Spielekonsole

Nintendo startet Verkauf der neuen Wii U

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft hat das Warten der Nintendo-Fans ein Ende: Die neue Konsole Wii U kommt auf den Markt. Eine Neuerung: Bilder in voller HD-Auflösung. Auch Deutsche Kunden können bald zuschlagen.
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Beim Bedienen der Wii U ist voller Körpereinsatz gefragt. Quelle: dapd

Beim Bedienen der Wii U ist voller Körpereinsatz gefragt.

(Foto: dapd)

New YorkFür Nintendo schlägt die Stunde der Wahrheit: Der Spielespezialist hat am Sonntag den Verkauf seiner neuen Konsole Wii U in den USA gestartet. Vom Erfolg des neuen Geräts hängt maßgeblich auch die Zukunft der japanischen Traditionsfirma ab. Denn die Wii U muss nicht nur gegen die gewohnte Konkurrenz wie die Playstation von Sony oder die Xbox von Microsoft antreten. Eine Herausforderung ist auch ein neues Verhalten der Nutzer, die viel Zeit mit günstigen Spielen auf Smartphones und Tablets verbringen. In Deutschland kommt die Konsole Ende November auf den Markt.

Nintendo hat bei der Wii U sein Spielekonzept weiterentwickelt. Zur Bedienung gibt es einen Controller mit integriertem Touchscreen, auf dem zusätzliche Informationen angezeigt werden oder das Spiel auch komplett weitergespielt werden kann. Im Gegensatz zur Wii haben die Bilder jetzt auch volle HD-Auflösung. Damit zieht Nintendo bei der Bildqualität mit Playstation und Xbox gleich.

Das lange Leiden der japanischen Elektronikkonzerne
Sony Corp.'s first personal headphone stereo Walkman, the "TPS-L2", launched in July 1979, is seen in this undated handout
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Sony

Die einstige Technik-Ikone Sony hat sich zum Sanierungsfall gewandelt. In den 1950er Jahren brachte der Elektronikkonzern das erste Transistorradio im Westentaschen-Format auf den Markt. Mit dem legendären Walkman (Bild) wurde Sony in den 1980er Jahren das, was Apple heute ist. Mit der Playstation schuf das Unternehmen später einen Markt für Videospiele. Doch die glorreichen Zeiten sind vorbei. Der neue Chef Kazuo Hirai, seit Februar 2012 im Amt, will Sony in den drei Kernbereichen Smartphones, Digitalkameras und Computerspiele wieder zu einem schlagfertigen Wettbewerber machen.

To match Special Report SONY/
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Sony

Kazuo Hirai (Bild) hat dem ehemaligen japanischen Vorzeigeunternehmen ein striktes Sparprogramm verordnet. Die Sanierung will sich Hirai allein im aktuellen Geschäftsjahr 700 Millionen Euro kosten lassen. 10.000 Stellen sollen abgebaut werden. Die TV-Sparte soll ihre Fix- und Betriebskosten drastisch senken. Gerade bei Fernsehern zeigt sich, wie weit Sony im internationalen Vergleich inzwischen zurückgefallen ist. Hirai will so schnell es geht wieder in die schwarzen Zahlen. Dafür hat der Manager, der zuvor das erfolgreiche Geschäft mit den Spielekonsolen führte, ehrgeizige Ziele. Sony soll Weltmarktführer bei Mobiltelefonen werden und auf neuen Geschäftsfeldern aktiv werden.

SONY'S NEW AIBO ENTERTAINMENT ROBOT UNVEILED IN TOKYO
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Sony

Abseits der klassischen Unterhaltungselektronik soll Sony vor allem in der Medizintechnik wachsen. Hirai kündigte Übernahmen und eine regelrechte Einkaufstour an, um bis 2015 auf einen Umsatz von einer halben Milliarde Euro zu kommen. Allerdings wird der Medizintechnik-Markt von mächtigen Konkurrenten beherrscht. Auf einem anderen Gebiet hingegen ist Sony mittlerweile abgeschlagen. Bei der Robotik waren die Japaner früher einer der Weltmarktführer. Doch auch das Aushängeschild, der Roboterhund Aibo (Bild), ist inzwischen in der Versenkung verschwunden. Hirais Vorgänger Howard Stringer stellte die Förderung der Sparte ein.

A "Don't Walk" traffic signal is seen in front of the national flag hoisted on the headquarters of Bank of Japan in Tokyo
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Japanische Elektronikkonzerne

Mit den Problemen steht Sony nicht alleine da, sie sind symptomatisch. Die großen japanischen Konzerne haben in der Konsumelektronik die Vorherrschaft verloren. Die einstige Innovationsführerschaft bei den wichtigsten Produkten der vergangenen 30 Jahren, Fernsehern und Handy, ist Vergangenheit. Vor allem Apple und der südkoreanische Konzern Samsung haben den Japanern das Wasser abgegraben. Japans Konzerne müssten sich „neu erfinden, um wieder zu den Innovationsführern aufzuschließen“, schrieb die japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“. Stellenabbau und Konsolidierung, die klassischen Rezepte in der Krise, reichen dafür allein nicht mehr aus.

