Spielehersteller
Zynga mit Nettoverlust

Mit einem Nettoverlust hat Zynga trotz stark gestiegender Umsätze das erste Quartal 2012 beendet. Der Facebook-Partner versucht sich von dem Netzwerk zu lösen und andere sucht andere Plattformen.
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San FranciscoZynga laufen die Kosten davon. Der Aufwand, um neue Kunden mit neuen Spielen anzulocken, wird immer höher. Gleichzeitig wird in neue Plattformen investiert, um sich vom übermächtigen Partner Facebook freizuschwimmen, mit dem die Firma aus San Francisco eine Art Hassliebe verbindet. Das alles schlägt sich in einem deutlichen Nettoverlust im abgelaufenen Quartal nieder. Die Aktie fiel im späten nachbörslichen Handel deutlich zurück, nachdem sie kurzfristig zulegen konnte.

Der Nettoverlust des kalifornischen Unternehmens nach US-Bilanzierungsstandard GAAP summierte sich auf 85,5 Millionen Dollar oder 0,12 Cents pro Aktie. Im Vorjahresquartal war es noch ein Nettogewinn von 16,8 Millionen Dollar. Ausschlaggebend waren vor allem massiv erhöhte Ausgaben für Forschung und Entwicklung von 87 Millionen Dollar, nach neun Millionen im Vorjahr. Neben neuen Spielen entwickelt Zynga an neuen Plattformen. Spieler finden das Angebot von Zynga heute nicht mehr nur auf der größten Social-Media-Plattform der Welt, Facebook, sondern auch auf einer eigenen Zynga-Internet-Plattform (Zynga.com) und Mobiltelefonen. Der Vorteil: über Zynga.com lassen sich in Zukunft die 30 Prozent Gebühren bei digitalen Verkäufen sparen, die Facebook für seinen – zwangsweise vorgeschriebenen - Zahlungsservice Facebook Credits verlangt. Das gleiche gilt für Smartphone- oder Tabletspiele, wenn sie ohne Facebook-Anbindung laufen.

Die Abnabelung vom Giganten Facebook ist ein Trend, den nicht nur Zynga vorantreibt. Der Spieleanbieter Crowdstar hat sich jetzt sogar komplett von Facebook verabschiedet und will nur noch für Smartphones und Tablets neu produzieren. Die alten Games laufen noch weiter. Trotzdem: CEO Peter Relan erklärte in einem Interview: „Vergangenes Jahr kamen 90 Prozent des Umsatzes von Facebook, dieses Jahr werden 90 Prozent aus dem Mobilbereich kommen.“

So weit geht Zynga-Gründer Pincus nun doch nicht. Jedenfalls derzeit nicht. Denn noch geht es bergauf. Der Nettoumsatz nach GAAP lag um 32 Prozent höher bei 321 Millionen Dollar. Letzteres ist wichtig für alle Interessenten an der Facebook-Aktie: Zynga zeichnete im ersten Quartal für 15 Prozent aller Facebook-Umsätze verantwortlich. Eine Schwäche bei Zynga hätte direkte Auswirkungen auf Marc Zuckerbergs Börsenkandidat. Ende März waren acht der zehn meistgespielten Spiele auf Facebook von Zynga. Allerdings geht der Umsatzanteil der virtuellen Güter derzeit relativ gesehen zurück. Im Gesamtumsatz sind 28 Millionen Dollar Werbeeinnahmen enthalten, mehr als eine Verdoppelung gegenüber Vorjahr, Kunden wie American Express oder Mac Donald's buchten Anzeigen.

Von Anlegern genau beobachtet wird die Zahl der täglich aktiven Nutzer. Die lag im Durchschnitt bei 65 Millionen und damit um sechs Prozent höher. Die monatlich aktiven Nutzer stiegen um 24 Prozent auf auf 292 Millionen. Das sind gesunde Zahlen, ein Rückgang dieser Zahlen gilt als Warnsignal für unattraktive, veraltete Spiele. Mehr und mehr Spieler sind auch bereit, etwas für ihr Spielerlebnis zu bezahlen. Grundsätzlich sind alle Zynga-Spiele kostenlos. Aber mit ein paar kostenpflichtigen Extras kann sich ein Spieler das Leben oft erheblich erleichtern. Die Zahl derer, die mindestens einmal etwas gekauft haben, stieg gegenüber dem vierten Quartal 2011 von 2,9 auf 3,5 Millionen Spieler. Pro täglich aktiven Nutzer wurden 0,055 Dollar umgesetzt, acht Prozent mehr als im Vorjahr.

Zu verhaltenem Optimismus trugen die „Bookings“ bei, der Wert aller über Zynga verkauften digitalen Güter und Werbung. Mit 329 Millionen Dollar und einem Plus von 15 Prozent gab es hier einen Rekordwert. Die Bookings liegen höher als der Umsatz, weil hier Umsätze enthalten sind, die nach den Bilanzierungsvorschriften auf die Lebenszeit der digitalen Güter verteilt werden.

Für das gesamte Jahr wird nun mit Bookings von 1,425 bis 1,5 Milliarden Dollar gerechnet, eine leichte Aufwärtskorrektur gegenüber Ende 2011. Allerdings nur aus einem Grund, wie CEO Mark Pincus im Analystengespräch später einräumte. Zynga hat OMGpop („Draw something“) für 180 Millionen Dollar übernommen, den Anbieter eines populären Smartphone-Spiels.

Irritierend für manchen Analysten: Im ersten Quartal wurden laut Pincus zwar sechs neue Spiele gestartet, darunter vier für Smartphones, aber Nettoumsatz und Anzeigenumsatz waren gegenüber dem direkten Vorquartal, dem vierten Quartal 2011, nur leicht um drei Prozent gewachsen.

Ein Problem und eine Chance hier: Das größte Wachstum kam und kommt aus dem Smartphonebereich. Die Zahl der täglich aktiven Nutzer sprang laut CEO Pincus im Vergleich zum Vorjahr von zwölf auf 20 Millionen. Hier wird von den Werbekunden jedoch noch deutlich weniger bezahlt, als auf einem Computer-Monitor. Ein Phänomen, von dem zuvor bereits Google, Yahoo und Facebook berichtet hatten.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Spielehersteller: Zynga mit Nettoverlust"

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  • deutsche Spieler boykottieren Zynga, weil Der nicht in der lLage ist Adventure World fehlerfrei ins Netz zu stellen.
    Tausende Spieler können seit Wochen nicht mehr spielen.Kein Spiel von Zynga läuft fehlerfrei.Die Spiele-Entwickler sollten nochmals die Schulbank drücken, da wir sie schon als Idioten abgestempelt haben
    Also kein Wunder, wenn die Verluste einfahren

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