur niemand.
Die FTD soll nach den Vorgaben von Gruner-Chef Kundrun 2008 erstmals in ihrer Geschichte die Gewinnschwelle erreichen. Die Anlaufverluste liegen nach Informationen des Handelsblatt bei mehr als 50 Mill. Euro. Die FTD hatte im zweiten Halbjahr eine Auflage von 103 000 Exemplaren erzielt. Davon waren 58 000 Abonnements.
Zuletzt gab es immer wieder Marktspekulationen um einen Umbau der Wirtschaftspresse bei Gruner. Insbesondere das zweiwöchig erscheinende Wirtschaftsmagazin „Capital“ steht unter Druck. Seit Monaten wird intern darüber diskutiert, ob eine Umstellung auf einen monatlichen Rhythmus mehr Markterfolg bringt. Beschlüsse über eine Umstellung sind offenbar nicht gefallen.