huGO-BildID: 22016371 (FILES) This file photo taken on January 10, 2010 shows Japan's highest mountain Mount Fuji rising up behind the skyscraper sky
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Japanische Elektronikkonzerne

Während Apples Innovation im Geschäftsmodell und nicht in der Hardware liegt, konzentrierten sich die japanischen Elektronikriesen weiterhin auf die Fertigung von Produkten - von der Schraube an. Apples Innovation, mit iTunes und dem Betriebssystem der Endgeräte ein geschlossenes System zu entwickeln, das den Alltag der Menschen prägt, wurde von den Japanern nicht aufgegriffen. „Diese Art der Innovation haben Sony und die anderen japanischen Elektronikkonzerne nie verstanden“, sagt Morinosuke Kawaguchi von der Unternehmensberatung Arthur D. Little in Tokio. „Wir können einen guten Walkman bauen, aber kein gutes System.“ Deshalb leiden neben Sony auch die weiteren großen japanischen Elektronikkonzerne (Bild: Skyline von Tokio).

Sharp Corporation net loss to FY11 to 4.7 Billion US Dollars
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Sharp

Auch der Elektronikkonzern Sharp (Bild: Elektronikgeschäft in Tokio) musste im abgelaufenen Geschäftsjahr 2011/12 einen Verlust verbuchen. Nach jüngsten Schätzungen beträgt das Minus 380 Milliarden Yen (3,6 Milliarden Euro). Ursprünglich hatte Sharp einen Gewinn in Aussicht gestellt. Das schwache Geschäft mit Solarzellen und Fernsehern macht dem Konzern zu schaffen. Dabei war Sharp einst führend in der TV-Technik.

huGO-BildID: 9047464 Japan's electronics giant Sharp unveils their prototype model of the world's lightest, thinest and lowest power consuming 52-inc
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Sharp

Bei Sharp ist wie bei Sony das Fernsehgeschäft der wichtigste Pfeiler. Doch es gibt weltweit Überkapazitäten, die Preise fallen rasant. Es tobt ein heftiger Konkurrenzkampf. Zudem hinken die japanischen Hersteller der Konkurrenz aus Asien hinterher. Als Samsung zuletzt marktreife superflache Fernseher der nächsten Generation aus organischen Leuchtdioden zeigte, hatten Sharp und Sony dem nichts entgegenzusetzen. Sharp kündigte zuletzt an, die Produktion von großen TV-Bildschirmen herunterzufahren und sich stärker auf kleinere Bildschirme zu konzentrieren. Diese könnten bei Tablets oder Smartphones eingesetzt werden. Auch auf diesem Gebiet haben die Japaner den Anschluss längst verloren. Auch einem anderen japanischen Elektrokonzern geht es schlecht.

Die vor sechs Jahren gestartete Wii wurde zu einem Überraschungshit und veränderte die Branche. Die Wii war zwar technisch den Konkurrenz-Geräten von Sony und Microsoft unterlegen. Aber dafür war die günstiger und punktete mit ihrer innovativen bewegungsempfindlichen Steuerung. So lockte sie auch viele Frauen, Senioren und Gelegenheitsspieler an - Zielgruppen, um die sich die Industrie zuvor vergebliche bemühte.

Bislang wurden über 97 Millionen Wii-Geräte verkauft, während die Playstation 3 und die Xbox 360 bei rund 70 Millionen liegen. Zuletzt sackten die Verkäufe jedoch stark ab, was Nintendo in rote Zahlen drückte. Zudem bekam der vorherige Hoffnungsträger - die neue mobile Konsole Nintendo 3DS mit ihrem dreidimensionalen schon deutlich die Konkurrenz von Smartphone und Tablet zu spüren. Die Verkäufe zogen erst nach einer Preissenkung an.

Die neueste Spielekonsole von Nintendo: die Wii U. Quelle: dapd

Die neueste Spielekonsole von Nintendo: die Wii U.

(Foto: dapd)

Die Wii U stellt damit auch das bisherige Geschäftsmodell von Nintendo auf die Probe. Zum Start ist die Konsole weitgehend ausverkauft - aber es ist unklar, wie schnell die Produktion angelaufen ist. Branchenanalyst Michael Pachter sagte der Finanznachrichtenagentur Bloomberg, die Wii U könnte noch in den kommenden sechs Monaten schwer zu kriegen sein und dann auf einen Absatz um die zehn Millionen Geräte pro Jahr kommen. Das wäre weniger als bei der Wii.

Einige Branchenbeobachter sehen die Zukunft von Nintendo darin, keine Geräte mehr selbst herzustellen, sondern sich auf die Vermarktung von Spielen zu konzentrieren. Die Japaner haben etwa mit Super Mario oder Zelda beliebte Spielefiguren im Programm. Allerdings hält Nintendo-Chef Satoru Iwata am bisherigen Kurs fest.

Wie wichtig beliebte Spiele-Titel für die Branche werden, zeigte erst vor wenigen Tagen das Kampfspiel „Call of Duty: Black Ops II“, das dem Hersteller Activision Blizzard am ersten Verkaufstag einen Rekord-Umsatz von mehr als 500 Millionen Dollar (393 Millionen Euro) einbrachte.

 
  • dpa
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