Spielefirma Zynga
„Farmville“-Macher setzen auf Glücksspiele

Das Geschäft mit Social Games wie „Farmville“ läuft nicht mehr rund, deswegen setzt der Computerspiele-Anbieter Zynga jetzt auf Poker und Blackjack. Das Unternehmen hat bereits Las Vegas im Blick – zumindest virtuell.
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DüsseldorfZynga versucht sein Glück mit einem Online-Casino: Der kriselnde Computerspiele-Anbieter bietet seit dieser Woche Poker, Blackjack und Roulette mit echtem Geld an. Zunächst sind die Glücksspiele nur in Großbritannien verfügbar, Ziel sei es aber, diese auf verschiedenen Plattformen und in aller Welt anzubieten, teilte Zynga in seinem Blog mit. Seit einigen Monaten setzt das Unternehmen zudem verstärkt auf Spiele für Tablet-Computer. Beides soll helfen, die Abhängigkeit von Social Games wie etwa „Farmville“ – also Spielen, die an soziale Netzwerke andocken – zu verkleinern.

Das 2007 gegründete Unternehmen ist mit Facebook-Spielen groß geworden und profitierte dabei vom rasanten Wachstum des sozialen Netzwerks. Inzwischen zweifeln die Investoren aber daran, dass Zynga weiterhin so viele neue Nutzer anlocken, halten und zum Kauf virtueller Gegenstände bewegen kann – die bislang wichtigste Umsatzquelle.

Zudem leistete sich das Management um Gründer Mark Pincus mit der 180 Millionen Dollar teuren Übernahme der Firma OMGPOP mit ihrem Titel „Draw Something“ einen Fehlgriff – das Spiel im Stile von „Montagsmaler“ erwies sich als sehr kurzlebig. Und während der schwierigen Neuausrichtung liefen diverse Spitzenmanager davon. Der Aktienkurs des Börsenneulings sank von zwischenzeitlich 14,50 Dollar auf etwas über 2 Dollar. Derzeit steht er knapp unter der 4-Dollar-Marke.

Das Management stellte mehrere erfolglose Spiele ein, strich 150 Stellen, und richtete die Firma neu aus. Künftig stehe Zynga auf vier Säulen, sagte Steve Chiang, Chef der Spielentwicklung bei Zynga, im Gespräch mit Handelsblatt Online: Social Games wie „Farmville“ und „Cityville“, die immer noch ein großer Markt seien; Gelegenheitsspiele wie „Words with Friends“; etwas anspruchsvollere Spiele, sogenannte „midcore games“; und Glücksspiele. Mit der eigenen Spiele-Plattform zynga.com will die Firma sich zudem aus der Abhängigkeit von Facebook lösen.

In Großbritannien zieht Zynga sein Online-Casino gemeinsam mit dem Wettanbieter Bwin auf. Das US-Unternehmen darf auf noch größere Einsätze hoffen: „Wir machen kleine Schritte und erwarten, dass wir in der Zukunft in stärker regulierte Märkte gehen“, sagte Chiang. So erwägen mehrere US-Staaten die Legalisierung des Online-Glücksspiels. Vorreiter ist der Wüstenstaat Nevada mit der Casino-Hochburg Las Vegas. Hier hat sich Zynga bereits für eine vorläufige Lizenz beworben, frühestens im Frühjahr 2014 könnten die Glückspiele beginnen. Allerdings wollen auch Branchengrößen wie MGM und Caesars ins Online-Geschäft einsteigen.

Zudem investiert Zynga deutlich mehr in mobile Spiele: Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter ist mit der Entwicklung von Smartphone- und Tablet-Titeln beschäftigt, unter anderem wird „Farmville 2“ für die kleinen Bildschirme angepasst. Derzeit erreicht die Firma mit mobilen Spielen wie „Bubble Safari“ oder „What's the Phrase“ 72 Millionen Nutzer im Monat. Im vergangenen Quartal trugen sie 21 Prozent zum Umsatz bei.

Smartphones und Tablets seien „die ultimative Spiele-Plattform“, sagte Chiang. Allerdings habe sich die Firma an die unterschiedliche Spielweise anpassen müssen: „Die Spielzeiten sind kürzer, oft sind es nur fünf Minuten, die man auf den Bus wartet.“ Daher müssten die Titel schnell laden und die Spiele oder Aufgaben in kurzer Zeit zu bewältigen sein.

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